Der Nahverkehrsplan definiert Standards für die Entwicklung des Liniennetzes.  
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Der Nahverkehrsplan definiert Standards für die Entwicklung des Liniennetzes.  

Verkehr

Schwierige Barrierfreiheit bei Bussen und Bahnen in Frankfurt

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Die Stadt will den öffentlichen Nahverkehr ausbauen, kann aber dabei nicht alle Ziele einhalten. Schwierig ist es bei der Barrierefreiheit.

Eigentlich hätte er schon seit Jahren überarbeitet vorliegen müssen: der Nahverkehrsplan. Er fasst zusammen, wie der Nahverkehr in Frankfurt aufgestellt ist und sich in den nächsten fünf Jahren entwickeln soll. Die jüngste Fassung stammt aber aus dem Jahr 2005. Sein Amtsvorgänger Stefan Majer (Grüne) habe vor fünf Jahren die Arbeit daran gestoppt, sagte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) am Dienstag. „Weil die Strukturdaten nicht mehr aktuell waren.“ Denn die Stadt wuchs und wächst immer weiter. „Nun sind wir aber fast zehn Jahre im Nachgang.“

Oesterling hat nun gemeinsam mit der Nahverkehrsgesellschaft Traffiq einen Entwurf für den Plan vorgelegt. Es geht dabei um Taktung von Bussen und Bahnen, um Barrierefreiheit, wie weit Wege zu Stationen und Haltestellen maximal sein dürfen. Und das vor dem Hintergrund der wachsenden Stadt. „Wir müssen da nachpflegen“, sagte Traffiq-Geschäftsführer Tom Reinhold. So seien auch Themen wie etwa Klimaschutz wichtiger als vor noch zehn Jahren. „Diese Ziele sind nun mit reingekommen.“

In dem Plan ist etwa vorgesehen, dass Busse „in Zukunft nach Qualität und Angebot kategorisiert werden“, sagte Oesterling. So wie im Schienenverkehr, da wüsste auch jeder durch die Begriffe ICE, IC und Regionalexpress die Züge zu unterscheiden. In Frankfurt soll es daher Metrobusse, Expressbusse und Quartiersbusse geben, die entsprechend mit „M“, „X“ und „Q“ gekennzeichnet sein sollen. Daraus solle jeder schließen können, wie oft der Bus fahre, „ohne auf den Fahrplan schauen zu müssen“, sagte Oesterling. Die eMetrobusse sollen ab Dezember eingeführt werden und dann alle zehn Minuten fahren, nachts alle 30 Minuten. Expressbusse sollen schneller ans Ziel bringen und fahren alle 30 Minuten, nachts aber nicht.

Buslinien

Drei neue Expressbuslinien werden eingeführt: X58, X61, X77.

Einführung der Metrobuslinien in Stufe 1 (ab Dezember): M32, M34, M36, M43, M55, M60 und M72/73.

Metrobuslinien in Stufe 2 : M39, M51, M64, Verlängerung der Linien M33, M34.

Beschleunigung der Linien 29, 30, M32, M34, M36, 38, M43, 50, M51, M55, 59, M60, M72.

Das politische Ziel, zum 1. Januar 2022 eine flächendeckenden Barrierefreiheit im Nahverkehr verwirklicht zu haben, „werden wir nicht hinkriegen“, sagte Reinhold. Es müssten Ausnahmen definiert werden – aus städtebaulichen Gründen oder weil es die Haushaltslage nicht zulasse. So sind derzeit noch drei U-Bahn-Stationen nicht barrierefrei: Westend, Römerstadt, Niddapark. „Der Niddapark war schon einmal barrierefrei, der Aufzug wurde aber vor 20 Jahren wegen Vandalismus stillgelegt“, sagte Oesterling. Es würde sich an der Station abends eben niemand aufhalten. Instandsetzen könne man den Aufzug 2023, dann werde es die S-Bahn-Station Ginnheim geben. Dann sei es an der Station belebter, „die Menschen werden dort umsteigen“.

Auch 315 Bus- und 65 Straßenbahnlinien sind noch nicht barrierefrei. Alles Fälle, bei denen der Umbau schwierig sei, sagte Oesterling. Wenn etwa die Straßenbahn in der Mitte fahre, könne nicht einfach „hochgepflastert“ werden. So seien im Gallus die meisten Haltestellen nicht barrierefrei. Behindertenverbände kritisierten zudem, dass stark frequentierte Stationen wie Konstablerwache und Hauptwache nur einen Aufzug hätten. „Doch es wird nur einer bezuschusst“, sagte Oesterling. „Da muss man schauen, dass die Richtlinien geändert werden.“

„Nahverkehrsplan 2025+“ nennt sich der Entwurf, denn er soll nicht nur definieren, wie sich der Nahverkehr bis zum Jahr 2025 entwickeln soll, sondern auch Perspektiven bis ins Jahr 2030 und darüber hinaus aufzeigen. So wird etwa die Verlängerung der U5 ins Europaviertel und zum Römerhof Verkehr von den Straßenbahnen abziehen und muss in der Entwicklung berücksichtigt werden.

Der Traffiq-Aufsichtsrat hat dem Entwurf bereits zugestimmt. Nun müssen Magistrat und Stadtverordnete darüber befinden.

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