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Friedrich Hesse
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Ortsvorsteher Friedrich Hesse.

Ortsbeirat

„Schulthema ist ein Armutszeugnis“

  • Sabrina Butz
    vonSabrina Butz
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Das Jahr im Ortsbeirat 9: Ortsvorsteher Friedrich Hesse (CDU) über vieldiskutierte Bildungs- und Verkehrsthemen.

Herr Hesse, jüngst trat der IB-Quartiersmanager in Ginnheim zurück. Aus dem Ortsbeirat 9 kam Kritik am Quartiersmanagement, andere lokale Akteure lobten die Arbeit. Wie kann die Zusammenarbeit mit dem Nachfolger künftig besser klappen?

Der Ortsbeirat ist nach wie vor gespalten in der Frage, ob das Quartiersmanagement in Ginnheim sinnvoll ist. Vorerst hat sich der Konflikt aber beruhigt. Der neue Quartiersmanager wurde mir direkt vorgestellt, später auch einigen anderen Ortsbeiratsmitgliedern. Es ging gleich sehr konstruktiv los.

Wie?

Wir haben ein Treffen mit ihm und dem Regionalrat wegen der Sicherheits- und Drogenprobleme verabredet. Auch mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG als größter Vermieterin der Platensiedlung wollen wir uns zusammensetzen. Und mit der Wirtschaftsförderung, um über die Ladenlokale zu sprechen, die mit der Nachverdichtung entstehen. Er soll von Anfang an alle Akteure kennen, die ihm helfen, tätig zu werden. Er ist ja für ganz Ginnheim zuständig, nicht nur für die Platensiedlung. Wir werden ihn auch in die Ortsbeiratssitzung einladen.

Der Quartiersmanager soll eine Sozialraumanalyse machen und die Bewohner:innen zu ihren Bedürfnissen befragen. Aus der Platensiedlung gibt es Beschwerden über fehlende Infrastruktur und intransparente Entscheidungen. Werden die Menschen ausreichend miteinbezogen?

Zur Person

Friedrich Hesse (CDU) ist seit 2006 Vorsteher des Ortsbezirks 9. Vor dem Ruhestand war der 67-Jährige Lehrer für Französisch und Geografie an der Ziehenschule.

Der Ortsbeirat 9 ist für mehr als 50 000 Menschen am Dornbusch, in Eschersheim und Ginnheim zuständig. Die CDU ist mit fünf Mandaten stärkste Fraktion, SPD und Grüne haben jeweils vier. FDP, Linke und BFF je zwei Sitze.

Die nächste Ortsbeiratssitzung findet voraussichtlich am 21. Januar 2021 um 19.30 Uhr im Saalbau Ronneburg, Gelnhäuser Straße 2 (Preungesheim), statt. Die Plätze sind begrenzt, eine Mund-Nase-Bedeckung ist Pflicht.

Die Fankfurter Rundschau blickt mit allen 16 Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern in Frankfurt zurück auf das Jahr 2020. Die Serie erscheint in loser Folge. saha

Diese Kritik kann ich nicht ganz nachvollziehen. Es gab Info-Veranstaltungen und Sprechstunden von der ABG. Ich frage mich oft, wer eigentlich für die Siedlung spricht. Sie ist sehr heterogen. Aber ja, dafür ist dann auch die Sozialraumanalyse gut.

Einige Trassenvarianten zum Lückenschluss der U4 kamen bei den Bürger:innen nicht gut an, weil sie oberirdisch durch wichtige Gelände wie den Zirkus Zarakali, das Grüne Ypsilon oder die Astrid-Lindgren-Schule führen. Wie stehen Sie dazu?

Eigentlich wird die U-Bahn dringend gebraucht, als Entlastung der A-Linie. Ich habe den Eindruck, bei solchen Projekten wird gerne totoptimiert und -diskutiert. Das kostet Zeit und Geld. Es wird aber keine optimale Lösung geben, mit der alle zufrieden sind. Vielleicht gibt es im nächsten Jahr nach der Kommunalwahl eine Entscheidung. Ich wünsche mir, dass der Zirkus Zarakali und die Astrid-Lindgren-Schule nicht in die Planungen hineingeraten. Und die Schule braucht endlich Container, vor allem jetzt, da die ersten neuen Familien in die Platensiedlung gezogen sind.

In den Schulen des Ortsbezirks herrscht Raummangel. An der Fried-Lübbecke-Schule in Alt-Eschersheim etwa protestieren die Betroffenen seit Jahren, weil es keinen Platz gibt. Mit der Corona-Pandemie wird klar, wie gefährlich das ist. Wann und wie kann das besser werden?

Nachdem wir die Ämter kontaktiert und die Eltern öffentlich Druck gemacht haben, wurde auf einmal relativ schnell ein Kompromiss für die Fried-Lübbecke-Schule gefunden. Angeblich sollen die Container zu Ostern auf das Gelände des angrenzenden Schwimmbads gestellt werden, dort, wo jetzt die Fahrradständer sind. Das ist ein Erfolg für uns, zumindest ist endlich etwas ins Rollen gekommen. Insgesamt ist das Schulthema aber ein Armutszeugnis, auch im Umgang mit Corona.

Die Zeit der Ortsbeiratssitzungen im extra angemieteten, coronakonformen Raum ist begrenzt. Viele Diskussionen müssen abgebrochen werden. Auch Besucher:innen können nicht so lange sprechen, wie sie wollen. Wie finden Sie das?

Ich finde die Arbeit disziplinierter und angenehmer. Die Diskussionen werden gerafft, Argumente müssen nicht dauerhaft wiederholt werden. Die Bürgerbeteiligung funktioniert auf jeden Fall besser als mit rein digitalen Formaten, da werden nämlich einige ausgeschlossen.

 Was muss 2021 im Ortsbezirk als Erstes passieren?

Die Schulen müssen saniert werden. Es soll endlich Pläne für einen zweiten Schulstandort in der Platensiedlung geben. Und eine Quartiersgarage für den knappen Parkraum im Mellsig in Eschersheim. Die Menschen dort können nicht auf den öffentlichen Nahverkehr ausweichen.

Interview: Sabrina Butz

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