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Schule

Schule: Nachhilfe-Gutscheine reichen nicht

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Der Bildungsforscher Kai Maaz mahnt zur intensiven Förderung von Schülern und Schülerinnen. Bildungsungleichheiten drohten sich in der Corona-Pandemie noch zu vergrößern.

Lernrückstände aufholen, das ist nach Einschätzung des Bildungsforschers Kai Maaz eine der wichtigsten Aufgaben der Schulen in den nächsten Monaten und Jahren. Gleichzeitig mahnt er, die Förderung von Schülerinnen und Schülern dürfe nicht dazu führen, dass sich die Bildungsungleichheiten noch vergrößerten.

Maaz ist geschäftsführender Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung in Frankfurt. Er sprach am Montag auf Einladung der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) vor Vertreter:innen der Landespolitik und zahlreichen Fachleuten aus dem Bildungsbereich über die Herausforderungen der Corona-Pandemie.

„Das System Bildung ist an die Grenze seiner Belastbarkeit gestoßen“, lautete seine Diagnose. Das habe dazu geführt, dass die Schere zwischen Kindern und Jugendlichen, die in der Schule gut mitkommen, und jenen, die abgehängt zu werden drohten oder schon abgehängt seien, noch weiter auseinandergegangen sei.

offene Schule und lern-buddies

Die FDP-Fraktion im Hessischen Landtag sieht großen Nachholbedarf bei einem Viertel der hessischen Schülerschaft, das sind rund 200 000 Kinder und Jugendliche. Besonders verheerend sei die Situation für leistungsschwache und bildungsbenachteiligte Schüler:innen.

Wie in einer Notbetreuung sollen diese Schüler:innen in die „offene Schule“ kommen können, wo sie keinen Unterricht erhalten, aber Hilfe beim Lernen und technische Infrastruktur.
Digital zur Verfügung gestellte Unterrichtsinhalte und Lern-Buddies sollen ebenfalls helfen, Defizite auszugleichen.

Bis zu 50 Stunden Nachhilfe je Schülerin und Schüler soll das Land im nächsten Schuljahr in Form von Gutscheinen zur Verfügung stellen. Damit soll Kleingruppenunterricht in privaten Instituten finanziert werden.

Einen entsprechenden Antrag will die FDP in dieser Woche in die Landtagsberatungen einbringen. pgh

Maaz geht davon aus, dass ein Fünftel bis ein Viertel der Schülerschaft substanzielle Probleme habe. „Diese erreichen wir nicht mit temporären Angeboten zur Nachhilfe“, erklärte er. Es handele sich nicht um eine „verlorene Generation“, aber man müsse die Probleme der Schülerinnen und Schüler sehr ernst nehmen und bei der Förderung und dem Aufholen von Lernrückständen langfristig denken. „Ganz wichtig, gerade für die bildungsferne Gruppe, ist es, eine Beziehung zu ihnen herzustellen“, forderte Maaz. Erst wenn dies wieder gelungen sei, könnten jene Kinder und Jugendlichen auch wieder im kognitiven Bereich erfolgreich lernen. Gutscheine etwa für Nachhilfekurse seien dabei nicht hilfreich.

Lernstände erfassen

Lehrkräfte müssten darauf vorbereitet werden, dass sie es im Unterricht mit noch mehr Heterogenität als bisher zu tun bekämen. So müssten sie zunächst den jeweiligen Lernstand erfassen, um gezielt fördern zu können. Wichtig sei auch eine Stärkung der Feedbackkultur. Zudem müsse versucht werden, auch andere Formen von Prüfungsleistungen jenseits von Klausuren und Tests zu finden. Dabei könnten sich die Schulen an den Universitäten orientieren, wo Studierende auf vielfältige Weise Leistungen erbringen könnten.

Maaz forderte die Verantwortlichen in Politik, Verwaltung und den Schulen auf, eine Vision davon zu entwickeln, wo man mit dem Bildungssystem hinwolle. Dazu gehöre es, Schule mehr darauf auszurichten, die Potenziale der Schüler:innen zu fördern und sie zur Entfaltung zu bringen. Es solle nicht so sehr auf die Schwächen geschaut werden, sondern die Selbstlern-Kompetenzen müssten gestärkt werden.

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