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Eine Rauchschwalbe muss schließlich auch irgendwo wohnen.

Vögel

Schwalben brauchen ein Zuhause in Frankfurt

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Die Zahl der kleinen Langstreckenzieher sinkt seit Jahren. Der Nabu ruft zum Zählen auf und hat Beispiele dafür, wie schlecht manche Menschen mit den Schwalbennestern umgehen.

Der Naturschutzbund (Nabu) möchte gerne wissen, wie viele Schwalbennester es in Frankfurt gibt. Er ruft zum Zählen auf. Und die Frankfurter Schwalben möchten, dass ihre Nester geschützt sind. Aber eins nach dem anderen.

In den vergangenen 30 Jahren sei der Bestand der Mehlschwalben beispielsweise in den Stadtteilen Praunheim, Heddernheim und Niederursel um 72 Prozent zurückgegangen, berichtet der Nabu. Dabei waren die kleinen Flugkünstler jahrhundertelang fester Bestandteil unserer Dörfer. Aber vielerorts sind Scheunen und andere typische Standorte für Nester weggefallen. Um zu wissen, wo konkret Hilfe nötig ist, möchte der Nabu über die Nest-Standorte in der ganzen Stadt Bescheid wissen. Ein Formular zum Ausfüllen und Mitzählen gibt es online unter www.nabu-frankfurt.de/formulare/schwalben.

Besonders dramatisch sei der Rückgang im einstigen Bauerndorf Niederursel, heißt es in dem Aufruf. Von einst 82 Brutpaaren seien nur zwölf übrig, hat Ingolf Grabow gezählt, Nabu-Vogelschützer und Beauftragter der Vogelschutzwarte. Die Tiere fänden auf den versiegelten Straßen und Höfen kaum noch Lehm und anderes Material für ihre in die Dachwinkel gleichsam geklebten Nester. Und was ebenfalls schwer wiegt: Mitunter entfernen Menschen die Nester von ihren Häusern, weil sie sich durch die Schwalben gestört fühlen. Das ist allerdings verboten. Vogelnester zu zerstören oder die Tiere bei der Brut zu behindern, verstößt gegen das Tierschutzgesetz.

Die Entwicklung bedrückt die Naturschützer. „Erlebbare Natur in unserer Nachbarschaft darf nicht verlorengehen“, sagt Grabow. „Am Ende bleiben Schwalben nur noch in Orts-und Straßennamen in Erinnerung: Schwalbach, Am Schwalbenschwanz, Schwalbenweg … das darf nicht sein!“

In Nieder-Erlenbach kämpft er seit Jahren um Schwalbennester am Gebäude einer Bank in der Straße Alt-Erlenbach. Schon 2014 stellte er fest, dass Nester augenscheinlich abgeschlagen, andere mit Spanndrähten unzugänglich gemacht worden waren. Die Untere Naturschutzbehörde im Umweltamt setzte daraufhin durch, dass die Schwalben ungestört brüten konnten. Sechs Jahre später, im Februar 2020, bemerkte eine Anwohnerin, dass erneut Nester entfernt worden waren. Das Umweltamt ist informiert.

Ein noch krasserer Fall: In Nied am Bergmannweg gab es die größte Mehlschwalbenkolonie Frankfurts an einem einzigen Haus: 23 Vogelfamilien hatten sich dort eingerichtet. Im vorigen Jahr stellte Grabow fest, dass alle Nester zerstört waren. Ebenfalls im Bergmannweg waren Jahre zuvor ein Dutzend Schwalbennester vom Haus einer Bank abgeschlagen worden – dort verhinderte man mit Folie sogar großflächig, dass neue Nester gebaut werden können. An einem Haus gegenüber in der Heusingerstraße gelang es Grabow wenigstens, Nistplätze neu anzubringen; sie wurden angenommen, die Vögel bauten sogar noch eigene Nester daneben. Und dort mag die Hausgemeinschaft der Menschen ihre gefiederten Nachbarn auch.

Die Untere Naturschutzbehörde reagiert auf die Fälle von zerstörten Nestern mit Anhörungen und im Fall der Bank in Nied mit einer Anordnung, die Brutplätze wiederherzustellen. Mitunter ist die Beweislage, wer die Nester entfernt hat, aber schwierig. Da müssen die Vogelfreunde die Augen offenhalten und melden, wenn gefiederte Familien am Brüten gehindert werden.

Die Schwalben kehren in diesen Wochen aus dem Winterurlaub zurück zu uns. Sie haben es schon schwer genug mit den Verhältnissen in der Natur, für die der Mensch die Verantwortung trägt. Ingolf Grabow möchte, dass sie wenigstens genug Wohnraum bei uns finden.

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