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Schnäppchenjagd auf der Zeil

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Von: Thomas Schmid

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Überall auf der Einkaufsstraße locken Rabatte.
Überall auf der Einkaufsstraße locken Rabatte. Renate Hoyer © Renate Hoyer

Das Weihnachtsgeschäft läuft noch bis Mitte Januar. Umtausch wird seltener.

Für Lucas (8) und Julian (4) gibt es kein Weihnachten ohne Lego. „Wir haben vor dem Fest noch ein Haus gebaut mit Rutschbahn und Schwimmbad“, sagt Lucas. Der Darmstädter Junge ist mit seinem Bruder, seinem Vater und seinem Onkel nach Frankfurt gefahren. Die Jungs tragen stolz ihre gelben Tüten.

„Wir kommen nicht aus Frankfurt heraus, ohne wenigstens eine Kleinigkeit bei Lego gekauft zu haben“, erläutert Bart Luijk, der Vater. „Heute sind wir auf die Zeil gekommen, weil wir Zeit haben.“ Onkel Sebastian Block ergänzt: „Die Preise sinken gerade, da kann man etwas sparen.“ Geschenke umtauschen jedoch, das haben sie nicht vor.

Ähnlich hält es Alexander Kiefer. Der Frankfurter hat Freunde eingeladen, Sophia aus Koblenz und Miguel Bacskai aus Heidelberg. „Immer wenn wir hier sind, gehen wir einkaufen“, sagt Sophia. „Ein solches Angebot gibt es in kleineren Städten nicht“, ergänzt Miguel. Ihr Gastgeber hält im kalten Wind auf der Zeil einen Computerbildschirm für 700 Euro in der Hand. „Den kann ich von der Steuer absetzen“, sagt er, „ich brauche ihn fürs Homeoffice.“ Sophia trägt einen neuen Pulli in der Tüte, Miguel Bacskai hat einen Kopfhörer verstaut.

Am ersten Tag zwischen den Jahren war am späten Vormittag auf der Zeil nicht viel los. Gegen Mittag füllten sich die Parkhäuser, verlängerten sich die Staus. Für Joachim Stoll, Sprecher der Frankfurter Einzelhändler, ein gutes Zeichen. „In den Tagen vor Weihnachten war es ruhiger als sonst“, sagte er, „aber das Weihnachtsgeschäft geht noch bis Mitte Januar.“ So lange etwa dauert es, bis die Gutscheine eingelöst sind. Das Umtauschgeschäft hingegen „ist nicht mehr so groß wie früher“.

Das Weihnachtsgeschäft war bislang schlecht, die Konsumstimmung auf dem Tiefststand. „Wir sehen die Energiekrise, wir sehen die Inflation. Die Leute waren sehr zurückhaltend, was den Einkauf anging.“ Vielleicht auch, um zu sparen. Gestern am späten Vormittag wurden bei Karstadt die letzten „Sale“-Dekorationen aufgehängt, warben Kaufhäuser auf der Zeil mit bis zu 50 Prozent Nachlass. „Die Händler leeren die Lager. Es ist der vorgezogene Winterschlussverkauf“, sagt Stoll. Jetzt sei wichtig, dass die Frankfurter wieder Vertrauen fassen, dass sie sehen: Die Gas- und Stromzuschüsse des Staates kommen aufs Konto, beziehungsweise die hohen Abschläge werden nicht abgebucht.

Bis Ostern, hofft Stoll, der Frankfurt im Handelsverband Hessen-Süd vertritt, sollte es wieder aufwärts gehen. „Wir sehen Licht am Ende des Tunnels. Der Februar wird noch hart. Aber im März und April, wenn der Winter vorbei ist, wird sich die Konsumstimmung normalisieren.“ Nicht zuletzt, weil dann neue Lieferungen aus China ankommen. China war in den vergangenen zwei Jahren das große Problem. „Entweder die Fabriken haben nicht produziert oder die Häfen waren geschlossen, und die Container kamen nicht aufs Meer. Das können die Chinesen sich nicht mehr leisten.“

Als die Zeil sich langsam füllte, waren anscheinend auch viele Schnäppchenjäger:innen unterwegs. Niemand hat Geld zu verschenken, und bei einer Inflation von zehn Prozent sucht man die günstigen Preise. Wie Gudrun Simon-Khan und Tochter Samira. „Wir haben T-Shirts gekauft, 20 Prozent günstiger als vor Weihnachten“, sagt die Mutter. „Wir sind gezielt gekommen.“

Auch die 18-jährigen Freunde Leonardo Hartmann und Luis Maybach hat es wegen Kleidung in die Stadt gezogen. „Wir haben einen Teil der Weihnachtsgeschenke umgesetzt“, sagt Leonardo. Er hat rund 200 Euro geschenkt bekommen, Luis geschätzt 250. Eine Weste, T-Shirts, alles herabgesetzt: Das ist, was sie am Tag nach Weihnachten auf der Zeil erworben haben.

Lucas (2.v.l.) und Julian haben Lego abgestaubt. Sie sind mit Vater Luijk Bart (r.) und ihrem Onkel Sebastian Block auf der Zeil. rüffer
Lucas (2.v.l.) und Julian haben Lego abgestaubt. Sie sind mit Vater Luijk Bart (r.) und ihrem Onkel Sebastian Block auf der Zeil. rüffer © Rainer Rüffer

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