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Willy Egli wohnt im „Lebenshaus St. Leonhard“.

Sterbebegleitung

Schöner sterben

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Willy Egli unterstützt Menschen an ihrem Lebensende - als ehrenamtlicher Hospizbegleiter

Der Mann, der andere Menschen beim Sterben begleitet, wohnt im Lebenshaus. So heißt das Gebäude in der Frankfurter Altstadt, das neben den Räumen der Caritas, einer Kita und 36 Altenpflegezimmern auch Mietwohnungen unter seinem Dach vereint. Auf der gemeinschaftlich genutzten Dachterrasse bietet Willy Egli selbstgebackene Kekse an.

„Ich kann übers Essen gut mit Menschen in Kontakt kommen“, sagt der 67-Jährige, der 30 Jahre lang als Flugbegleiter auch kulinarische Wünsche erfüllte. Seit er in den Ruhestand ging, widmet er sich verstärkt seinen Ehrenämtern. Das Bürgerinstitut vermittelte ihm vor zwölf Jahren eine Aufgabe im Catering der Hochschule für Musik und darstellende Kunst. Und zusätzlich zu seinem nachbarschaftlichen Engagement im Lebenshaus, „wo ich täglich beobachten kann, wie unterschiedlich Menschen auf den Tod zugehen“, ließ er sich vom Bürgerinstitut zum ehrenamtlichen Hospizbegleiter ausbilden.

„Wenn ich das erzähle, gucken die Leute immer betroffen und sagen, das ist ja schrecklich“, erzählt Egli, der im Gespräch gerne und herzlich lacht. Denn nein, schrecklich sei seine Aufgabe ganz und gar nicht. Selten habe er so viel über sich selbst gelernt, wie in den Begegnungen mit den Sterbenden und in dem vorbereitenden Ausbildungskurs, der neben Grundlagenwissen etwa zur Hospizarbeit, zu typischen Krankheitsbildern oder Palliativmedizin vor allem viel Selbsterfahrung beinhaltet. „Das ist eine sehr intime Angelegenheit, da legt man echt die Karten auf den Tisch“, sagt Egli.

Mit dem Tod auseinandergesetzt habe er sich bereits früh. „Als Kind hatte ich immer Ängste, dass meine Mutter sterben könnte“ - sie hatte vor seiner Geburt Kinderlähmung gehabt, war körperlich behindert. „Das hat mich sehr geprägt.“ Und als in den Achtzigern im Zuge der Aids-Epidemie auch unter seinen Lufthansa-Kollegen „das große Sterben begann“, habe er sich in einer Aidshilfegruppe eingebracht.

Sein Motto sei, sagt Egli: „Ich möchte schöner sterben. Wie man es aus einer italienischen Oper kennt: mich verabschieden und die Augen zuschlagen.“ Und er hoffe, dass er ein wenig dazu beitragen könne, dass auch andere Menschen „schöner sterben“.

Als Hospizbegleiter hat Egli nun schon vier Menschen und ihre Angehörigen bis zum Tod psychosozial unterstützt - zwei kannte er aus dem Lebenshaus, zwei weitere Kontakte vermittelte ihm das Bürgerinstitut. Zur Ehefrau des alten Mannes, der im Januar starb und der ihn vier Monate zuvor schon beim zweiten Treffen als „besten Freund“ bezeichnete, hat Egli heute noch Kontakt - erst jüngst konnte er sie überreden, mit ihm Blumen ans Grab ihres Mannes zu bringen.

Gerade noch vier Wochen blieben ihm hingegen, um eine schwer krebskranke Frau kennenzulernen. Und doch fand er schnell eine Verbindung, sagt er - denn auch sie war in ihrem Leben auf der ganzen Welt unterwegs; ihre Katze, an der sie sehr hing, hatte sie einst aus Bangkok mitgebracht. Als sie ins Hospiz umzog, kam Egli jeden zweiten Tag vorbei und brachte ihr, die zum Schluss nicht mehr kauen konnte, pürierte Erdbeeren und selbstgemachte Grüne Soße mit. Und einen Schal, den Eglis ebenfalls als Flugbegleiter tätiger Lebensgefährte aus Bangkok einflog. „Als sie gestorben ist, haben die Krankenschwestern ihr den Schal ums Gesicht gelegt.“ Sie habe glücklich ausgesehen.

Mitmachen

Das Bürgerinstitut bereitet Hospizbegleiterinnen und -begleiter umfassend auf ihr Ehrenamt vor. Ein neuer Kurs beginnt am 16. August. Er umfasst 110 Ausbildungsstunden an zehn Abenden und neun Samstagen bis Ende November und schließt zwei je zehnstündige Hospitationen beim ambulanten und stationären Hospizdienst ein.

Die Teilnahme am Ausbildungskurs kostet 250 Euro. Interessierte sollten sich schnellstmöglich anmelden bei Anette Rehor, Leiterin Hospizdienst und Palliativberatung, unter Telefon 069 / 97 20 17 35 oder per E-Mail an rehor@buergerinstitut.de.

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