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Wasser marsch im Eschersheimer Freibad.

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Zum Auftakt der Freibadsaison nutzen die Besucher die Anlagen auf ganz unterschiedliche Weise.

Viele Badegäste sind mit dem Fahrrad zum Eschersheimer Freibad gekommen. Statt über Holzlatten zu holpern, können sie Dank der neuen Nidda-Brücke seit diesem Jahr sanft zum Haupteingang gleiten. Doch dort hat sich am Eröffnungswochenende, wie vor allen Frankfurter Freibädern auch, eine lange Schlange gebildet. Viele nehmen Wartezeiten von über einer halben Stunde in Kauf, um sich dann endlich im kühlen Nass zu erfrischen.

Zuerst der große Zeh, mutig den Fuß bis zum Knöchel und dann langsam Stufe für Stufe. Das Wasser im großen Becken des Eschersheimer Freibades, 15 Grad unter Körpertemperatur, sorgt auch am bisher wärmsten Tag des Jahres für Gänsehaut. Konzentration erfordert das Einsteigen noch einmal zwischen Hüfte und Brustkorb, da nützt auch Luft anhalten und Schultern hochziehen nichts. Hände, Arme, Schultern anfeuchten. Augen zu, kreischen – und Platsch.

So steigen Maliya, Maia, Charlotte und Miriam aus Sachsenhausen am Sonntagmittag ins kühle Nass des Eschersheimer Volksbads. Die Grundschülerinnen hätten sich gewünscht, das Wasser sei wärmer. Unempfindlicher sind Dominik (12), Oli (12) und Julian (11). Keine zwei Minuten sind sie im Schwimmbad, da toben sie im Becken. Dass die Bäder seit Februar für unter 15-Jährige kostenlos sind, findet Oli „voll baba“. „Ich darf jetzt jeden Tag ins Freibad“, freut er sich.

Gar nicht ins Wasser gehen Nina und Jana. „Wir sind zum Sonnen hier. Wenn es zu warm wird, duschen wir kurz“, erklärt Nina. „Kinder sind da abgehärteter, aber mir ist das Wasser zu kalt.“ Sie haben ihren Platz in der Sonne nah am Becken, wo die meisten zwischen 20 und 30 sind und sich zu ihren Jugendsünden am Körper bekennen.

Anders nach dem Haupteingang rechts. Dort haben nahe dem Kleinkindbereich Familien ihre Handtücher ausgebreitet. Die fünfköpfige Familie Mohr nascht Gurkenscheiben, Paprikastreifen und Obstsalat aus mitgebrachten Dosen. Sie sind neu in Frankfurt und am Eröffnungswochenende das erste Mal hier.

Wiktor (7) kühlt sich mit Papa an den Wasserspielen ab.

„Die in der nordhessischen Heimat sind ganz neidisch, dass Kinder hier umsonst baden dürfen“, sagt Mutter Mohr. Weil ihr Mann städtischer Angestellter ist, hat die ganze Familie nur 8,50 Euro Eintritt gezahlt. „Ein feiner Zug“, findet der Familienvater. Der Sohn meint, das Beste am Eschersheimer Freibad sei die Rutsche. Sie ist zwar nur wenige Meter lang, hat sich mit 30 Metern aber den europäischen Superlativ in der Breite verdient.

Während Kinder pausenlos toben, sich andere auf Ananas-Luftmatratze oder Flamingo-Schwimmring treiben lassen, Kniffel spielen oder Weltkugel-Wasserbälle werfen, blättert eine Frau auf einer Bank eifrig in einem Buch und macht Notizen „Ich bin Lehrerin und bereite meinen Unterricht vor“, erklärt sie. „Aber hier zu arbeiten macht bei diesem Wetter mehr Spaß als zu Hause.“

Für wen Gras nicht nur ein weicher Bodenbelag ist oder wer statt Kreischen und Platschen lieber Stille hört, orientiert sich auf dem 80 000 Quadratmeter großen Areal hinter Volleyballfeld und Wasserspiel ganz weit links. Dort, wo die Strandkorb-Dichte höher ist, haben es sich auch zwei Damen im Schatten eines Baumes gemütlich gemacht.

„Wir kommen seit zwei Jahren immer hierher“, sagen sie. „Und vermissen die Nilgänse aus dem Brentanobad nicht.“ Die Vogelplage mit all ihren Begleiterscheinungen hat die Rentnerinnen ihr Stammbad wechseln lassen.

Die Stimmung im Eschersheimer Freibad ist blendend. Nur einer weint, als ob die Welt unterginge. Der Grund ist schnell ermittelt: „Ich will noch hiiierbleibeeen!“

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