Schwanheim

Arbeitskreis sucht neuen Namen für Schwanheimer Hans-Pfitzner-Straße

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Der Komponist gilt als Holocaust-Leugner. Magistratsmitglieder machen Druck auf den Ortsbeirat.

Der Ortsbeirat 6 möchte die Hans-Pfitzner-Straße in Schwanheim umbenennen. Der Komponist Pfitzner (1869-1949) gilt als Holocaust-Leugner. „Wir haben einen Arbeitskreis gegründet, der sich intensiv mit dem Thema befasst“, sagt Ortsvorsteherin Susanne Serke (CDU). Neben der Einigung auf einen neuen Namen komme es darauf an, dass keiner der Anwohner auf den Kosten sitzen bleibe, die mit den bürokratischen Konsequenzen einer Umbenennung verbunden wären, so Serke. Zu klären sei auch, wer älteren Anwohnern bei Behördengängen helfe, um die Adresse ihres Personalausweises zu ändern.

Serke kritisiert den Vorstoß der Integrationsdezernentin Sylvia Weber (SPD), die sich vehement für eine Umbenennung einsetzt. Sie sei zuversichtlich, „dass wir uns im Ortsbeirat einigen werden.“ Viele Schwanheimer hätten den Namen von Lilo Günzler ins Spiel gebracht. Die Schwanheimerin war Holocaust-Überlebende, Buchautorin und als Zeitzeugin oft an Schulen präsent. Vor zwei Wochen ist sie gestorben. Dass ihr Tod so kurz zurückliegt, könnte bei der Straßenbenennung ein Problem sein, der Leitfaden der Stadt erklärt eine Benennung nach Personen erst drei Jahre nach ihrem Tod für zulässig.

Kein Wiener Modell

Die Grundschule an der Hans-Pfitzner-Straße, die Minna-Specht-Schule, würde eine Umbenennung begrüßen. „Bisher war der Straßenname für uns einfach eine Adresse – und keine Identifizierung“, sagt Leiterin Christiane Kippels. Umso wohler fühle man sich mit der Namensgeberin der Schule, die als Reformpädagogin den Nazis mutig die Stirne geboten habe. Die Umbenennung sei Aufgabe der Politik – die Schule werde sich auf keinen Fall quer stellen.

Die Umbenennung hat in Uwe Becker (CDU) einen prominenten Befürworter gefunden: „Bei Hans Pfitzner handelt es sich um eine Person, die sich auch nach 1945 in antisemitischer Weise geäußert hat – also nach dem Schrecken des Holocaust und in voller Ansehung dessen, was der Nationalsozialismus verbrochen hat“, sagt der Frankfurter Kämmerer und Antisemitismusbeauftragte des Landes Hessen. Eine weitere Würdigung durch die Benennung einer solchen Straße sei deshalb aus seiner Sicht „nicht angezeigt“.

Das „Wiener Modell“, bei dem der Straßenname erhalten bleibt, aber um ein erklärendes Zusatzschild ergänzt wird, ist für Becker keine sinnvolle Option. Eher vorstellen könne er sich den umgekehrten Weg eines „Frankfurter Modells“: Unter dem geänderten Straßenschild könne ein Zusatzschild darüber aufklären, was es mit der Namensumbenennung auf sich habe. Andernfalls drohe der Anlass der Umbenennung nach wenigen Jahren komplett in Vergessenheit zu geraten.

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