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Schutz vor Kälte gefordert

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Von: Jürgen Streicher

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Klare Botschaften auf den Transparenten.
Klare Botschaften auf den Transparenten. © Monika Müller

Demonstration gegen Strom-, Gas- und Wassersperrungen seitens der Stadt. Aufgerufen zu dem Protest an der Bockenheimer Warte hatten die Frankfurter Linken.

Laut gegen die Kälte“, es ist das Motto einer Aktion gegen drohende „Energiearmut“, zu der die Frankfurter Linken aufgerufen haben. Laut werden gegen physische Kälte, die droht, wenn der Gashahn abgedreht wird. Laut werden aber auch gegen soziale Kälte, das wollen die etwa 30 Menschen, die sich am Samstag an der Bockenheimer Warte zu einem „Rundgang mit Musik“ getroffen haben. Ihre Forderung ist klar formuliert, „Energie muss für alle bezahlbar sein“, vor allem aber darf es keine Strom-, Gas- oder Wassersperren geben, wenn Zahlungen ausbleiben.

Mehr als 200 solcher Sperren seien allein in Frankfurt erfolgt, heißt es später bei der Abschlusskundgebung der unterwegs gewachsenen Gruppe auf dem Bockenheimer Kirchplatz. Einige Fußgänger:innen und Radler:innen haben sich angeschlossen, am Straßenrand wird Interesse demonstriert, etwa von ausländischen Studierenden, die auf Zeit in die Rhein-Main-Metropole gekommen sind. „Energiezugang = Grundrecht“ steht auf den Plakaten, die von den Demonstrierenden durch die belebte Leipziger Straße getragen werden.

Es sei auch eine Demonstration gegen die Politik der Liberalisierung des Energiemarkts sowie gegen „intransparente Preisgestaltung“, so steht es auf einem Flyer.

Noch ist der „Kälteschock“ nicht überall angekommen. So nennt es eine Frau im Straßencafé an der Leipziger Straße, es ist Samstagmittag, die Sonne scheint warm auf die Espressotasse. Bei ihr ist er angekommen, bei vielen anderen auch. In diesen Tagen mit Temperaturen wie im Frühling kommen die schockierenden Gebührenabrechnungen inklusive neuer Abschlagszahlungen in die Haushalte geflattert. Die Stromlieferanten haben schon im vergangenen Jahr kräftig draufgeschlagen, um bis zu 65 Prozent Preiserhöhung geht es da, beim Gasabschlag sind im neuen Jahr für eine fünfköpfige Familie mit Normalverbrauch schon mal 40 Euro mehr pro Monat fällig. Das trifft vor allem diejenigen, die ohnehin schon weniger haben, am meisten die von Armut bedrohten Menschen, in Hessen spricht man von etwa 17 Prozent.

Im Ganzkörperschutzanzug macht sich einer auf den Weg, die anderen setzen auf Maske und Abstand. „Gemeinsam gegen soziale Kälte“, so steht’s auf dem Anzug und den Transparenten der Demonstranten. Stetiger Trommelschlag sorgt für Aufmerksamkeit am Straßenrand, die verteilten Flyer mit den harten Fakten sind deutlich, die Preiserhöhungen werden vor allem zulasten von Mieter:innen gehen. Die Wohnnebenkosten steigen rasant, die Linke prognostiziert eine Steigerung der Energiepreise um 120 Prozent in den kommenden vier Jahren, wenn der Staat der explosiven „Preistreiberei“ am Markt keine Grenzen setze. „Wir brauchen feste Regeln, nicht Börsen, sondern gesetzliche Regulierung“, ruft der Landtagsabgeordnete Axel Gerntke den Demonstranten vor dem Abmarsch zu. Die Linke wirbt für staatliche Energieaufsicht, für einen entgeltfreien Basistarif bei der Versorgung und für ein Verbot von Energie-sperren.

Die Aktion am Samstag sei „nur der Auftakt“, sagt Organisator Helmut Furtmann zum Abschluss auf dem Kirchplatz. Auch an den beiden kommenden Samstagen wird die Bockenheimer Warte jeweils um 13 Uhr Treffpunkt sein für Demos. Dann soll es vor allem am Fastnachtssamstag richtig „Laut gegen die Kälte“ werden, mit Kochtopftrommeln und Deckelgeklapper. „Wir müssen klarmachen, was es bedeutet, wenn die Energie ausbleibt“, sagt Furtmann. „Und mit unseren Forderungen auf die Gass’ gehen.“ Zum Abschluss am 5. März ist ein „Walking & Biking“ zum Römerberg vorgesehen, wo die Linke ihre Forderungen der Stadtpolitik übergeben will.

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