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In den meisten Frankfurter Kliniken darf eine Begleitperson bei der Geburt dabei sein. m. schick

Uniklinik Frankfurt

Schwanger in Zeiten von Corona: Allein im Kreißsaal?

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Schwangere Frauen und ihre Partner sind verunsichert, ob sie gemeinsam die Geburt erleben können, bislang ist in einem Frankfurter Krankenhaus eine Begleitperson verboten.

Viele Schwangere sind besorgt und verunsichert. Es ist ungewiss, ob ihr Partner bei der Geburt dabei sein kann, zu Kontrollen und Untersuchungen muss die Frau alleine. So hat sich der Großteil die Zeit nicht vorgestellt. Vorträge und Geburtsvorbereitungskurse sind abgesagt oder finden wie die Nachsorge per Video statt.

Bislang darf in den meisten Frankfurter Krankenhäusern mit Geburtsstation noch eine Begleitperson mit in den Kreißsaal. Im Uniklinikum sei das nicht mehr erlaubt, bestätigt deren Pressestelle. Um das Infektionsrisiko von Patienten und Mitarbeitern zu minimieren. Im Hospital zum Heiligen Geist sei der werdende Vater oder eine andere Person willkommen, heißt es auf der Webseite. Allerdings sei ein anschließender Besuch auf der Wochenbettstation nicht möglich. Es sei denn, die Frau sei im Familienzimmer untergebracht, dann kann die Begleitperson dabei bleiben, darf jedoch das Krankenhaus während des gesamten Aufenthalts nicht verlassen.

Im Bürgerhospital darf eine Person die werdende Mütter über die gesamte Geburt hinweg begleiten. Unter der Voraussetzung, dass bestimmte Regeln eingehalten werden, das Verlassen des Kreißsaals und Aufenthalt in anderen Krankenhausbereichen sei nicht erlaubt, teilt Silvio Wagner, Leiter der Unternehmenskommunikation, mit.

Auch im Klinikum Höchst muss die Schwangere nicht allein ihr Kind bekommen. Joachim Rom, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, unterstützt diese Entscheidung. „Es ist ein emotionales Ereignis, das man ein- bis zweimal im Leben durchmacht. Da ist es gut, wenn der Partner dabei ist.“ Die Sicherheit sei trotzdem gewährleistet. Der Kreißsaal sei abgetrennt, alle trügen Mundschutz und es gebe Eingangskontrollen, bei denen auch Fieber gemessen werde. Zur Voruntersuchung müssen die Schwangeren alleine kommen, Anmeldungen erfolgen elektronisch. Bislang werde das von den Frauen sehr gut angenommen und auch die Partner respektierten das, so Rom. Das Personal stehe telefonisch für Fragen bereit.

„Es ist wichtig, dass die Frau vor oder während der Geburt, aber vor allem auch davor und danach nicht allein gelassen wird“, sagt Hebamme Britta Heilemann. Der Partner oder eine vertraute Person habe ja eine andere Aufgabe als Schwestern, Ärzte oder Hebammen. Sie seien eher eine Stütze: spendeten Trost und erledigten vermeintlich banale Sachen wie Stirn abwischen oder etwas zu trinken bringen.

Aber sie könnten auch nach Hilfe klingeln, wenn sich der Zustand verschlechtere oder die Frau in Ohnmacht falle. Und auch für das Klinikpersonal bedeute es eine Entlastung, denn wenn eine Frau alleine da sei, müsse es sich ganz anders um sie kümmern, sagt Heilemann. Oft sei die Geburt ja mit langen Wartezeiten verbunden, eine Eins-zu-eins-Betreuung könne niemand leisten. „Die Geburt ist zudem ein kostbarer Moment, den das Paar gemeinsam erleben will, genauso wie die ersten Tage“, sagt Heilemann. Und je wohler sich die Frau fühle und fallen lassen könne, desto angenehmer werde meist auch die Geburt.

Eine ambulante Geburt oder das Krankenhaus nach ein paar Stunden zu verlassen, sei keine geeignete Alternative, sagt Heilemann. Denn in den ersten Tagen nach der Entbindung sollte täglich kontrolliert werden, ob mit Mutter und Kind alles in Ordnung sei. Und bei der Hebammenknappheit in Frankfurt wäre das ein Problem.

Hebamme Esther Howoldt kritisiert aber auch den Egoismus mancher werdenden Eltern. „In diesen Zeiten geht es vordergründig nicht um sie, sondern um Alte und Kranke.“ Ein Drama sei nicht, wenn der Mann bei der Geburt nicht dabei sein könne, sondern wenn Menschen alleine stürben.

Ein Problem seien die vielen Anrufe in den Kliniken, bei denen sich erkundigt werde, ob Begleitpersonen noch zugelassen seien, 30 bis 40 pro Tag seien nicht selten. Sie raubten den Mitarbeitern die Kraft. „Für die Telefonate geht Betreuungszeit verloren.“ Howoldt findet, jeder Mann zusätzlich im Kreißsaal sei eine Risiko.

Die Reaktionen der Paare seien unterschiedlich, von vollem Verständnis bis beleidigt. Manche Männer seien schon sauer, dass sie bei der Anmeldung nicht mit dürften. Die Mehrzahl der Männer sei sowieso keine Unterstützung bei der Geburt, sondern behindere eher, so Howoldt. Die Schwangeren würden bei der Geburt eng betreut, es gebe immer einen Ansprechpartner.

Von Judith Köneke

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