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Dieter Wissel hat seine mobile Kelterei auf dem Lohberg geparkt.

Frankfurt-Seckbach

Der Schoppen wird knapp

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Wegen der Hitze und der Gespinstmotte ernten die Frankfurter in diesem Jahr viel weniger Äpfel als sonst. Das Streuobstzentrum Mainäppelhaus auf dem Lohberg klagt über Einbußen.

Normalerweise parkt Dieter Wissel seine mobile Kelterei jeden Herbst für zwei Tage auf dem Gelände des Mainäppelhauses auf dem Lohrberg. Dann können Privatleute Streuobst aus dem eigenen Garten mitbringen und durch die große Presse laufen lassen, die Wissel auf seinem Autoanhänger installiert hat. Nur 20 Minuten dauert es und der frische Saft ist fertig.

In Saftboxen kann er direkt mitgenommen werden. Oder man bringt Gärfässer mit und kann nach einigen Wochen Lagerung zu Hause eigenen Apfelwein genießen. In diesem Jahr hat es allerdings weniger Anfragen für Keltertermine gegeben, sagt Wissel. Deshalb entfällt der für den heutigen Dienstag geplante zweite Keltertag.

Ein Grund für die gesunkene Nachfrage ist die Apfel-Gespinstmotte, sagt der Franke. Die hat sich dieses Jahr in Hessen ausgebreitet und Streuobstpflanzen befallen. Ihre Raupen fressen die Blätter der Bäume, die Folge ist eine geringere Ernte. Aber auch die extreme Trockenheit der Sommermonate hat zu Ernteschäden geführt. Der Verein Mainäppelhaus Lohrberg hat das ebenfalls zu spüren bekommen. Er betreibt auf dem Lohrberg unter anderem einen Hofladen und das „Äppel-Bistro“.

Unter Walnussbäumen können Besucher dort im Sommer einkehren und bei selbstgekeltertem Saft und Apfelwein sowie Frankfurter Traditionsspeisen die Natur genießen. Dieses Jahr ist der Apfelwein jedoch hin und wieder ausgegangen, berichtet Peter Selig, 2. Vorsitzender des Vereins. Umsatzeinbußen seien für den gemeinnützigen Verein durchaus problematisch.

Nicht nur der Betrieb des Bistros und Hofladens generiere Personalkosten. Auch die verschiedenen Bildungsangebote, die das Streuobstzentrum anbietet, und der Erhalt der Streuobstwiesen müssten finanziert werden. Und auch neue Projekte sind immer wieder in Planung. Aktuell arbeiten die Vereinsmitglieder an der Entwicklung eines Handbuchs rund um die Pflege von Streuobstwiesen. Außerdem sollen Biotop-Manager ausgebildet werden, um die regionale Biodiversität zu erhalten.

Immerhin 21 Personen seien am Montag mit ihrem Streuobst auf den Lohrberg gefahren, sagt Dieter Wissel. Äpfel, Birnen und Quitten hat er von 9 bis 18 Uhr gekeltert. Seit acht Jahren kooperiert die mobile Kelterei mit dem Frankfurter Streuobstzentrum. Schon im Sommer kommt Wissel jedes Jahr für einen Tag auf den Lohrberg, um das Obst für das Mainäppelhaus zu keltern. fünf bis sechs Tonnen Obst werfen die Streuobstwiesen des Vereins im Durchschnitt ab. Selbst für einzelne Tage fahre er gerne von Königshofen im Spessart nach Frankfurt. „Für mich ist der Lohrberg eine echte Oase in Frankfurt“, sagt er begeistert. Und er freue sich jedes Mal, wenn junge Leute seine mobile Kelterei aufsuchten und Obst von Bäumen mitbrächten, die ihre Eltern oder Großeltern gepflanzt hätten.

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