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Die schwersten Krawalle seit Jahren

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Von: Georg Leppert

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Blanker Hass: Fußball-Fans aus Frankfurt und Kaiserslautern prügeln sich am Stadion.
Blanker Hass: Fußball-Fans aus Frankfurt und Kaiserslautern prügeln sich am Stadion. © dapd

Schon vor dem Anpfiff ging es hoch her beim Derby zwischen Eintracht und Kaiserslautern. Frankfurter beschossen ein Zug mit FCK-Fans. Die antworteten mit gleicher Münze. Nach dem Match kesselte die Polizei 380 Eintracht-Anhänger ein

Am Tag nach der großen Randale sitzt der Schock tief. „Einen solchen Ausbruch der Gewalt habe ich lange nicht mehr erlebt“, sagt Karlheinz Wagner, Pressesprecher der Frankfurter Polizei. Rainer Willbrand, Einsatzleiter der Bundespolizei, spricht am Sonntag von einer „neuen Form der Eskalation“, und auch bei der Fanbetreuung von Eintracht Frankfurt stellt man sich Fragen über Fragen. „Wir wussten, dass es eine brisante Partie werden würde“, sagt Marc Francis, der am Samstagmittag am Stadion im Dauereinsatz war, „aber mit dieser Art der Krawalle hatten die wenigsten Experten gerechnet.“

Was genau vor der Bundesliga-Partie zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Kaiserslautern passierte, erläutert die Polizei in einem neunseitigen Bericht: fünf verletzte Beamte, 17 Festnahmen, 21 Strafanzeigen wegen Landfriedensbruchs, Körperverletzung und Verstößen gegen das Waffengesetz, 380 Frankfurter Fans im Polizeikessel, 500 Platzverweise für den Bahnhof Stadion.

Vor allem die Ankunft eines Sonderzuges aus Kaiserslautern war von Auseinandersetzungen begleitet, wie es sie am Frankfurter Stadion seit Jahren nicht mehr gegeben hat. Rund 950 Anhänger des FCK waren in dem Zug angereist. Gegen 13.30 Uhr zogen sie wenige Meter vor dem Bahnhof Stadion, in Höhe des Parkplatz Gleisdreieck, die Notbremse. Darauf schienen einige Dutzend Frankfurter Hooligans, die an den Gleisen standen, nur gewartet zu haben. Sie bewarfen den Zug mit Steinen und Flaschen, zündeten Böller und schossen Leuchtraketen auf die Waggons. Die Pfälzer reagierten mit den gleichen Waffen, wie Ralf Ströher, Sprecher der Bundespolizei, erklärte.

Familien flüchten sich in Sicherheit

Minutenlang herrschte am Gleisdreieck das totale Chaos. Familienväter brachten sich und ihre Kinder in Sicherheit, friedliche Fans rannten in Panik weg. Schließlich gelang es der Polizei, die beiden Gruppen zu trennen. Der weitgehend demolierte Zug – die Bundespolizei spricht von mehreren tausend Euro Schaden – legte die letzten Meter bis zur Station zurück.

Dort ging es direkt weiter. Nachdem die Pfälzer aus den Waggons gelassen worden waren, prügelten FCK- und Eintracht-Fans aufeinander ein. Sie bewarfen sich mit Böllern und zündeten Rauchbomben. Auch Polizisten wurden attackiert. Um die Fangruppen zu trennen, setzte die Polizei Schlagstöcke und Pfefferspray ein.

Schließlich entschieden sich die Beamten, 380 Frankfurter Fans festzuhalten und ihre Personalien aufzunehmen. Eine Maßnahme, die von Eintracht-Fans im Internet kritisiert wird. Unter den eingekesselten Anhängern hätten sich zahlreiche Menschen befunden, die mit der Randale nichts zu tun gehabt hätten, heißt es.

Die Krawalle hatten auch massive Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Wegen des Polizeieinsatzes war die Station Stadion gesperrt. Zwischen 13.30 und 14.50 Uhr konnten keine S-Bahnen vom Hauptbahnhof zum Stadion fahren. Insgesamt 18 Bahnen fielen aus. Einzige Alternative waren die vollkommen überfüllten Straßenbahnen. Obwohl der Anpfiff des Spiels um eine Viertelstunde verschoben wurde, kamen Tausende zu spät in die Arena.

Bengalische Feuer

Während des Spiels zündeten die Fans aus Kaiserslautern bengalische Feuer. Laut Polizeibericht griffen Anhänger beider Mannschaften Ordner an und rissen Sitze heraus. Bereits am Vormittag hatte es in der Innenstadt Ärger gegeben. Rund 400 Eintracht-Ultras hatten sich an der Alten Oper getroffen, um sich auf das Derby einzustimmen. Laut Polizei warfen sie in der Kaiser- und in der Taunusstraße Feuerwerkskörper auf Polizisten und Passanten.

Am Freitagabend hatten unbekannte Täter 150 Baumstämme und große Äste auf Waldwege rund ums Stadion gelegt. Über die Wege führt die Polizei häufig Fans der Auswärtsmannschaften, um sie ohne Konfrontationen mit den Eintracht-Anhängern zum Stadion zu geleiten. Diese Option wollten die Täter offenbar nehmen.

Die Rivalität zwischen den Fans von Frankfurt und Kaiserslautern hat bereits Tradition. Vor dem Hinspiel im Herbst vergangenen Jahres hatten die Eintracht-Anhänger im Internet zu einem „Schlachtfest“ in Kaiserslautern aufgerufen. Für negative Schlagzeilen hatten Eintracht-Fans auch vor einigen Wochen gesorgt, als sie eine Kneipe in Offenbach angriffen. Dort hielten sich Fans aus Offenbach und Leverkusen auf.

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