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Bis zu 1,30 Meter lang kann der Steppenwaran werden.

Schwanheim

Waran Wotan wohnt jetzt am Waldrand

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Das Reptil aus dem mittleren Afrika ist der Neuzugang im Schwanheimer Kobelt-Zoo. Ende des Monats öffnet der kleine Tierpark wieder seine Pforten.

Die Zeichen im Schwanheimer Kobelt-Zoo stehen auf Neubeginn: Am Pfingstsonntag, 31. Mai, öffnet der Tierpark an der Schwanheimer Bahnstraße nach Wochen der Zwangsschließung wieder seine Pforten – mit begrenzter Besucherzahl und allen nötigen Sicherheitsvorkehrungen.

Da passt es gut, dass gerade ein neuer Bewohner in das Terrarium der 17 000 Quadratmeter großen Anlage direkt am Schwanheimer Wald eingezogen ist: Steppenwaran Wotan bereichert als Exot die Menagerie der etwa 250 tierischen Bewohner, die von Kanarienvögeln und Zwergmangusten über Schweine, Esel, Ziegen, Ponys und Papageien bis hin zu kleinen Affen, Kängurus und Lamas reicht. Michael Rezagholinia, der Reptilienexperte im Kobelt-Zoo, hat Waran Wotan von einer Münchener Reptilien-Auffangstation übernommen. Mit dieser pflegt die Schwanheimer Gesellschaft Dr. Wilhelm Kobelt, die den kleinen Zoo betreibt, gute Kontakte.

„Wotan wurde als Baby in einem Park in Freiburg gefunden, wo er ausgesetzt worden war“, berichtet Rezagholinia. „Vermutlich von überforderten Besitzern, die sich einfach mal ein exotisches Tier kaufen wollten – ohne ausreichend beraten worden zu sein.“ Höchstens zwei Jahre sei Wotan jetzt alt. Er misst gerade mal 20 Zentimeter vom Kopf bis zum Schwanz. Auf stolze 1,30 Meter Länge kann er es im ausgewachsenen Zustand bringen – und bis zu 20 Jahre alt werden, erklärt der Experte.

Er kennt sich mit Waranen bestens aus: Beim Immobilien-Erwerb in ihrer mittelafrikanischen Heimat sind Gesellen wie Wotan nicht eben zimperlich, erklärt Michael Rezagholinia: „Warane graben sich keine Höhlen selbst, sondern fressen die Besitzer wie Riesenheuschrecken, Skorpione oder kleinere Echsen einfach auf und ziehen dann ein.“

Insolvenz abgewendet

Im Kobelt-Zoo konnte er sich hingegen ins gemachte Nest setzen: In Nachbarschaft zur gelben Anakonda Olli wohnt Wotan nun in einem geräumigen Terrarium mit einem Erde-Sand-Gemisch als Untergrund; verschiedenen Korkröhren dienen zum Verstecken, große und kleine Äste bieten Klettermöglichkeiten. Die Wurzel eines umgestürzten Baumes dient ihm als Schlafhöhle und Sonnenplatz gleichermaßen.

„Er sieht aus wie ein Miniaturdrache“, findet Mitarbeiterin Sarah Rezagholinia, die Frau von Michael. „Deshalb dürften ihn gerade unsere jüngeren Besucher schnell ins Herz schließen“, glaubt sie, schränkt aber ein: „Bei der Wiedereröffnung müssen unsere Innenräume wie das Echsenhaus leider geschlossen bleiben. Denn dort können wir die Abstandsregelungen nicht einhalten.“ Große Fotos sollen die Besucher aber über den scheuen Neuzugang und seine Mitbewohner im Reptilienhaus – vier Bartagamen, eine Kornnatter, eine Kettennatter und das Jemen-Chamäleon Norbert – informieren.

Überhaupt zählt das rührige Team um Zoo-Leiterin Elke Diefenhardt erwartungsvoll die Tage bis zur Wiedereröffnung. Dank der überwältigenden Hilfsbereitschaft der Schwanheimer in den vergangenen Wochen sei das Schreckgespenst des finanziellen Kollapses vorerst verjagt, wie die Chefin des ehrenamtlich betriebenen Zoos berichtet. Und auch wenn demnächst die komplette in die Jahre gekommene Elektrik für viel Geld erneuert werden muss, kann Elke Diefenhardt dennoch verkünden: „Durch den Sommer kommen wir auf jeden Fall – dann sehen wir weiter.“

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