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Ärger über Lärm und Staub in Seckbach

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Von: Fabian Böker

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Dieses Hochhaus wird derzeit saniert.
Dieses Hochhaus wird derzeit saniert. © christoph boeckheler*

Die derzeit laufende Sanierung in der Atzelbergstraße schränkt die dort wohnenden Menschen im Alltag stark ein. Die ABG sieht allerdings keine Probleme.

Das Hochhaus Atzelbergstraße 62 ist seit Monaten eine Baustelle. Die Wohnungen werden durch die ABG Holding von Nachtspeicheröfen auf Zentralheizung umgestellt. Dabei erhalten sie auch neue Badezimmer und Küchen. Doch mit den Folgen dieser Arbeiten haben die Bewohner und Bewohnerinnen tagtäglich zu kämpfen.

Handwerker gehen in dem 17-stöckigen Haus ein und aus, Baumaterialien stehen in den verstaubten Etagenfluren, der Aufzug ist mit Spanplatten verkleidet. In Küche und Bad werden Wände aufgerissen und Leitungen verlegt. Beide Räume können während der Arbeiten nicht genutzt werden.

Viele Mieter:innen nehmen es stoisch. „Muss halt gemacht werden“, sagt einer durch die halboffene Tür. Ein anderer wohnt in der Wohnung mit drei Töchtern, die sich ein Zimmer teilen müssen. Er arbeitet im Home-Office, was schwierig sei wegen des Baulärms. Auch brummt eine Maschine in einer der Abstellkammern gegenüber seiner Wohnung. Nachts muss er sich entscheiden: Hitze oder Lärm? Fenster auf oder Fenster zu?

Eine Mieterin ist froh, dass sie es bald hinter sich hat. Ende dieser Woche sollen die Arbeiten in ihrer Wohnung abgeschlossen sein. Die Mutter zweier Kinder auf dem selben Flur dagegen weiß nicht, wie sie mit ihrem Baby und ihrer kleinen Tochter so leben soll. Immerhin sei ihre Kaltmiete von 700 auf 100 Euro gesenkt worden. Eine Ersatzwohnung bekomme sie nicht.

Dazu bestehe keine Notwendigkeit, teilte die ABG mit. „Die Eingriffe in die einzelnen Wohnungen werden auf ein äußerst notwendiges Minimum beschränkt“, heißt es weiter, die Nutzbarkeit der einzelnen Wohnungen sei zwar eingeschränkt, aber möglich.

Statt einer Ersatzwohnung stellt die ABG eine Abstellkammer auf dem Flur zur Verfügung. Darin steht eine Dusche, direkt daneben eine kleine Spüle mit zwei Herdplatten zum kochen, und einen Schritt entfernt, an der gegenüberliegenden Wand, steht die Toilette. Eyup Yilmaz, wohnungspolitischer Sprecher der Linken-Fraktion im Römer, fasst es ganz direkt zusammen: „Duschen, kochen und kacken auf engstem Raum, das geht nicht.“

Yilmaz hatte die Kritik an der Situation durch eine Pressemitteilung und einen Facebook-Eintrag öffentlich gemacht. Für ihn und seine Fraktion seien die „Praktiken der ABG ein No-Go“. Und er geht noch weiter: „Dass eine öffentliche Wohnungsbaugesellschaft die Menschen so behandelt, das ist ein Skandal.“ Eine Ersatzwohnung oder die Unterbringung in einem Hotel sei „das Mindeste“, so Yilmaz.

So sieht es auch Rolf Janßen vom DMB-Mieterschutzverein. Er ist verwundert über das Vorgehen. Da mit Küche und Bad wichtige Räume nicht nutzbar sind und die Bauarbeiten für mehrere Wochen „eine erhebliche Einschränkung“ mit sich bringen, halte er eine Ersatzwohnung für angemessen. „So etwas erleben wir eher von Vermietern, die ihre Häuser entmieten wollen. Dass das bei der ABG passiert überrascht uns.“

Die ABG selbst sieht die ganze Situation anders. Zunächst seien die Arbeiten in der Atzelbergstraße 62 Teil einer groß angelegten Umstellung, die bereits seit etwa zehn Jahren laufe. Das Hochhaus sei die letzte fehlende Liegenschaft in der Siedlung. Bisher sei es nicht zu nennenswerten Problemen gekommen, so die Pressestelle des Unternehmens. Mieter:innen mit Einschränkungen und ältere Bewohner:innen seien zudem im Vorfeld auf die Möglichkeiten eines Ausweichens hingewiesen worden. Das Sozialmanagement der ABG sei durchgehend eingebunden und suche bei Bedarf Lösungen für die betroffenen Personen.

Eyup Yilmaz schüttelt den Kopf angesichts dieser Ausführungen. „Es stimmt einfach nicht, was die ABG sagt.“ Er habe den Lärm, den Staub und die Einschränkungen mit eigenen Ohren und Augen wahrgenommen. Für ihn klar: „Das sind unmenschliche Zustände.“

So sieht es auf den Fluren aus.
So sieht es auf den Fluren aus. © Linke

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