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Masken tragen im Unterricht ist Bestandteil eines funktionierenden Hygienekonzepts an Schulen.

Bildung

Schulen dürfen eigene Wege gehen

Der Elternbeirat der Wöhlerschule kritisiert das Gesundheitsamt, steht aber mit seiner Kritik weitgehend alleine da.

Maske tragen, Abstand halten, Hände waschen, lüften: Diese Vorgaben gelten an Frankfurts Schulen. Halte sich alle strikt daran, werden auch keine Kinder nach Hause geschickt, wenn es einen mit dem Coronavirus infizierten Schüler in der Klasse gibt. Mit einer Ausnahme: Das Kind mit positivem Testergebnis muss selbstredend in Quarantäne.

Von dieser Vorgehensweise des Gesundheitsamts hält die Wöhlerschule nicht viel. In einem Brief des Schulelternbeirats an die Eltern, der dieser Zeitung vorliegt, heißt es: „Es reicht nicht mehr aus, sich nur auf die Vorgaben des Gesundheitsamtes zu verlassen.“ Als Begründung wird genannt, dass im Unterricht und auf dem Schulhof zwar eine Maskenpflicht gelte, der Sport- und Schwimmunterricht aber ohne Mund-Nasen-Bedeckung stattfinde, sich die Kinder und Jugendlichen nach der Schule ohne Maske träfen und einige Schüler den Schutz unter der Nase tragen würden – also nutzlos.

Deshalb hat die Schule im Umgang mit Corona-Fällen eigene Empfehlungen aufgestellt. So sollen etwa Schüler, die Kontakt zu infizierten Personen hatten, für zwei Wochen dem Unterricht fernbleiben. In dieser Zeit würden sie von den Lehrern mit Unterrichtsmaterial versorgt. Zudem würde die Schulleitung Kinder aus einer Klasse, in der es infizierte Personen gibt, „wenn sie aufgrund dieser außergewöhnlichen Umstände nicht am Unterricht teilnehmen möchten“, entschuldigen.

Komplette Klasse wird auf Sars-CoV-2 getestet 

In dem Gymnasium am Dornbusch hatten sich in der vergangenen Woche vier Schüler einer zehnten Klasse mit Covid-19 infiziert. „Die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Zusammenhang zwischen diesen Infektionen gibt, ist nicht von der Hand zu weisen“, heißt es in dem Elternbrief. Immerhin: In dieser Woche soll nun die komplette Klasse auf Sars-CoV-2 getestet werden.

„Wenn die Schulleiter den Infektiologen nicht trauen, können sie an ihren Schulen natürlich anders entscheiden“, sagt Kirsten Gerstner, Sprecherin von Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne), die aber das Vorgehen des Gesundheitsamts verteidigt. „Die Mitarbeiter dort geben sich extreme Mühe.“ So kümmere sich ein Team ausschließlich um das Infektionsgeschehen in Schulen und Kitas, schaue sich jeden einzelnen Fall genau an und verfolge die Kontakte nach. „Aufgrund der Erfahrung aus den vergangenen Monate wissen wir, dass Schulen keine Hotspots sind“, sagt Gerstner. „Die Ausbreitung des Virus ist dort sehr gering, vor allem wenn konsequent Maske getragen wird.“

Auch Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie der Uniklinik, sagt: „Grundsätzlich ist eine Quarantäne nur bei Kontaktpersonen der Kategorie 1 gemäß der RKI-Richtlinien zwingend erforderlich. Wenn ein funktionierendes Hygienekonzept besteht, die Personen also einen ausreichenden Abstand einhalten, Mund-Nasen-Schutz tragen und regelmäßig gelüftet wird, entstehen keine Kontaktpersonen der Kategorie 1.“

Corona-Fälle an 20 Schulen

Laut Gerstner gibt es derzeit Corona-Fälle an 20 Schulen, an denen aber keine weiteren Schritte veranlasst werden mussten. An 23 Schulen mit infizierten Lehrern oder Schülern hingegen mussten weitere Vorkehrungen getroffen werden, wie etwa das Maskentragen im Unterricht auch an Grundschulen. Nur in Einzelfällen sei es in der Vergangenheit notwendig gewesen, den kompletten Unterrichts einer Schule auszusetzen. „Wenn es zu Infektionen kam, gingen diese häufig von Erwachsenen aus“, sagt Gerstner.

Insgesamt verzeichneten bisher 114 von 167 Schulen Corona-Fälle. Wie viele Lehrer und Schüler sich seit den Sommerferien infiziert haben, konnte das Gesundheitsdezernat auch auf mehrmalige Nachfrage nicht mitteilen. „Es muss mehr Transparenz im Umgang mit den Zahlen geben“, sagt die Stadtelternbeiratsvorsitzende Julia Frank. Zudem fehle weiterhin ein Konzept für den Fall, dass es wieder zu einer Mischung aus Präsenz- und Fernunterricht kommen sollte. „Wir halten die bisherige Strategie der Stadt für einen guten Weg, auch wenn sich viele Eltern große Sorgen machen“, betont Frank. „Aber unser aller Ziel sollte es sein, den Schülern so lange wie möglich und vertretbar einen normalen Schulbetrieb zu ermöglichen.“

Das sieht Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) ähnlich. „Ich kann versichern, dass wir das Geschehen an den Schulen genau beobachten.“

Wenn es nach Uwe Gehrmann, dem Schulleiter der IGS Süd in Sachsenhausen, geht, können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamts weiterarbeiten wie bisher. „Ich vertraue ihnen nicht nur, sondern sie haben mir bewiesen, dass ich ihnen vertrauen kann.“

Auch an der IGS Süd hat es bereits einen Corona-Fall gegeben. Wegen des offenen Konzepts der Gesamtschule wurde ein ganzer Jahrgang auf Covid-19 getestet. Mit dem Ergebnis: Kein anderes Kind hatte sich angesteckt – obwohl der infizierte Junge drei Tage lang mit dem Virus in sich die Schule besucht hatte.

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