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Lilo Günzler war eine engagierte Zeitzeugin, Buchautorin und hochgeschätzte Persönlichkeit in Schwanheim.
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Lilo Günzler war eine engagierte Zeitzeugin, Buchautorin und hochgeschätzte Persönlichkeit in Schwanheim.

Schwanheim

Ehre für Lilo Günzler

  • vonMichael Forst
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Die Hans-Pfitzner-Straße in Schwanheim wurde unbürokratisch umbenannt. Sie heißt nun Lilo-Günzler-Straße – nach der engagierten NS-Zeitzeugin aus Schwanheim. Sie starb im Februar 2020.

Die Eröffnungszeremonie entfiel wegen der Pandemie: Eher unauffällig ist jetzt die Umbenennung der Hans-Pfitzner-Straße in die Lilo-Günzler-Straße im Stadtteil Schwanheim vollzogen worden. Ungewöhnlich schnell und unbürokratisch hat die Stadt damit dem im März vergangenen Jahres fraktionsübergreifend vorgetragenen Wunsch des Ortsbeirats 6 (Frankfurter Westen) entsprochen.

Unbürokratisch auch deshalb, weil vom sonst geltenden Grundsatz abgewichen wurde, wonach eine Person mindestens drei Jahre tot sein muss, ehe eine Straße nach ihr benannt werden kann. Die Schwanheimer Zeitzeugin Lilo Günzler starb im Februar 2020. Für eine Übergangszeit von zwei Jahren wird das alte Schild, leicht versetzt unter dem neuen, belassen – auch um Komplikationen, etwa mit der Postzustellung, zu vermeiden.

Ein Fall Anfang 2020 in Wiesbaden hatte den Ortsbeirat auf das Problem der alten Straßenbenennung aufmerksam gemacht. Dort hatte das Stadtparlament gegen das Votum des eigentlich für solche Fragen zuständigen Ortsbeirats die Umbenennung der dortigen Pfitznerstraße entschieden. Hintergrund: Der Komponist Hans Pfitzner (1869 bis 1949) schrieb nicht nur Opern wie „Die Rose vom Liebesgarten“, sondern auch politische Kampfschriften, oft mit antisemitischer Zielrichtung. Auch nach dem Krieg soll Pfitzner die Massenvernichtung des Holocaust geleugnet haben.

Zwei Jahre lang bleiben nun beide Straßenschilder in Schwanheim stehen. Gültig ist aber künftig nur der Name Lilo-Günzler-Straße.

Die Umbenennung nach Lilo Günzler setzt nun ein deutliches Zeichen dagegen. Als Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters entkam die 1933 geborene Schwanheimerin mit viel Glück der Deportation durch die Nazis. Später hat sie als Zeitzeugin bis ins hohe Alter unter anderem viele Schulklassen besucht, von ihren Erfahrungen im Nationalsozialismus erzählt und jungen Menschen diese Zeit zugänglich gemacht.

Mehrere Bürger hätten den Wunsch, die Straße in Lilo Günzler umzubenennen, an den Ortsbeirat herangetragen, berichtet Ortsvorsteherin Susanne Serke (CDU). „Nicht nur mit Blick auf Lilo Günzlers besondere Verbindung zu Schwanheim, sondern auch auf ihren historischen Hintergrund haben wir diesen Vorschlag gerne aufgegriffen“, berichtet sie. Besonders schön sei dabei, „dass wir im Ortsbeirat eine einvernehmliche Lösung gefunden haben“.

Überwiegend positiv haben die Schwanheimer Bürgerinnen und Bürger auf die Umbenennung reagiert, berichtet das Schwanheimer Ortsbeiratsmitglied Ilona Klimroth (CDU). Auch wenn gelegentlich ältere Menschen bei ihr anriefen, die fragten: „Warum muss denn unsere kleine Straße umbenannt werden?“ Die meisten aber seien wie sie glücklich mit dem neuen Namen – „und dass die Namensgeberin eine Schwanheimerin ist – und keine russische Malerin oder Ähnliches“.

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