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Laura hat illustriert, Milena, Andreea und Irina (von links) haben Geschichten geschrieben. 

Paul-Hindemith-Schule

Schüler schreiben Buch über Grenzen

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Schülerinnen und Schüler der Paul-Hindemith-Schule und der Frankfurt International School haben Kurzgeschichten über Grenzen geschrieben. Über Grenzen im Kopf oder auch Liebe über gesellschaftliche Grenzen hinweg.

Milena ist in ihrem Leben oft umgezogen. Geboren wurde die heute 18-Jährige in Bulgarien, dann ging es nach Portugal, nach Frankreich, wieder nach Portugal und schließlich in der vierten Klasse nach Deutschland. „Ich war in vielen Ländern, ich habe viele Schulen besucht“, sagt die Paul-Hindemith-Schülerin. Am schwierigsten dabei: immer wieder eine neue Sprache zu lernen. Darüber hat sie eine Kurzgeschichte geschrieben. „Es ist ein Überblick über das, was ich erlebt habe, die Gefühle dabei“, sagt sie. Und die Sprache war dabei immer wieder eine Grenze, die es zu überwinden galt.

Diese Kurzgeschichte erscheint nun gemeinsam mit anderen in einem Buch vom Scoventa Verlag. Es heißt „Borders/Grenzen: Short Stories by Global Teens“ und alle Geschichten haben Schüler der Paul-Hindemith-Schule und der privaten Frankfurt International School (FIS) in Oberursel geschrieben. Dafür nahmen sie eine Woche lang an einer Schreibwerkstatt teil. Rund 20 Schülerinnen und Schüler arbeiteten mit zwei Autoren auf Englisch oder Deutsch an einer Kurzgeschichte über Grenzen oder entwarfen Grafiken für das Buch. „Ein toller kreativer Prozess“, sagt Verlegerin Sonja Hintermeier. Es sei ganz unterschiedlich an das Thema herangegangen worden. „Es ging um Grenzen im Kopf oder auch um Liebe über gesellschaftliche Grenzen hinweg.“

Die Schreibwerkstatt ist ein Förderprojekt der Frankfurt International School. Aus zwölf verschiedenen Ländern kamen die Schüler. „Wir haben festgestellt, dass die Paul-Hindemith-Schule viel internationaler ist als die FIS“, sagt Hintermeier. Während es an der Privatschule rund 60 Nationalitäten gibt, sind es an der Paul-Hindemith mehr als 80. „Und obwohl die eine Schule eine luxuriöse Privatschule ist, stellte sich heraus, dass die Jugendlichen die gleichen entwurzelten Probleme haben“, sagt Hintermeier. „Viele sind genauso oft umgezogen.“

Die Kurzgeschichten sind in jedem Buchladen zu beziehen. Laura hat eine Illustration für Milenas Geschichte designt. Ein Gesicht mit einem Riss. Die Iris des einen Auges besteht aus der portugiesischen Flagge, die des anderen aus der bulgarischen. „Es zeigt, dass sie sich ständig verändern muss“, sagt die 15-Jährige. Andreea hat über eine Liebesgeschichte zwischen einem armen Mann und einer reichen Frau geschrieben. „Liebe ist das Prinzip des Lebens und da gibt es auch Grenzen zu überwinden“, sagt die 16-Jährige. Und die 15-jährige Irina hat über ein Mädchen im Kinderheim geschrieben, das seine leiblichen Eltern findet. „Doch ihr fällt es schwer, eine Beziehung einzugehen“, sagt sie. „Das ist für sie neu und deshalb eine Grenze.“

Doch die Autorinnen selbst mussten Grenzen in der Schreibwerkstatt überwunden. „Es ist nicht einfach, Jugendliche zu finden, die sich trauen mitzumachen“, sagt Lehrer Alexander Klett. Und wenn sie sich trauen, gibt es für viele noch sprachliche Grenzen. „Manchmal habe ich Wörter vom Portugiesischen ins Deutsche übersetzt“, sagt Irina, die in Portugal geboren ist. Und Milena hatte die Geschichte zwar im Kopf, „aber ich komme mit der deutschen Grammatik nicht klar“. Auf Bulgarisch wäre es ihr aber nicht leichter gefallen. „Das ist auch wieder zu lange her.“

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