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Stefanie Horn (40) ist seit 2015 Schulelternbeirätin am Adorno-Gymnasium. 

Schulelternbeirätin am Adorno-Gymnasium

Schulen in Frankfurt: „Letztendlich wird nach einer Zuweisung immer alles gut“

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Zehn Prozent der Viertklässler bekommen im Schnitt keinen Platz an ihrer weiterführenden Wunschschule in Frankfurt. Mutter Stefanie Horn war damals zunächst enttäuscht.

Frau Horn, Sie haben für ihr Kind vor vier Jahren keinen Platz in einer Ihrer Wunschschulen erhalten. Stattdessen hatten Sie ein Schreiben mit einer Zuweisung zu einer weiterführenden Schule in ihrem Briefkasten. Wie ging es Ihnen damals?
Ich war erschüttert und traurig, ich wusste nicht, woran es lag und habe erst einmal den Fehler bei uns gesucht. Was haben wir falsch gemacht? Das denken viele Eltern zunächst. Wir hatten die Zuweisung zu einer integrierten Gesamtschule, wollten aber ein Gymnasium. Da es an der Wunschschule meiner Tochter keinen Platz gab, sind wir in das damals gerade gegründete Gymnasium Nied, so hieß das Adorno-Gymnasium zu dem Zeitpunkt noch, gegangen.

Und dann schickten Sie Ihr Kind traurig und wütend ins Gymnasium Nied?
Nein, das kann man nicht machen. Wenn man als Eltern mit einer so negativen Einstellung in die Schule kommt, dann hat auch das Kind keine Lust, dort zur Schule zu gehen. Man muss da als Eltern positiv sein. Das mag erst schwerfallen, aber so lief das bei uns dann eigentlich gut. Auch wenn alles anders geplant war.

In der Schule waren damals fast nur zugewiesene Kinder. Kaum jemand war freiwillig da. Wie ist man da miteinander umgegangen?
Es entwickelte sich eine sehr eingeschworene Gemeinschaft. Die Schule war schließlich neu gegründet, alles war klein da. Letztendlich wird immer alles gut, man muss sich nur darauf einlassen.

Sie haben sich ganz schnell in die Elternarbeit gestürzt, sind sofort Schulelternbeirätin geworden … 
Die Elternarbeit hat mir viel gebracht. So konnte ich viel mitbestimmen und tiefere Einblicke in die Schule bekommen. Hinter die Kulissen schauen. Auch welche Last es etwa für die Lehrer ist, so viele zugewiesene Kinder zu haben, die einem das Gefühl geben, dass sie eigentlich nicht in der Schule sein wollen. Wie gesagt, es ist wichtig, dass die Eltern ihre Enttäuschung nicht auf die Kinder übertragen.

Wie ist die Stimmung inzwischen nach vier Jahren?
Meine Tochter ist glücklich, dass sie in der Schule ist. Ich bin auch glücklich. Wir haben die Schule mit weiterentwickelt. Für uns hat sich alles zum Positiven gewendet. Ich weiß auch von keinen Eltern in der Schule, die bereut haben dageblieben zu sein. Der Umzug der Schule von Höchst ins Westend im Sommer war natürlich gut. Der Standort ist besser. Inzwischen haben wir großen Zuspruch. Ich glaube nicht, dass es in diesem Schuljahr noch Zuweisungen in das Adorno-Gymnasium geben wird. Es haben ja nun auch Schülerinnen und Schüler in den höheren Jahrgangsstufen, in den Jahrgängen sieben bis neun, freiwillig zu uns gewechselt.

Interview: Sandra Busch

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