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Ulrich Mattner.

Bahnhofsviertel

Schonungslose Analyse für das Frankfurter Bahnhofsviertel

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Ulrich Mattner prangert die Zustände im Viertel seit Jahren an. Er fordert weitreichende Änderungen.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass Ulrich Mattner im Frankfurter Bahnhofsviertel in eine recht merkwürdige Situation geriet. Der umtriebige Vorsitzende des örtlichen Gewerbevereins hatte mal wieder zu einer Tour durch das Viertel eingeladen. Es war die Zeit, in der die Polizei eine BAO gegründet hatte, eine Besondere Aufbauorganisation, die sich ausschließlich um das Viertel kümmerte. Mehrfach pro Woche gab es Razzien im Stadtteil. Und so kam, was kommen musste. Mattner geriet mit seiner gesamten Gruppe in eine Kontrolle. Es folgte ein langwieriges Prozedere, „da endete die Tour eben nicht um 22 Uhr sondern um 2 Uhr“, erzählt Mattner.

Nun könnte man auf die Idee kommen, Mattner wäre böse auf die Polizisten. Das Gegenteil ist der Fall. „Ich bin ja immer froh, wenn was passiert.“ Denn Mattner sorgt sich um seinen Stadtteil, er hat Angst, das Bahnhofsviertel könne endgültig abstürzen. Und die Polizeirazzien vor einigen Jahren haben an diesem Gefühl nicht viel ändern können.

Dass die Stadt vor zwei Wochen eine Aktion zur Befriedung der Drogenszene gestartet hat und Abhängige nicht mehr ungestört vor den Hilfseinrichtungen sitzen lässt, hat Mattner zwar mitbekommen. Alleine: „Es hat sich nichts geändert.“ Sicher, manchmal müssten die Abhängigen aufstehen, dann zögen sie zwei Straßen weiter. Aber am Erscheinungsbild des Viertels habe sich nichts geändert. Mattner wirkt resigniert. Er vertritt die Gewerbetreibenden im Viertel und sagt: Würden sich die Geschäftsleute damit nicht selbst schaden, würden viel mehr die Zustände anprangern.

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Mattner will nicht missverstanden werden. Es geht ihm nicht um die Verdrängung von Drogensüchtigen. Mit denen hat er Mitleid, und weil er seit vielen Jahren im Viertel wohnt, hat er sich auch intensiv mit ihrer Situation beschäftigt. Ein Heroin-Süchtiger brauche zwischen 100 und 150 Euro pro Tag, um seine Sucht zu finanzieren. An das Geld müsse er kommen. Irgendwie.

Gerade nachts aber sei das Bahnhofsviertel ein schlimmer Ort, und wenn Stadt und Polizei etwas anderes behaupteten, „dann ist das Öffentlichkeitsarbeit, sonst nichts.“ Mattner berichtet von der Taunusstraße, von Flaschen, die quer über die Fahrbahn geworfen würden, von Menschen, die hilflos auf dem Gehsteig lägen und für irgendwelche Angebote von Sozialarbeitern nicht mehr erreichbar seien. „Ich mach demnächst mal wieder Bilder“, sagt Mattner, der auch Fotograf ist. Es dürften keine schönen Aufnahmen werden.

Was tun? Der Gewerbevereinsvorsitzende fordert, die Situation schonungslos zu analysieren und noch viel mehr Therapieangebote zu machen. Zudem müsse der Markt für Dealer trockengelegt werden – womöglich durch die Legalisierung von Heroin.

Bis es dazu kommt, dürfte es noch ein sehr langer Weg sein. In der Zwischenzeit wird Mattner die Zustände noch ziemlich oft anprangern.

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