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Der Anteil der inklusiv beschulten Kinder ist an Schulen gestiegen, allerdings finden sich dort vor allem Schüler*innen mit dem Förderbedarf Lernen und Sprache.

Inklusion

Modellregion: Frankfurter Schulen brauchen Unterstützung bei Inklusion

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Forscher der Goethe-Uni haben untersucht, wie sich Frankfurt als Modellregion Inklusion entwickelt.

Jedes Kind mit Behinderung soll die Möglichkeit bekommen, auf eine Regelschule zu gehen – mit diesem Ziel wurde Frankfurt 2015 zur „Modellregion Inklusion“ des Landes Hessen. Wie sich das Modellprojekt entwickelt hat, das haben Wissenschaftler der Goethe-Universität evaluiert und die Studie am Montag im Bildungsausschuss vorgestellt. Ein Ergebnis: Die Zahl der Kinder an den Förderschulen ist zurückgegangen, die in der Inklusion gestiegen. „Der erhoffte Effekt einer Verlagerung in die Regelschule ist eingetreten“, sagte Dieter Katzenbach, Professor am Institut für Sonderpädagogik.

Die Wissenschaftler haben sich für ihre Studie angesehen, wie die Schulen in der Modellregion arbeiten – und wie die Inklusion aus Blickwinkel der Kinder erlebt wird. Dafür wurden Lehrer und Schüler an insgesamt 18 Grundschulen in den Bildungsregionen West und Süd befragt. „Bei den Kindern lag der Fokus auf ihrem Wohlbefinden“, sagte Katzenbach. „Wir wollten wissen: Wie geht es ihnen?“

Die Antwort: Es geht 90 Prozent der Kinder gut an inklusiv arbeitenden Schulen. Zehn Prozent fühlen sich nicht so wohl – „das hat aber nichts mit der sonderpädagogischen Förderung zu tun“, sagte Katzenbach. Einen Zusammenhang gebe es jedoch mit dem sozio-ökonomischen Status der Kinder. Ansonsten spielt bei den Kindern eine geringe Rolle, dass sie eine inklusive Klasse besuchen. „Sie kennen es nicht anders und finden es nicht bemerkenswert“, sagte Katzenbach.

Zwar ist der Anteil der inklusiv beschulten Kinder an Schulen gestiegen, aber dort finden sich vor allem Schüler mit dem Förderbedarf Lernen und Sprache. „Es sind also Kinder, die wir gar nicht als behindert wahrnehmen“, so Katzenbach. Für die anderen Förderbereiche gelte der Anstieg nicht.

Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass an den Schulen kein Konzept dem anderen gleicht. „Wie sich Schulen im Detail organisieren, das hat sich naturwüchsig entwickelt“, sagte Katzenbach. Bei einigen stehe mehr die Zusammenarbeit der pädagogischen Fachkräfte im Vordergrund, um ein Angebot für alle Kinder zu machen, bei anderen eher die Förderung einzelner Kinder. „Man muss Schulen unterstützen bei dem Prozess, sonst fühlen sie sich mit den neuen Herausforderungen überfordert“, sagte Katzenbach. Auch müssten für die Fachkräfte zusätzliche Zeitfenster geschaffen werden, um sich zu koordinieren. Denn in inklusiv arbeitenden Schulen müssten sich alle viel abstimmen.

Katzenbach plädierte auch dafür, die Inklusion zu „entdramatisieren“. Sie werde zu oft als Bedrohungsszenario aufgebauscht. „Die Lehrer fühlen sich ja zurecht hoch belastet“, sagte er. Aber das liege nicht unbedingt an der Inklusion. Es sei in der untersuchten Region so, dass im Schnitt 1,75 Kinder pro Jahrgang an den Schulen seien. „Das ist nicht mal ein Kind pro Klasse.“

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