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Die meisten Mode-Ideen bleiben in der Pandemie wohl erst mal im Kopf.
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Die meisten Mode-Ideen bleiben in der Pandemie wohl erst mal im Kopf.

Corona

Schule für Bekleidung und Mode: Stoff nur in der Theorie

  • Peter Rutkowski
    vonPeter Rutkowski
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Auch die Abschlussklassen der Schule für Mode und Bekleidung in Frankfurt haben ein Corona-Problem. Denn das praktische Arbeiten ist so gut wie unmöglich geworden.

Es sind jetzt noch etwa zwei Wochen, dann geht es richtig los. Und dann bis Mai durch – der Prüfungsmarathon für die Klassen für Gestaltung und Technik sowie die zur Ausbildung Technischer Assistent:innen. Und Julia Keil und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler wissen nicht, wie sie diesen Marathon überhaupt bewältigen sollen.

Denn auch die Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode an der Hamburger Allee und ihre Höchster Dependance – inzwischen 101 Jahre alt und eine beachtenswerte Wegmarke der Emanzipation am Main – leidet unter den Corona-Einschränkungen. Mit einem zusätzlichen Handicap: Das praktische Arbeiten ist so gut wie unmöglich geworden. Es ist eher banal anzumerken, dass die angehenden Modeprofis selbstverständlich so viel Praxis wie möglich brauchen, selbige üben müssen und darin auch zu prüfen sind – in Präsenzunterricht.

Wie das nun abläuft? „Wir saßen 60 Minuten mit 14 Leuten in einem Raum und betrieben ,autodidaktischen‘ Unterricht. Die Lehrkraft stand uns von den insgesamt 90 Minuten nur 30 zur Verfügung, da sich der andere Teil der Lerngruppe in einem anderen Raum befand und unterrichtet wurde“, beschreibt Schülerin Julia Keil die derzeitige Lage.

Und dabei gebe sich das Lehrpersonal „doch wirklich Mühe, alle gerecht zu behandeln“, da lässt Keil nichts drauf kommen. Trotzdem lernt mal der eine Teil einer Klasse „autodidaktisch“, mal der andere. Ergo: „Die Inhalte bleiben isoliert.“ Mal bleibt was hängen, verdichtet sich, sitzt – mal sind es „Handouts und nicht mehr“.

Und das betrifft nur die Theorie. Wenn es um praktisches Lernen, um Design und dessen Umsetzung geht, „dann müssen wir uns einfach bewegen“, so Keil. Kreuz und quer durch den Klassenraum, mal an jenen Arbeitsplatz, mal an einen anderen. Die Schüler:innen sind zwischen 21 und 29 Jahre alt, Selbstdisziplinierung darf also durchaus erwartet werden. Aber auch die ist eben nicht grenzenlos.

Wenn am Computer gearbeitet wird, rutscht der Unterricht vollends ins Groteske ab: „Es gibt nicht genug Plätze mit der entsprechenden Distanz zueinander“, erzählt Keil. Also bringen die Leute ihre eigenen Laptops mit, müssen sich aber dann auf mehrere Räume verteilen. „Und die Lehrkraft rennt dann vier Stockwerke rauf und runter.“ Ständig. 90 Minuten lang.

Währenddessen sitzen die Schüler:innen in Räumen ohne Luftfilter und müssen alle 20 Minuten die Fenster aufreißen. Resultat: „Uns frieren die Finger ab.“ Was dem filigranen Arbeiten in Designprogrammen sicher nicht zuträglich ist. Keil bedauert: „Das macht alles keinen Sinn.“ Niemand weiß, wie so noch ein anständiger Abschluss zustande kommen soll.

Zu allem Überfluss reisen die Schüler:innen aus allen Ecken des weitläufigen Rhein-Main-Gebiets zum Unterricht an, eine Mitschülerin Keils pendelt sogar jeden Tag zwischen Köln und Frankfurt. Darüber hinaus gehören einige Risikogruppen an, einige positive Tests gab es in einer Klasse schon, und andere haben engen Kontakt mit infektionsanfälligen Menschen, manche arbeiten nebenher in der Pflege.

Deshalb haben sich die beiden betroffenen Abschlussklassen an das Kultusministerium in Wiesbaden gewandt: Minister Ralph Lorz (CDU) möge ihnen Wechselunterricht gewähren. Mittels Homeschooling könne man wohl die Nachteile der jetzigen Präsenzpflicht überbrücken.

Das war Mitte Januar. Bis jetzt haben sie offenbar keine Antwort bekommen. Auf eine Nachfrage der FR an diesem Donnerstag in Lorz’ Ministerium gab es bis Redaktionschluss dieser Ausgabe ebenfalls keine Antwort.

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