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Schnellbus mit langen Pausen

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Pendler sollen umsteigen – doch der neue Schnellbus X95 aus dem östlichen Umland ist als Alternative schlecht.U-Bahn-Haltestelle Enkheim .Osten.Aufgenommen am 0.02.2022
Pendler sollen umsteigen – doch der neue Schnellbus X95 aus dem östlichen Umland ist als Alternative schlecht.U-Bahn-Haltestelle Enkheim .Osten.Aufgenommen am 0.02.2022 © Leonhard Hamerski

X95 soll Pendlerinnen und Pendler zum Umsteigen bewegen / Doch der Fahrplan ist dürftig

Eine Schnellbuslinie verbindet seit Mitte Dezember Städte im östlichen Umland direkt mit den Frankfurter U-Bahn-Linien 4 und 7. Bisher steigen aber erst wenige Menschen ein. Das könnte auch daran liegen, dass das neue Angebot zwei entscheidende Nachteile hat und Anlass für Kritik aus Sicht der Fahrgäste bietet.

„Diese Buslinie könnte viel bringen“, sagt Kristine Schaal, Vorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn in Frankfurt. Wer aus Erlensee, Bruchköbel, Ronneburg oder Büdingen nach Frankfurt pendelt, fährt bisher per Auto am schnellsten. Von hier gibt es keine direkten Zugstrecken in die Metropole. Viele Pendler aus dem östlichen Umland quälen sich durch den Riederwald, wo der A 66-Lückenschluss bis 2030 gebaut wird. Und sie fahren oft über Hanauer Landstraße, Schaumain- oder Mainkai, wobei letzteren die Römer-Koalition (Grüne, SPD, FDP, Volt) gern für Kraftfahrzeuge dicht machen will. Die Test-Sperrung war kläglich gescheitert, weil ein Verkehrskonzept mit Umleitungsangeboten fehlte.

Entlastung soll der Schnellbus X95 bringen, der seit Dezember das östliche Umland zwischen Hanau und Büdingen mit der U-Bahn-Station Enkheim verbindet. Der Bus fährt ein Stück auf der A 66, die Fahrzeiten sind daher recht kurz. Bruchköbel-Konstablerwache sei nun in 39 Minuten zu schaffen, wirbt André Kavai, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). „Da ist man auch mit dem Auto nicht schneller auf der Zeil.“

Doch auf der A 66 gibt es das erste Problem: Im Berufsverkehr steht der Bus oft im Stau. Das gefährde die Schnelligkeit, warnt Schaal. Gerade wenn es auf Straßen eng sei, müsse der Bus fahren können. „Das kann ihn attraktiver machen.“ Eine Busspur am Ende der A 66 fordern auch RMV und Stadt Frankfurt. „Wir begrüßen jede Linie, die Entlastung für die Pendler bringt“, so Wolfgang Siefert, Büroleiter von Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne). „Ein Bus, der im Stau steht, bringt nichts.“

Doch das Verkehrsministerium winkt ab. Sie sei „sehr aufwendig“ einzurichten, da der Seitenstreifen 600 Meter vor dem Autobahnende ende und die A 66 verbreitert werden müsste, so Wolfgang Harms, Sprecher von Minister Tarek Al-Wazir (Grüne). Planung und Bau dauerten bis zu fünf Jahre. Die auf 450 Metern sich befindenden bisher gesperrten Spuren temporär umzumarkieren sei laut Harms auch „leider keine Lösung, da immer noch ein erheblicher zweistreifiger Abschnitt als Engstelle verbliebe“ - nämlich ein rund 150 Meter langes Stück.

Diese kurze Strecke temporär im Berufsverkehr auf eine Fahrspur für Autos zu reduzieren, das lehnt das Ministerium auch ab. „Das würde die Kapazität dieser ohnehin stauanfälligen Stelle für den Individualverkehr halbieren.“ Fahrzeuge könnten „nicht mehr in ausreichendem Maß“ auf die Borsigallee abfließen, es gebe mehr Stau und „Risiken für die Verkehrssicherheit auf der A 66“.

Wieso 150 Meter einspurige Verkehrsführung einen großen Rückstau verursachen soll, kann Kristine Schaal nicht nachvollziehen. Schließlich fließe der Verkehr im Erlenbruch ja auch nur einspurig. Sie vermisst „kreative Lösungen“ für das Problem. „Man fragt sich schon, ob der Wille einfach nicht da ist.“

Problem zwei ist der Takt des X95: Die Expressbusse fahren stündlich, machen zwischen 9 und 13 Uhr Pause, am Wochenende fahren sie nur alle zwei Stunden, abends ist die letzte Abfahrt in Enkheim um 19.09 Uhr. „Damit kann man niemanden hinter dem Ofen hervorlocken“, ist Kristine Schaal entsetzt. Der Betriebsschluss sei zu früh für Pendler, das stündliche Angebot „viel zu dürftig“ und schlechter als auf vielen ländlichen Strecken. „Wer einen Stundentakt am Frankfurter Stadtrand anbietet, will nur eine Alibi-Lösung“, sagt Schaal.

Der Stundentakt sei „für ein vollkommen neues Angebot im ersten Fahrplanjahr nicht unüblich“, erklärt dagegen RMV-Sprecherin Vanessa Rehermann. Der RMV habe einen Halbstundentakt geplant. „Leider standen seitens des Landes dafür nicht ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung.“ Gebe es mehr Geld, könnte das Angebot besser werden, sofern die „Nachfrage entsprechend gegeben“ sei.

Das jetzige Angebot könne diese Nachfrage aber nicht wecken, so Schaal. Es sei zu schlecht, als dass „jemand deswegen den Zweitwagen abschafft“. Auch werde das Image des X95 geschädigt, wenn sich der Eindruck des schlechten Angebots in der Region festsetze, warnt die Pro-Bahn-Chefin. Daher müssten Takt und Abendverkehr schnell ergänzt werden. „Da muss man sich etwas trauen und klotzen.“

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