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Einzigartige Kunstwerke auf Glas aus Schwanheim

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Von: Fabian Böker

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Elisabeth Schillings-Theißen arbeitet derzeit an einem Tisch-Paravent. Auch Hündin Maya guckt da manchmal zu.
Elisabeth Schillings-Theißen arbeitet derzeit an einem Tisch-Paravent. Auch Hündin Maya guckt da manchmal zu. © Monika Müller

Die Glasmalerei von Familie Schillings ist die einzige ihrer Art in Frankfurt. Und das seit nunmehr 50 Jahren.

In schnelllebigen Zeiten wie diesen noch echtes Handwerk zu betreiben, ist an sich schon ungewöhnlich. In Frankfurt eine Glasmalerei zu führen, ist dann im wahrsten Sinne des Wortes einzigartig. Denn es gibt seit Jahrzehnten nur noch eine, die von Familie Schillings in Schwanheim. Se existiert seit nunmehr 50 Jahren – und Inhaberin Elisabeth Schillings-Theißen liebt ihren Job wie eh und je.

Denn dieser, sagt die 42-Jährige in ihrer Werkstatt in der Martinskirchstraße 79, „ist jeden Tag anders“. Zu ihren Hauptkunden gehören Kirchengemeinden, die neue Kirchenfenster brauchen oder alte restaurieren müssen. „Wir reden von Kirchen im Umkreis von bis zu 200 Kilometern“, sagt Elisabeth Schillings-Theißen. Einmal ging es sogar bis an die Côte d’Azur in Frankreich, um ein neues Fenster zu gestalten.

für solche Arbeiten gehen dann meist mehrere Wochen drauf. „Denn es wird ja nicht einfach nur Glas bemalt“, betont sie. „Wir reden hier teilweise von sehr großen Flächen und von zahlreichen Details.“ Die Entwürfe stammen dabei nicht unbedingt immer von Elisabeth Schillings-Theißen selbst. Manchmal setzt sich auch ein Glaskünstler oder eine Glaskünstlerin mit ihr zusammen, um das Bild zu gestalten. Schillings-Theißen setzt die Idee dann um.

Weniger Zeit nehmen oft private Aufträge entgegen, das zweite Standbein der Schwanheimer Glasmalerei. So wie das weihnachtliche Tisch-Paravent, das derzeit entsteht. Der Kunde war ursprünglich wegen der Sanierung eines Fensters gekommen, wollte dann aber auch einen ganz besonderen Schmuck in der Wohnung für die Adventszeit haben.

Und so sitzt Elisabeth Schillings-Theißen, die nebenbei noch zweifache Mutter ist, an ihrem Werktisch, vor sich liegt ein zusammengesetztes Bild aus mundgeblasenem Antikglas. Sie hat vorab mehrere 90 mal 60 Zentimeter große Glasstücke verschiedener Farben auseinandergebrochen, zu dem gewünschten Muster zusammengesetzt und einzelne Flächen mit größter Detailverliebtheit mit einer Krippenszene bemalt. Nach jeder Farbschicht muss das Werk in einem Ofen gebrannt werden.

Ein Handwerk, das die Glasmalerin einst als duale Ausbildung im Betrieb ihrer Eltern Hans Hugo Schillings und Hildegard Schillings-Holler gelernt hat. Das Ehepaar hatte das Unternehmen am 1. Juni 1972 gegründet, wenige Jahre nachdem die beiden letzten verbliebenen Glasmalereien in Frankfurt ihren Betrieb einstellten. Um 1900 gab es noch vier. Seit 50 Jahren nur noch die eine.

Glasmalerei liegt Familie Schillings im Blut. Bereits Hildegards Vater Erwin Holler ist diesem Handwerk nachgegangen. 2006 übernahm dann Elisabeth den elterlichen Betrieb, ihre Mutter ist bis heute als Seniorchefin mit dabei. Noch am gestrigen Freitag hat sie sich mit dem einzigen fest angestellten Mitarbeiter eine Kirche für einen neuen Auftrag angeschaut.

Auch Elisabeths Schwester Ines hat Glasmalerei gelernt und führt mit ihrem Mann Marco Uecker eine Glaserei direkt nebenan. „Ab und zu helfen wir uns auch gegenseitig“, beschreibt Elisabeth Schillings-Theißen das Verhältnis.

Ihr Vater Hans Hugo kann das alles leider nicht mehr erleben, er ist im August mit 90 Jahren gestorben. Von ihm habe sie viel gelernt. „Er hat als Kind der Kriegsgeneration gefroren - das wollte er nie wieder erleben. Also haben wir in unserem Haus vier Kamine. Das wird uns jetzt helfen, wenn die Energiepreise steigen.“ Auch Corona hat die Glasmalerei auf diese Art gut überstanden, „denn wir haben frühzeitig Vorräte an Glas und Blei angeschafft. So konnten wir alle Aufträge bedienen.“

Und von denen gab und gibt es immer noch viele. „Vielleicht, gerade weil es so eine schnelllebige Zeit ist“, vermutet die Glasmalerin. Da seien manche Menschen auch einfach mal froh, zu sehen, dass bestimmte Sachen einfach ihre Zeit brauchen, um gut zu werden. Und sei es ein gläsernes Tisch-Paravent für die Weihnachtszeit.

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