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Fridays for Future: Die Schülerdemo läuft von der Konstablerwache zum Günthersburgpark.

Fridays for Future

Schüler demonstrieren in Frankfurt für die Grüne Lunge

„Fridays for Future“-Frankfurt demonstriert auf neuer Route. Ziel ist diesmal das geplante Baugebiet am Günthersburgpark.

„Kinder an die Macht“ dröhnt es aus den Lautsprechern. Der Hit von Herbert Grönemeyer aus den 80ern scheint wieder zeitgemäß. Zusammen mit dem dystopischen „Hurra, die Welt geht unter“ der HipHop-Gruppe K.I.Z. ist er einer der vielen politischen Songs, die beim Schülerstreik am Freitag laufen.

Diese Woche demonstriert „Fridays for Future“-Frankfurt auf neuer Route. Die etwa 200 Schüler laufen von der Konstablerwache bis zum Günthersburgpark. Das hat einen Grund, denn es geht den Schülern diesmal nicht nur um Klimaschutz und Kohleausstieg, sondern auch um den Erhalt der „Grünen Lunge“, also um die Grünflächen nördlich des Günthersburgparks. Die Stadt will dort zusammen mit dem Immobilienunternehmen „Instone“ Luxuswohnungen bauen.

Helena Marschall ist eine der Organisatorinnen der Schülerdemonstrationen. Die 17-Jährige erklärt, warum die Grüne Lunge so wichtig für Frankfurt ist: „Die Gartenanlagen dienen als eine Frischluftschneise.“ Durch sie ströme kalte Luft von der Wetterau in die Innenstadt. Würden dort Wohnungen gebaut, heize sich die Innenstadt stärker auf. „Gerade im Hinblick darauf, dass durch den Klimawandel die Sommer immer wärmer werden“, sagt sie. Das seien keine rosigen Aussichten.

Das Thema Grüne Lunge polarisiert in Frankfurt. Dass die Schüler auch für lokale Themen auf die Straße gehen, ist eine bewusste Entscheidung. „Wir sind eine dezentrale Bewegung“, sagt Marschall. Fridays for Future wolle neben den eher globalen Themen wie Klimaschutz und CO2-Reduktion auch auf Probleme vor Ort aufmerksam machen.

Die Schüler wollen aber auch für Aufmerksamkeit über die Demos hinaus sorgen. Dafür nutzen sie die Sozialen Medien. Vor allem die Plattform Instagram steht hoch im Kurs. Dort laden die Schüler Bilder und Videos hoch, teilweise während sie demonstrieren. „Wir filmen, wie alle schreien“, sagt der 14-jährige Jakob. In sogenannten „Stories“, in denen mehrere Bilder und Videos aneinander hängen, berichteten sie über die Proteste, sagt der Schüler, der auf die Geschwister-Scholl-Schule geht.

In den Beiträgen markieren die einzelnen Jugendlichen das Frankfurter Fridays-for-Future-Instagram-Profil. Dort teilen die Organisatoren wie Helena Marschall dann alle Fotos und Videos der anderen Schüler. 3800 Nutzer folgen dem Profil bis jetzt.

Die Schüler nutzen die Sozialen Netzwerke aber nicht nur, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Auch die Organisation funktioniert über WhatsApp. Jakobs Klasse hat dort eine eigene Gruppe, in der man sich abspricht, ob und wann man zu den Demonstrationen geht. Die 18-jährige Rieke ist in einer anderen Gruppe, die nur für die Organisatoren von Fridays for Future ist. WhatsApp nutzen die Schüler auch während der Demos, sagt sie. Dort können sie einen Live-Standort teilen, also allen mitteilen, wo sich der Protestzug gerade befindet.

Aber auch die klassische Mundpropaganda motiviert Schüler, zu Fridays for Future zu kommen. Marie ist so auf die Bewegung aufmerksam geworden. Angesprochen auf die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg, die an dem Tag in Berlin demonstriert, sagt die 17-Jährige, dass sie untereinander durchaus über die bekannteste Vertreterin der Bewegung diskutieren. Die Debatte dreht sich dabei darum, ob Greta als eine Art Galionsfigur der Schülerstreiks fungieren sollte.

„Für mich ist das gar kein Punkt“, meint Rieke. Ihre Freundin Marie sieht das anders, Fridays for Future „ist nicht nur Greta, sondern die ganze Jugend“, erwidert sie. Auf der Demonstration diskutiere aber keiner, die Debatten unter den Schülern fänden eher privat statt.

Schließlich kommt der Protestzug der Schüler bei den Gärten an. Dort spricht eine Aktivistin der „Bürgerinitiative Grüne Lunge“. Sie kündigt „Instone“ einen „zähen, nervtötenden“ Kampf um die Grünflächen an. „Ein Dorn im Auge“ wollen die Demonstrierenden dem Immobilienunternehmen sein, den Bau der Luxusdomizile lange hinauszögern. Die Protestaktionen für die Grüne Lunge werden weitergehen – genauso wie die Schülerstreiks.

von Paul Siethoff und Elias Schön

Ethik der Mobilität -Veranstaltung

Wie viel Verkehr ist verantwortbar? Wie kann Politik ihn nachhaltig gestalten? Darüber diskutieren Vertreter der Schülerdemos „Fridays for Future“, Wissenschaftler, Journalisten und ein Wirtschaftsvertreter am Mittwoch, 3. April, im „House of Logistics & Mobility“ (Holm) am Frankfurter Flughafen.

Die öffentliche Veranstaltung „Ethik der Mobilität – wie viel Verkehr können wir noch verantworten?“ beginnt um 18 Uhr in der Bessie-Coleman-Straße 7. Der Eintritt ist frei. Um eine Anmeldung auf der Internetseite frankfurt-holm.de wird gebeten.

Es diskutieren Jesko Treiber und Felix Quartier, Mitorganisatoren von „Fridays for Future“, Bauingenieurin Lamia Messari-Becker, Mitglied des Sachverständigenrats für Umweltfragen der Bundesregierung, Dirk Kannacher aus dem Vorstand der GLS-Bank, der Physiker Michael Schreckenberg und Volker Angres, Leiter der ZDF-Umweltredaktion. Jürgen Schultheis vom Holm und die Journalistin Bibiana Barth von HR-Info moderieren. Die FR ist Medienpartnerin der Veranstaltung.

Weitere Informationen finden Sie unter:  http://bit.ly/ethmoWeb

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