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Ärgerlich: Graffito an der Rotlintstraße.

Berichterstattung

Schmierereien regen kaum auf

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Warum berichtet die Zeitung nicht über ein großes Aufregerthema im Nordend? In vielen Fällen tangieren Themen wie Sachbeschädigung eben leider nur die Betroffenen selbst.

Der FR-Leser ist erbost über die Schmierereien. Ende April kam es im Nordend „zu massiven Sachbeschädigungen an Häusern, Rollläden, Ladengeschäften und Kitas“, schreibt er und weiter: „Ich vermisse eine Meldung in der Lokalpresse, gerne auch mit Recherche, wie unsere Ordnungshüter zu reagieren gedenken. Bei Falschparkern sind Sie viel aktiver.“

Die FR kann über einen Vorfall grundsätzlich nur berichten, wenn sie davon möglichst zeitnah erfährt. In vielen Fällen ist die Redaktion bei Straftaten auf die Pressemeldungen der Polizei angewiesen oder eben wie in diesem Fall auf Hinweise durch Leser.

Die Pressestelle der Polizei wiederum ist auf die Zuarbeit der einzelnen Polizeireviere angewiesen. Nur was diese an die Pressestelle durchgeben, kann auch in einer Pressemitteilung enden. Die einzelnen Polizeireviere wiederum werden erst durch Hinweise oder eine Anzeigen tätig.

Der FR-Leser versichert auf Nachfrage, eine Hausverwaltung habe Anzeige bei der Polizei erstattet. Auf Nachfrage bei der Polizeipressestelle erfährt die FR, dass es zwischen dem 27. und 29. April tatsächlich in der Rotlintstraße an den Hausnummern 44 und 46 zu Schmierereien mit einem Schriftzug kam. Dies habe das 2. Polizeirevier auf Nachfrage mitgeteilt. Das 6. Polizeirevier, dass für die Rotlintstraße oberhalb des Alleenrings zuständig ist, hat keine Kenntnis von Schmierereien im fraglichen Zeitraum. Von den „massiven Verschmutzungen im Nordend“ sind bei der Polizei also „nur“ die Schmierereien an zwei Häusern angekommen.

Bis zur Pressestelle gelangten die Taten nicht. Selbst wenn, hätten es die Graffiti nicht in eine Polizeimeldung geschafft. Denn so ärgerlich die Schmierereien für die Betroffenen sind, verrät Manfred Füllhardt von der Pressestelle: „Das ist nicht mitteilungswürdig für uns, Sachbeschädigungen laufen in einer Großstadt unter ferner liefen.“

Im vergangenen Jahr wurden bei der Frankfurter Polizei in 689 Fällen Sachbeschädigungen durch Schmierereien angezeigt. Das sind fast zwei solcher Fälle pro Tag. Rechnet man die Sonntage ab, würden die FR-Leser mehr als drei Mal pro Ausgabe von Sachbeschädigungen durch Schmierereien lesen. Vielleicht etwas zu viel des Guten.

Gleichwohl kümmert sich die Polizei nach solchen Anzeigen darum. Sie hat schon vor vielen Jahren eine eigene „Arbeitsgruppe Graffiti“ eingerichtet, die den Fällen nachgeht. Für Falschparker übrigens, ist die Stadtpolizei zuständig.

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