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Wohnblocks sollen sich künftig dem Straßenverlauf anpassen, selbst wenn's um die Kurve geht, wie hier im Ostend mit der Europäischen Zentralbank im Hintergrund. 

Städtebau 

Schöner Wohnen

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Der zuständige Dezernent Mike Josef (SPD) präsentiert neue Leitlinien zur Qualität im Städtebau. Frankfurt wächst rasant. Wohnungen können gar nicht so schnell gebaut werden, wie sie benötigt werden. Das darf aber nicht zulasten des Stadtbildes geschehen.

Frankfurt.Ein neues Regelwerk soll dazu führen, dass die Menschen in Frankfurt in einer besser gestalteten Stadt leben. In einer Stadt, in der Architektur und Städtebau von einer höheren Qualität sind als bisher. Es sollen ausreichend große und bezahlbare Wohnungen entstehen, keine teuren Mikroapartments mehr. "Qualität im Städtebau" hat denn auch Planungsdezernent Mike Josef (SPD) die Leitlinien überschrieben, die er am Montagabend im Casino der Stadtwerke am Börneplatz präsentierte. An seiner Seite waren die Leiterin der Bauaufsicht, Simone Zapke, und der Chef des Stadtplanungsamtes, Martin Hunscher, die beide wesentlich für die Leitlinien verantwortlich sind.

Qualität, nicht Quantität

Josef verteidigte ausdrücklich den Zeitpunkt für diesen wichtigen Vorstoß. Alle Notwendigkeit, rasch viele Wohnungen zu schaffen, dürfe nicht dazu führen, dass Qualität gegen Quantität ausgespielt werde. Mangelnde Qualität widerspreche der notwendigen Nachhaltigkeit, ja sie führe langfristig dazu, dass die Akzeptanz des Gebauten zurückgehe. Im übrigen gebe es keinen besseren Zeitpunkt, Qualität einzufordern, als mitten im Boom der Bauwirtschaft, der hohe Renditen sicherstelle.

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Stadtplanungsamt und Bauaufsicht stellen zahlreiche Regeln auf, die künftig bei Bauanträgen in die Entscheidung einfließen. Straßenecken sollen durch Gebäude geschlossen werden, offene Ecken will man nicht mehr. Öffentliche Straßen dürfen nicht mehr durch private Brücken überbaut werden.

Grüne Vorgärten werden künftig beim Geschosswohnungsbau als Standard angesehen. Das ist oft in Frankfurt noch anders und darf als Kampfansage verstanden werden.

Bauen in zweiter Reihe will die Kommune nur noch im Rahmen einer städtebaulichen Planung ermöglichen. Im Blockinneren muss eine zusammenhängende Hoffläche entstehen. Gebäude möchte die Stadt so positionieren, dass sie auch als Lärmschutz dienen.

Nutzungsmix erwünscht

Bei allen großen Bauvorhaben, etwa Wohnquartieren, ist künftig die nötige Infrastruktur mit zu bedenken, also etwa Kitas und Schulen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die aber in der Vergangenheit bisweilen nicht beachtet wurde.

Wohnungen und gewerbliche Nutzungen sind zu mischen, um Monostrukturen zu vermeiden. Der öffentlich geförderte Wohnungsbau soll weiter gestärkt werden, damit ausreichend große und bezahlbare Wohnungen entstehen. Teure Mikroapartments, die es immer noch in großer Zahl gibt, lehnt die Kommune ab.

Die Infrastruktur, wie etwa Kitas und Läden, will die Stadt in die Wohnbebauung integrieren, nicht als solitäre Bauten planen. Gastronomie und Vergnügungsstätten darf es nur noch "verträglich" geben, Innenhöfe müssen ruhig bleiben.

Ein ganz wichtiger Punkt: Fassaden sollen künftig mit ihrer Umgebung harmonieren. Bisher gibt es in Frankfurt zahlreiche neue Gebäude, deren Architektur in keiner Weise auf das Umfeld eingeht. Die Stadt möchte klar gegliederte Häuser mit Sockel, Mittelteil und oberem Abschluss. Loggien und Balkone dürfen nur noch wenig, maximal 50 Zentimeter, in den Straßenraum auskragen.

Größere Abstände

Zwischen den Häusern sieht die Stadt deutlich größere Abstände vor, als es die Hessische Bauordnung fordert - um so die Lebensqualität für die Menschen zu verbessern. Künftig dürfen Abstellflächen den öffentlichen Raum und die Bäume in einem Quartier nicht mehr beeinträchtigen.

Noch ein wichtiger Schritt: Kellerwohnungen mit Belichtung über Abgrabungen lehnt die Stadt ab. Im Geschosswohnungsbau wird angestrebt, dass der Hof direkt vom Treppenhaus erschlossen ist. Die Stadt will mehr als bisher den erhaltenswerten Baumbestand beachten. Freiflächen müssen begrünt werden, Schotter und Kies sind zu vermeiden.

Tiefgaragen sollen mit mindestens 80 Zentimeter Vegetationstrageschicht bedeckt sein, damit überhaupt etwas wachsen kann. All diese Regeln umzusetzen - das wird ein langer, harter Kampf.

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