Blumen stehen nach Attacke im Frankfurter Hauptbahnhof.
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Blumen stehen nach Attacke im Frankfurter Hauptbahnhof.

Justiz

Totes Kind am Frankfurter Bahnhof: Staatsanwaltschaft hält Schubser für schuldunfähig

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Nach dem Tod eines Achtjährigen soll der Tatverdächtige laut Forderung der Staatsanwaltschaft dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden.

Frankfurt - Knapp fünf Monate nach dem gewaltsamen Tod eines achtjährigen Jungen im Frankfurter Hauptbahnhof hat die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen abgeschlossen. Habte A., der Mann, der den Jungen vor einen einfahrenden ICE gestoßen haben soll, sei nicht schuldfähig. Es werde daher die dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus beantragt, teilte die Staatsanwaltschaft am Montag mit. Über die sogenannte Antragsschrift im Sicherungsverfahren werde im kommenden Jahr die 22. Strafkammer des Landgerichts entscheiden müssen.

Der Fall hatte Ende Juli bundesweites Aufsehen erregt. Im morgendlichen Berufsverkehr stieß ein Mann zunächst eine Frau und dann ihren achtjährigen Jungen auf das Gleis. Die 40-Jährige konnte sich noch vor dem einfahrenden ICE vom Gleis rollen, ihr Sohn wurde von dem Zug erfasst und starb noch vor Ort. Bevor der Täter floh, schubste er eine weitere Frau von hinten. Die 78-Jährige kam auf dem Bahnsteig zu Fall und erlitt dabei eine komplizierte Fraktur des Ellenbogens.

Als tatverdächtig wurde der 40-jährige Habte A. unweit des Hauptbahnhofs gestellt und festgenommen. Über sein mögliches Motiv wurde zunächst wild spekuliert, die Staatsanwaltschaft kündigte aber schon einen Tag nach der Festnahme an, den 40-Jährigen psychiatrisch begutachten zu lassen. Der fachärztlichen Untersuchung zufolge litt A. zur Tatzeit an einer besonders akuten Form einer schizophrenen Psychose, die sich „in einem paranoiden Verfolgungswahn und Fremdsteuerungserleben ausdrückte“. 

Krankhafte seelischen Störung

Aufgrund dieser krankhaften seelischen Störung sei er bei Tatbegehung schuldunfähig gewesen sein, da seine Steuerungsfähigkeit aufgehoben gewesen sei. A. lebte in der Schweiz. Der Vater von drei Kindern war 2006 aus Eritrea dort eingereist und galt als Musterbeispiel für Integration. Seit Anfang 2019 soll er aber in psychiatrischer Behandlung gewesen sei. Einige Tage vor der Tat hatte er zu Hause seine Frau, die drei Kinder und eine Nachbarin eingesperrt. Die Nachbarin soll er zuvor noch attackiert haben. Die schweizerische Polizei suchte den 40-Jährigen, dessen Flucht führte ihn nach Frankfurt.

Die Tat rief heftige Reaktionen hervor. Der Ruf nach mehr Videoüberwachung und Sicherheitspersonal auf den Bahnhöfen und Bahnsteigen wurde laut. Bundesinnenminister Horst Seehofer brach eigens seinen Urlaub ab. „Ein solches Ereignis macht uns alle fassungslos und trifft uns mitten ins Herz“, sagte Seehofer und kündigte einige Tage darauf an, wieder Kontrollen an der Grenze zur Schweiz einführen zu wollen oder dies zumindest prüfen zu lassen. Dazu sollte es Gespräche mit dem Bundesverkehrsministerium und der Deutschen Bahn geben, um die Sicherheit an den 5600 deutschen Bahnhöfen und Haltestellen zu erhöhen.

Der Prozess gegen Habte A., der eine Frau und ihren Sohn vor einen ICE am Hauptbahnhof Frankfurt gestoßen haben soll, führt alle Beteiligten an die Belastungsgrenze. Augenzeugen der Tat berichten von ihren Traumata.

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