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Beim Sommercamp der Liebfrauen-Grundschule in Frankfurt.

Bildung

Schulbank statt Freibad

In Sommercamps holen 7000 Schüler und Schülerinnen in Hessen verpassten Lernstoff nach. Ein Besuch in der Frankfurter Liebfrauenschule.

Mit einem Lächeln im Gesicht steht die siebenjährige Ivy im Klassenraum und erklärt Kultusminister Alexander Lorz (CDU), was sie und ihre Mitschülerinnen im Kreativkurs basteln. „Das Thema ist Sommer, und wir basteln Postkarten, die wir dann jemandem zuschicken“, sagt sie.

Lorz besuchte am Mittwoch das Sommercamp der Liebfrauen-Grundschule in Frankfurt. Wegen der coronabedingten Schließung der Schulen und der Phase des Lernens zu Hause sei viel Unterrichtsstoff verloren gegangen, der nicht überall gleichzeitig nachgeholt werden könne, heißt es aus dem Ministerium. Deswegen veranstalten hessenweit mehr als 130 Schulen für rund 7000 Schülerinnen und Schüler Sommerferiencamps in unterschiedlicher Länge über die gesamten Sommerferien.

„Obwohl in diesem Schuljahr niemand eine Klasse wiederholen muss, wollen im Vergleich zu den Vorjahren viermal so viele Kinder und Jugendliche den verpassten Unterrichtsstoff nachholen“, sagt Lorz. Gleichzeitig hofft er auf einen weitgehenden Normalbetrieb an Hessens Schulen nach den Sommerferien. „Wir haben die Hoffnung, dass wir das neue Jahr wenigstens so nah wie möglich am Regelbetrieb beginnen können.“

Das Angebot in der Liebfrauenschule besuchen laut Schulleiterin Susanna Kock 31 Schülerinnen und Schüler, die noch bis Freitag von 9 bis 15 Uhr in Kleingruppen gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und externen Kursleitern den Lernstoff des jeweiligen jahrgangsstufenbezogenen Lehrplans nachholen. „Wir teilen hierzu den Tag in vier Blöcke ein. Im ersten und dritten Block arbeiten die Kinder an ihren Schwerpunkten in Deutsch und Mathematik“, erklärt Kock.

Bei Lehrerin Eva Bühler steht im Deutschkurs der Erstklässler die Sprache im Mittelpunkt. Mit den Kindern übt sie spielerisch, zu welchen Worten die Artikel „der“, „die“ und „das“ gehören. „Die Kinder in meinem Kurs haben durch den Unterrichtsausfall viel nachzuholen“, sagt sie. Die Kinder kämen aus bildungsfernen Schichten, oftmals seien sie auch keine Muttersprachler. „Es war nicht möglich, dass sie ihre Aufgaben zu Hause am Tablet erledigen, weil ihre Eltern ihnen nicht helfen konnten“, sagt Bühler.

Der zweite Block im Sommercamp beinhaltet Sport mit Förderung der Grobmotorik und sozialem Lernen. Das Kreativangebot solle die Feinmotorik der Kinder fördern. Schülerin Ivy favorisiert den zweiten Block. „Ich mag Sport, vor allem mit meiner Freundin Anna-Sophie“, sagt sie, mit der sie auch im Kreativkurs ist. Ihre Postkarte möchte Ivy in Form einer Wassermelone oder einer Eistüte ihrer Oma nach Peru schicken. „Die ist schon alt, aber sie freut sich bestimmt.“

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