+
Das Haus soll ein besonderer Schutzraum für homo-und transsexuelle Flüchtlinge sein (Symbolbild).

„La Villa“

Frankfurt: Schutz für homosexuelle Flüchtlinge

  • schließen

Die Frankfurter Aidshilfe betreibt den Ort die „La Villa“ für homo- und transsexuelle Flüchtlinge. Dort finden sie eine geschützte Umgebung.

Das Erste, was beim Hereinkommen auffällt, ist die Regenbogenfahne. Dass eins der Symbole der LGBTIQ-Bewegung hier hängt, in diesem unscheinbaren Gebäude in einem Frankfurter Industriegebiet, ist kein Zufall: Seit April 2018 betreibt die Frankfurter Aidshilfe hier in Kooperation mit der Stadt „La Villa“, eine Unterkunft für schwule, lesbische, bi- oder transsexuelle Flüchtlinge. Das Haus soll Menschen Schutz bieten, die aufgrund ihrer sexuellen Identität in ihrer Heimat ausgegrenzt wurden.

Als die Aidshilfe und die Gruppe „Rainbow Refugees“, die sich für Geflüchtete unterschiedlicher sexueller Identität einsetzt, die Idee für ein solches Projekt vorgetragen hätten, „da hab ich nicht zu träumen gewagt, dass wir mal dieses Haus nutzen könnten“, sagt Frankfurts Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld. Die CDU-Politikerin ist an diesem Donnerstag mit Vertretern des Ortsbeirats, der Aidshilfe und der Stadtverordnetenversammlung in die Einrichtung gekommen, um eine Art verspäteter Einweihung zu feiern. Bis vor kurzem sei das Gebäude dringend für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gebraucht worden, sagt Birkenfeld.

Nun sei sie froh, dass hier Platz sei für diesen „besonderen Schutzraum“, sagt Birkenfeld. Für schwule oder transgender Flüchtlinge sei ihre sexuelle Identität oft ein wichtiger Grund, ihre Heimat zu verlassen – gerade wenn sie aus Afghanistan, Syrien oder Eritrea kämen, woher derzeit die meisten Flüchtlinge in Deutschland stammten. „Und dann kommen sie hier in die Einrichtungen und treffen auf Landsleute, bei denen sie nicht wissen, ob sie sich ihnen öffnen können.“ Es sei daher gut, „dass die Menschen hier vor Übergriffen sicher sind“. Weil die Bewohner besonderen Schutz brauchen, wird die Adresse der Unterkunft von Stadt und Aidshilfe nicht preisgegeben, ähnlich wie bei einem Frauenhaus.

Derzeit lebten 19 Flüchtlinge im Alter zwischen 21 bis 43 Jahren in der Unterkunft, drei weitere Plätze seien frei, sagt Herbert Drechsler von der Aidshilfe. Die Bewohner kämen etwa aus dem Irak, Syrien, dem Iran, Marokko und Russland, die meisten seien schwule Männer. Viele Bewohner hätten Gewalt erfahren, oft sogar in der eigenen Familie. „Die Verletzungen sind dann umso tiefer“, sagt Drechsler. Die Hälfte der Bewohner sei aktuell in psychotherapeutischer Behandlung, viele seien traumatisiert.

Hier in der Unterkunft bekämen die Bewohner Unterstützung und Beratung, sagt Drechsler. Zwei Mitarbeiter, die sich eine Stelle teilen, betreuen sie. „Es ist gut, dass wir eine kleine Einrichtung haben“, sagt Drechsler. Auch die „Rainbow Refugees“ kümmerten sich ehrenamtlich um die Bewohner. Dennoch seien viele von Abschiebung bedroht.

Ein Bewohner der „Villa“ ist bereit, aus seinem Leben zu erzählen. Er komme aus dem kurdischen Nordteil des Irak, sagt der 25-Jährige, der seinen Namen nicht nennen will. „Das Leben für Schwule ist sehr gefährlich im Irak“, sagt er leise. „Einige meiner Freunde wurden ermordet, andere haben Suizid begangen.“ Vor seiner Familie habe er seine Identität verbergen müssen, sein heimlicher Freund habe eine Frau heiraten müssen. Schließlich sei er über Polen nach Deutschland geflohen. Auch in den Flüchtlingsunterkünften sei er ausgegrenzt worden, sagt der Mann. Er hoffe, dass er in Frankfurt bleiben dürfe. „Ich will nicht zurück nach Polen. Dort war es für mich genauso schlimm wie im Irak.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare