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Borretsch, Kerbel, Kresse, das alles macht der Hesse, und wenn es einer nachmacht, dann gibt’s was auf die Zwölf.

Frankfurt

Schutz für die Grie Soß

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Die EU-Kommission stellt die Grüne Soße endlich unter den ihr gebührenden Schutz. Die Kräuter müssen entweder in Frankfurt oder zumindest nahe der Stadtgrenzen angebaut werden.

Dieser Satz hat eine enorme Sprengkraft, die sich freilich nicht auf den ersten Blick erschließt: „Mit der in Absatz 1 genannten Bezeichnung wird ein Erzeugnis der Klasse 1.6. ,Obst, Gemüse und Getreide, unverarbeitet und verarbeitet‘ gemäß Anhang XI der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 668/2014 der Kommission ausgewiesen.“ Mit anderen Worten: Endlich hat die Europäische Kommission Frankfurts wahrscheinlich gesündeste Spezialität unter Schutz gestellt. Die „Frankfurter Grüne Soße“ oder auch „Frankfurter Grie Soß“ darf nicht von Krethi und Plethi hergestellt werden, wohl aber von Schorsch und Lisbett.

Ab sofort ist es amtlich: Grie Soß besteht aus Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch und damit basta! Die Kräuter müssen entweder in Frankfurt oder zumindest nahe der Stadtgrenzen angebaut werden. Auch das Binnenverhältnis der Kräuter ist jetzt amtlich geklärt und folgt weitgehend der Faustformel der Frankfurter Kommunalwahl: Kein einzelnes Kraut darf mehr als 30 Prozent erreichen.

Die Grie Soß hat nun das offizielle Siegel „geschützte geografisch Angabe“. Das bedeutet: Mindestens eine der Produktionsstufen Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung muss im Herkunftsgebiet durchlaufen werden. Damit steht die Soß auf einer Stufe mit anderen lokalen Leckereien wie Handkäs und Ebbelwei, aber auch mit nationalen Gaumenfreuden wie Lüneburger Heidekartoffeln, Meißner Fummel und Halberstedter Würstchen.

Zwölf Jahre Kampf

Thomas Södler vom hessischen Gärtnereiverband jedenfalls ist begeistert, geht für ihn doch ein zwölf Jahre währender Kampf zu Ende: „Uns wäre fast noch die Luft ausgegangen.“ Bereits 2006 hatte Södler den „Verein zum Schutz der Frankfurter Grünen Soße“ gegründet. 2011 war der Verein juristisch gegen einen Berliner Unternehmer vorgegangen, der tiefgekühlte Kräuter aus Nordrhein-Westfalen unter dem Namen „7-Kräutermischung für Frankfurter Grüne Soße“ verkauft hatte, das Verfahren endete mit einem Vergleich. Vor zwei Jahren war er eigens mit Kollegen nach Brüssel gereist, um die EU-Kommission von der Einzigartigkeit der Soß zu überzeugen. „In Frankfurt gibt es nur noch etwa zehn Erzeuger, die die Kräuter für die Soße anbauen“, hatte Södler damals gesagt. Diese und die Kräuter gelte es zu schützen, wobei Letztere auch noch von ihren natürlichen Feinden – Jogger, Diebe, Hunde, Krähen, Nilgänse – bedroht würden. Jetzt trägt Södlers Arbeit Früchte beziehungsweise Kräuter. Auch die häretische Behauptung Auswärtiger, in Grie Soß gehöre Dill, dürfte damit endgültig vom Tisch sein.

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