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Barbara Salesch.
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Barbara Salesch.

Bergen-Enkheim

Schreiben statt richten

Die ehemalige TV-Richterin Barbara Salesch widmet sich mittlerweile der Bildhauerei und schreibt Bücher. Am Donnerstag liest sie in der Laurentiuskirche in Bergen-Enkheim. Ein Interview.

Von Nadine Benedix

Frau Barbara Salesch, von der Juristin zur Künstlerin. Was ist da passiert?
Eigentlich bin ich schon seit Ende der 80er als Künstlerin tätig. Als Vorsitzende Richterin am Landgericht in Hamburg hatte ich bereits mein eigenes Atelier. Damals lief die Bildhauerei aber nur nebenbei. Mir war immer klar, dass ich nach der Pensionierung als bildende Künstlerin arbeiten werde.

Sie sind ja durchs Fernsehen recht bekannt, hat Ihnen das beim Berufswechsel geholfen?
Künstlerisch ist die Bekanntheit schon eher eine Bürde. Man wird sehr genau beäugt. Medial dagegen ist es schon hilfreich bekannt zu sein. Zu meinen Ausstellungen kommt viel Presse. Inzwischen bin ich aber auch in der Kunst akzeptiert und Mitglied der Künstlerinnenvereinigung Gedok.

Wie hat sich Ihr Alltag seit ihrem letzten Fernsehauftritt als Richterin in 2012 verändert?
Ich habe etwa drei bis vier Kunstausstellungen im Jahr und bin eigentlich jeden Tag im Atelier. Früher musste ich mich nach Drehzeit richten und auch mal nachts ins Atelier fahren. Jetzt habe ich viel mehr Zeit, auch für Privates. Dazu kommen Lesereisen, die ich seit Veröffentlichung meines Buches mache. Ich bin also gut beschäftigt.

Ihre Gerichtsshow im Fernsehen behandelte fiktive Fälle mit Laiendarstellern. Wie nahe an der Realität waren diese Fälle?
Sie waren schon ziemlich realistisch. Im Fernsehen gab es aber mehr Aktion, mehr Zwischenruf und Geständnisse als im Alltag. Manchmal haben wir zwei reale Fälle zusammengeschrieben, manche waren erfunden. Der Verhandlungsablauf war juristisch immer korrekt.

Hat es Sie jemals gestört, dass Gerichtsshows einen so schlechten Ruf in Deutschland haben?
Das hat mich insofern schon gestört als dass ich immer mit allen Gerichtsshows in eine Kiste geworfen wurde. Irgendwann gab es zu viele davon, und man hat sich unterboten. Zu Beginn meiner Sendung hieß es von hohen Richtern in der Presse noch: „Salesch macht Werbung für die Justiz“ und „So würde man sich eine Richterin wünschen“. Hinterher kippte die positive Stimmung. Ich stand aber immer hinter meiner Sendung. Ich mache nichts was mir nicht gefällt.

Finden Sie, dass ihre jetzige Arbeit als bildende Künstlerin greifbarer ist als das Hantieren mit Paragraphen?
Künstlerisch zu arbeiten ist einfach anders. Für die Kunst braucht man eine andere Kreativität. Die geht mir zum Glück nie aus. Es gibt ja sehr viele hervorragende Künstler unter Juristen, Wassily Kadinsky zum Beispiel. Und: Man muss nicht nur eine Sache machen im Leben.

Wieso haben Sie Ihre Arbeit am Landgericht aufgegeben?
Ich wusste nicht, dass das mit dem Fernsehen so lange dauern wird. Angefangen habe ich am Vorabend mit echten Zivilrechtsfällen, die ich in meinem Schiedsgericht entschieden habe. Die wurden aufgezeichnet und gesendet. Das hatte aber keinen Erfolg. Dann wurde die Sendung auf den Nachmittag gelegt und auf ausgedachte Strafrechtsfälle umgestellt. Das war der Durchbruch, und ich blieb für fast 2500 Sendungen dabei.

Warum finden Sie sind Neuanfänge so wichtig?
Es ist wichtig, neu anzufangen wenn man das Bedürfnis dazu hat. Wenn man mit allem zufrieden ist, dann sollte man alles so lassen wie es ist. Wenn ich ein paar Jahre das Gleiche gemacht habe, dann fand ich immer, es sei Zeit für etwas Neues. Das Einarbeiten in neue Dinge ist für mich immer reizvoll.

An wen richtet sich Ihr Buch?
Der Fischer Verlag kam damals auf mich zu und meinte: Frauen in der zweiten Lebenshälfte wollen sich ja oft verändern und trauen sich nicht. Schreiben Sie doch mal was. Das Buch habe ich deshalb an sich für Frauen geschrieben. Aber auch Männer werden nicht dümmer, wenn sie es lesen. Es ist keine reine Biographie, auch politische Aspekte spielen mit rein. Jeder Leser kann sich dann selbst herausziehen was er braucht, denn Ratgeber halte ich für Unsinn.

Sind sie ein Idol für Frauen?
Als Idol würde ich mich nicht bezeichnen. Ich bin allerdings eine sehr selbständige und eigenständige Frau, die einfach nur durch ihre Fernsehshow sehr bekannt geworden ist. Da spielt man gesellschaftlich schon eine Rolle.

Wie kam es, dass Sie jetzt in Bergen-Enkheim lesen?
Mein Buch wurde 2014 zur Leipziger Buchmesse veröffentlicht. Seitdem mache ich etwa 20 Lesungen im Jahr. Ich wurde vom Krankenpflegeverein Bergen-Enkheim bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung in Bonn angefragt. Ich bin sicher, dass wir einen unterhaltsamen Abend haben werden.

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