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Ob das schelmisch schauende Schwein Wolfgang oder Lena ist, das müssen Sie schon vor Ort erfragen.
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Ob das schelmisch schauende Schwein Wolfgang oder Lena ist, das müssen Sie schon vor Ort erfragen.

Schwanheim

Nutrias und allerlei anderes Getier

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
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Der Kobelt-Zoo in Schwanheim erfährt viel Unterstützung in schweren Zeiten. Und neue Bewohner ziehen auch ein.

Über das große Tablett, auf dem Apfel-, Birnen- und Bananenstücke, Fenchel, Maronen, Salat und Zwiebeln liegen, machen sich Albert und Luise sofort her. Mit ihren hervorstehenden, orangefarbenen Schneidezähnen und ihrem starkem Gebiss nagen und mahlen die beiden jungen Nutrias ihr Futter in schnellen Bewegungen klein. Die beiden einjährigen Biberratten mit den langen Schwänzen sind neu und die ersten ihrer Art im Kobelt-Zoo.

Ihr Gehege mit Teich, für das einige Hasen in den hinteren Teil umziehen mussten, liegt gleich am Eingang des kleinen Tierparks am Schwanheimer Ortsrand. „Kaum lege ich was zu essen hin, schon ist es weg“, sagt der 15-jährige Amaro, der das Tablett ins Gehege gebracht hat. Er ist einer von knapp zwei Dutzend Helfer:innen, die mit dafür sorgen, dass die Tiere gefüttert werden und der vollständig ehrenamtlich geführte Zoo in Schuss bleibt.

Vor 105 Jahren in Gedenken an den Schwanheimer Arzt und Zoologen Wilhelm Kobelt gegründet, sind seit etwa einem Drittel dieser Zeit Elke Diefenhardt und Monika Greitzke verantwortlich für den Zoo und opfern viele Stunden ihrer Freizeit. Sie berichten von ihren ersten Erfahrungen mit den Nagetieren, die mancherorts zur Plage geworden sind. „Nutrias zählen zu den invasiven Tierarten“, sagt Greitzke. Kastriert seien ihre Neuankömmlinge, die sie vor kurzem von der Wildtierhilfe übernommen hätten, deshalb bereits. Häufig finden ausgesetzte Tiere, darunter Esel, Lamas, Papageien und Reptilien, auf ähnlichen Wegen ein neues Zuhause im Kobelt-Zoo.

Die gefräßigen Nutrias haben auch schon den Holzzaun ihres Geheges angenagt. Deshalb stehen nun durchsichtige Plexisglasplatten bereit, die den Zaun ersetzen und Kindern die Möglichkeit geben sollen, die Nager gefahrlos zu beobachten. Es ist nicht die einzige Aufgabe, die auf dem 1,7 Hektar großen Gelände am Waldrand noch ansteht, ehe sich das Tor für Besucher:innen wie jedes Jahr erstmals am 1. Mai öffnen soll. Natürlich nur, sofern es die Corona-Einschränkungen dann zulassen.

Öffnungszeiten

Die Saison des Kobelt-Zoos, Schwanheimer Bahnstraße 5, beginnt üblicherweise am 1. Mai und endet am 30. September. Aufgrund der Corona-Pandemie und des größeren Aufwands, den die Ehrenamtlichen zur Umsetzung des Hygienekonzepts leisten mussten, soll der kleine Tierpark in dieser Saison, wie im Vorjahr, nur sonntags, und dann von 11 bis 17 Uhr, geöffnet sein. Ob allerdings wirklich am 1. Mai – einem Samstag – geöffnet werden kann, bezweifelt Kassenwartin Monika Greitzke aktuell.

Aktuelle Information auf kobelt-zoo.de oder per E-Mail an kobelt-zoo@web.de.
Vor Corona war samstags (14 bis 19 Uhr) sowie sonntags (11 bis 17 Uhr) – daneben zu besonderen Anlässen wie Halloween – geöffnet. cd

Das größte Projekt der letzten Monate ist zur Hälfte abgeschlossen. Völlig veraltete, teils noch stoffummantelte Stromleitungen vom Eingang bis zum Schlangenhaus wurden erneuert. Eineinhalb Meter tief mussten die Leitungen vergraben werden. Und das auf einer Strecke von 250 Metern. „Ein Mammutprojekt“, sagt Greitzke. Aber bitternötig: „Teilweise ist dreimal am Tag die Sicherung rausgeflogen und den Tieren wurde kalt“, ergänzt die 61-Jährige. „Das hat Nerven gekostet“, berichtet Diefenhardt und stöhnt. Zum Affenhaus müssen die Leitungen noch verlegt werden, dort aber nicht ganz so tief, weil keine Autos für Lieferungen darüber rollen wie auf dem Weg zum Schlangenhaus. Die rund 24 000 Euro Kosten inklusive eines Stromkastens hätten sie teils durch Rücklagen finanziert. Auch die Spendenbereitschaft, die seit jeher das Überleben des kostenlosen Zoos sichert, sei groß gewesen.

Außerdem muss noch ein großer Teich gereinigt, neu bepflanzt und Zäune gestrichen werden. Die Gehege der Vögel, die den größten Teil der etwa 250 im Kobelt-Zoo lebenden Tiere ausmachen, werden mit Planen und Hasendraht geschützt, um die derzeit grassierende Vogelgrippe fernzuhalten. Diefenhardt tue es leid, dass den Vögeln durch die Abdeckung die Sonne genommen werde, aber Sicherheit gehe vor.

Das gilt auch für das Hygienekonzept des Tiergartens während der Corona-Pandemie, das sich in der vergangenen Saison bewährt habe. Nur 80 Besucher:innen durften gleichzeitig in den Kobelt-Zoo und wurden durch ein „Einbahnstraßensystem“ geleitet. Der Zugang zum Spielplatz bleibt durch Bauzäune weiterhin gesperrt. Es gibt keine Bewirtung und keine Sitzmöglichkeiten. „Wir haben bewusst alle Bänke weggestellt, um eine Pulkbildung zu vermeiden“, berichtet Greitzke.

Schlangen- und Affenhaus werden wie im Vorjahr geschlossen sein, um engen Kontakt zu vermeiden. Eine Fotowand soll wieder zeigen, wer in den Häusern lebt.

Neben den Nutrias Albert und Luise können hoffentlich ab Mai auch zwei weitere Neuzugänge beobachtet werden, wie sie ihre Rüssel in die Erde bohren. Es sind die beiden Hausschweine Wolfgang und Lena- Ludwig, die nicht verwandt sind, aber eine neue Wohngemeinschaft im Kobelt-Zoo bilden.

Der 15-jährige Amaro bringt den Nutrias Futter ins neue Gehege.
Die Anaconda im Reptilienhaus darf zurzeit nicht besichtigt werden.

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