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Die Schranke in der Franz-Werfel-Straße teilt seit vielen Jahren die Platensiedlung.

Ginnheim

Ginnheim: Schranke wird dauerhaft geöffnet

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Die Platensiedlung soll nicht mehr von anderen Siedlungen in Ginnheim isoliert sein.

Jahrelang hat eine Schranke in der Franz-Werfel-Straße den Ortsbeirat 9 gespalten, nach vielen Diskussionen und verschiedenen Anträgen wird sie nun dauerhaft geöffnet. Denn die Schranke ist nicht nur ein Überbleibsel der US-Amerikaner, die bis 1995 in der Platensiedlung stationiert waren, sondern bewirke die „Isolation der Siedlung“, der Rachid Rawas von der SPD entgegenwirken will.

Rawas ist stellvertretender Ortsvorsteher und Ginnheimer Kinderbeauftragter, ,er will den Menschen in der Platensiedlung „mehr Motivation geben, sich zu Hause zu fühlen, mehr Farben, mehr Leben“. Statt einer Abgrenzung vom Rest des Stadtteils, die nur ein „Verslummungsgefühl“ schaffe. „Die Menschen sollen sich die Straßen draußen erobern“, sagt Rawas.

Sowohl Polizei und Feuerwehr hätten die Öffnung und Demontage der Schranke gefordert, weil die bauliche Abgrenzung die Platensiedlung unsicherer mache. Und zudem im Brandfall Feuerwehreinsätze verzögerte: Die Feuerwehrautos der naheliegenden Feuerwache im Ginnheimer Stadtweg müssen durch die Straßensperre Umwege fahren.

Der Appell des Regionalrats habe nun endlich bewirkt, was schon 2014 und 2016 vergeblich im Ortsbeirat gefordert wurde. 2014 sei ein Antrag zur Schrankenöffnung abgelehnt worden, auch begründet mit Sicherheitsbedenken der Menschen, die in der Umgebung wohnten und sich von den „Kriminellen in der Platensiedlung“ abgrenzen wollten, so Rawas. Andererseits hätten auch Drogendealer den Erhalt der Schrank gefordert, weil sie Polizeieinsätze erschwere.

Ein anderes wichtiges Argument für die Schranke war der befürchtete Durchgangsverkehr. Denn da es in der Platensiedlung an geeigneten Spielplätzen und Treffpunkten mangele, würden sich Kinder und Jugendliche auf der Straße treffen, dort Fußball spielen oder Fahrrad fahren. „Und Kinder sollten nicht von Autos verdrängt werden“, sagt Ingrid Wunn von den Linken. Sie lebt selbst in der Franz-Werfel-Straße und hatte sich immer gegen die Öffnung der Schranke ausgesprochen.

Er habe Verständnis für diese Haltung, sagt Rawas, „aber die Angst vor rasenden Autos ist übertrieben.“ Außerdem wolle der Ortsbeirat Blumenkübel aufstellen, für die schon Paten gefunden seien: „So bleibt die Straße beruhigt und wird schöner“, freut sich Rawas. Auch Wunn fordert verkehrsberuhigende Maßnahmen und „mehr Aufenthaltsqualität im Siedlungsgebiet“. Sie sagt, dass die Schranke in letzter Zeit schon geöffnet war und sich die Situation „so eingespielt“ habe. Deswegen habe sie sich bei der letzten Abstimmung für den Abbau der Schranke nur noch enthalten.

Schon 2016 beschloss der Ortsbeirat, die Schranke probeweise sechs Monate zu öffnen, doch laut Rawas blieb sie damals zum größten Teil geschlossen: „Wir wissen nicht, was passiert ist, aber wahrscheinlich haben Nachbarn sie wieder zugemacht.“ Manche hätten einen Schlüssel, erzählt der stellvertretende Ortsvorsteher. Dass die Schranke nun endlich wirklich wegkommt, stimme ihn „sehr froh“. Das für den Abbau der Schranke zuständige Amt für Straßenbau und Erschließung war bis Redaktionsschluss zu keiner Stellungnahme zu erreichen.

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