Mit den langen Schaumstoffstangen sollen die Autofahrer zu mehr Abstand beim Überholen animiert werden. Rolf Oeser

Radfahren in Frankfurt

Frankfurt: Mit Schwimmnudel mehr Seitenabstand für Radfahrer

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Bockenheim Aktion des ADFC soll Autofahrer zu größerer Vorsicht beim Überholen von Radfahrern bewegen.

Als sich die kleine Gruppe Radler am Donnerstagnachmittag auf der Schloßstraße in Bewegung setzt, bleiben die Autofahrer dahinter überraschenderweise zunächst einmal auf Distanz. Grund dafür sind die bunten Schwimmnudeln, die sich jeder der rund ein Dutzend Radfahrer quer auf den Gepäckträger geklemmt hat.

Etwa einen Meter über den Radstreifen hinaus ragen die elastischen Schaumstoff-Stäbe auf die Fahrbahn. Initiiert hat die Aktion nach einem Vorbild aus Toronto der Frankfurter ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub), um mehr Seitenabstand beim Überholen von Radfahrern einzufordern. „Viele Autofahrer überholen mit geringfügigem Abstand“, sagt Susanne Neumann vom ADFC. Die unmotorisierten Zweiradfahrer würden auf der Straße aber auch mal schwanken. Dann bestehe eine erhöhte Gefahr, dass sie stürzten, wenn sie knapp überholt werden würden. Deshalb hätten Gerichte für Autofahrer einen Seitenabstand beim Überholvorgang von 1,50 Meter bis 2 Metern beschlossen. In der Straßenverkehrsordnung gebe es dazu bislang keine Vorschrift.

Motto der Aktivisten: „#Mehr Platz fürs Rad“

Nach kurzer Beobachtungsphase ziehen die ersten Karossen an den hintereinander fahrenden Velos vorbei. „Die eine oder andere Poolnudel wurde bereits touchiert“, berichtet Julia Krohmer, die bei der Aktion mitstrampelt und mit der Gruppe beim Wendepunkt an der Ecke Rödelheimer Straße kurz pausiert. Ihre Familie besitze kein Auto und sie pendle fast täglich mit dem Rad zwischen Dornbusch und Bockenheim. „Manchmal wird nur mit einer Armlänge überholt“, sagt die 51-Jährige. Sie sei die eine Hälfte ihres Lebens ohne Radwege groß geworden und habe keine Angst im Straßenverkehr. Jedoch mache sie sich Sorgen um ihren 14-jährigen Sohn, wenn er sich aufs Rad setze. „Alle, auch Kinder und Ältere, sollten sich sicher durch den Verkehr bewegen können“, findet Krohmer und fordert daher eine bessere Fahrradinfrastruktur.

Schilder mit der Aufschrift „#Mehr Platz fürs Rad“ haben die Aktivisten neben den Schwimmnudeln an ihren Rädern befestigt. Davon gibt es in der Schloßstraße wahrlich zu wenig. Rechts parken Autos, teils auf dem weiß verzeichneten Radstreifen. Zwischen den Autofahrbahnen in beiden Richtungen verlaufen noch die Stadtbahngleise. Der ADFC habe die Stadt schon darauf hingewiesen etwas zu ändern. Die Verantwortlichen verwiesen aber auf Verbesserungen für Radler nach einer Sanierung der Straße in unbestimmter Zeit.

Aktionsteilnehmer Otto Gebhardt berichtet von einem parkenden Auto auf dem Radstreifen. „Wenn in dem Moment ein Auto vorbei fährt, wird’s kritisch“, sagt der 65-Jährige. Eine Autofahrerin, die ihre Scheibe runter gekurbelt hat, sagt: „Ich nehme immer Rücksicht und mache einen riesengroßen Radius“. Da scheint sie auf der Schloßstraße an diesem Nachmittag zur Minderheit zu gehören. „Mich hat überrascht, dass nicht gehupt wurde, aber gedrängelt haben viele“, sagt Veranstalterin Neumann.

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