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Beim DiktatwettbewerBeim Diktatwettbewerb der Polytechnischen treten Eltern, Lehrer und Schüler gemeinsam an.

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Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft legt ihren Bericht für 2018 vor und blickt in die Zukunft.

Semeret Micael kam als Geflüchtete aus Eritrea nach Frankfurt. Sie nahm am Diesterweg-Projekt für Flüchtlingsfamilien teil, das die Stiftung Polytechnische Gesellschaft organisiert. Heute schreibt die junge Eritreerin ein Buch über ihre alte Heimat und führt Besucher durch das Historische Museum. Mohamed Amin, Sohn einer Berberfamilie aus Nordafrika, erhielt ebenfalls ein Diesterweg-Stipendium und besucht heute das Begabteninternat Schloss Hansenberg des Landes Hessen.

Die Lebenswege der beiden jungen Menschen fasst Roland Kaehlbrandt, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, unter das Motto „Aufstieg durch Bildung“. Er illustriert so die Arbeit der Frankfurter Bildungsstiftung, als er jetzt ihren Tätigkeitsbericht für 2018 vorlegt und zugleich einen Blick in die Zukunft wirft.

Mit einem Vermögen von 442 Millionen Euro ist die Polytechnische eine der größten deutschen Stiftungen. 2018 förderte sie mehr als 10 000 Menschen, davon 400 Stipendiaten in acht Programmen.

Stolz führt Kaehlbrandt durch die vier Geschosse des renovierten Hauses Untermainanlage 5 in Frankfurt, das die Architektenfamilie Burnitz im 19. Jahrhundert errichtet hatte. Heute ist das Gebäude das „Polytechnikerhaus“. Knapp 30 Fachleute arbeiten hier für die zahlreichen Angebote der Stiftung. Kaehlbrandt nennt sie „Nischen-Handwerker“, denn: „Wir helfen in den Lücken, wo etwas fehlt.“

Für den Sprachwissenschaftler, der lange in Frankreich gelebt hat, bleibt Sprach- und Persönlichkeitsbildung ein Lebensthema. „Bei der Rechtschreibung stehen wir ganz schlecht da“, sagt er vor den Journalisten offen. Jeder dritte Schüler in Deutschland verfehlt den Mindeststandard, 55 Prozent der jungen Menschen erreichen nicht den Regelstandard bei der Rechtschreibung. Das sind Zahlen aus der Studie 2016 des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB).

Hier setzt die Stiftung an, zum Beispiel mit dem Programm „Deutschsommer“. Dessen Ziel ist es, Drittklässler vor dem Übergang in weiterführende Schulen sprachlich und in ihrer Persönlichkeit zu stärken. 2018 gab es den zwölften „Deutschsommer“, das Angebot wurde neben Frankfurt auf Gießen, Darmstadt, Rüsselsheim, Wiesbaden und Wetzlar ausgeweitet.

Es existiert aber auch das Projekt „Der große Diktatwettbewerb“, in Deutschland nach Angaben der Stiftung ein einzigartiger Wettstreit. Beim siebten Frankfurt-Finale traten 2018 etwa 150 Eltern, Lehrer und Schüler aus 14 Schulen gegeneinander an.

Und dann sind da die neuen Vorhaben, zum Beispiel das „Digitechnikum“. Es wird IT-begeisterte Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren zusammenbringen und ihnen ermöglichen, an digitalen Lösungen für gesellschaftliche Probleme zu arbeiten. Oder das Vorhaben „Junge Paulskirche“: Schülerinnen und Schüler sowie ihre Geschichtslehrer sollen sich gezielt mit dem Grundgesetz beschäftigen, dessen 70. Geburtstag die Stiftung gerade groß in der Paulskirche gefeiert hat.

Neben der Bildung ist die Stiftung in den Bereichen Soziales, Kunst und Kultur, Wissenschaft und Technik aktiv. Insgesamt flossen 2018 mehr als eine Million Euro in 86 Projekte.

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