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Endlich wieder Kufen unter den Füßen – für dieses Gefühl kamen manche Besucher sogar aus Gießen.

Eissporthalle Frankfurt

Die Schlittschuh-Saison ist eröffnet

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Draußen Freibadwetter, drinnen Abkühlung auf dem Eis: In der Frankfurter Eissporthalle eröffnen rund 500 Schlittschuhfans die Kufen-Saison. Zwei Wochen lang hatten die Eismeister zu tun, um die Oberfläche für die Schlittschuhläufer vorzubereiten.

Hoch steht die Sonne am Samstagnachmittag vor der Eissporthalle. Kein Wölkchen trübt den blauen Himmel. Vor der Halle hat sich eine Schlange bis zur Treppe gebildet. Einige der Wartenden, die meisten im Teenager-Alter, halten ihre Schlittschuhe in den Händen. Die Saisoneröffnung wollen sie sich trotz Freibadwetters nicht entgehen lassen. Am Kassenhäuschen vorbei führt eine Treppe hinab, über den Schlittschuhverleih und den Umkleidebereich in die kühle Halle. „12 Grad hat es einen Meter über der Eisfläche, an der tageslichtdurchfluteten Decke müssten es etwa 30 Grad sein“, berichtet Dieter Henning, Betriebsleiter und einer der 14 Eismeister.

Die Zuschauerränge sind am Nachmittag noch leer. Am Abend werden sie zum Eishockey-Freundschaftsspiel zwischen Frankfurt und Mannheim mit 7000 Besuchern komplett gefüllt sein. Bis dahin gehört den Amateuren die bereits gut gefüllte Eisfläche. Charlotte Wiesner und Sarah Eppelmann schnüren gerade ihre Schlittschuhe. Sie können es kaum erwarten nach einem halben Jahr wieder den glatten Belag zu betreten. Dazu sind sie sogar aus Gießen angereist, weil die Halle dort erst wieder im November öffne.

„Wir sind süchtig“, sagt Wiesner. Mit Inlineskaten hat sich die 15-Jährige in den letzten Monaten beholfen. Es sei aber ein völlig anderes Gefühl sich auf Rollen und hartem Asphalt zu bewegen. „Auf Eis ist man freier, als würde man über die Bahn schweben“, sagt ihre gleichaltrige Freundin.
„Freestyle“ ist das Stichwort, das die Mädchen ebenso begeistert nennen wie zwei Jungs die auf einer Einwechselbank herumlümmeln. Beim Freestyle werden auf dem Eis Handstände vollführt sowie andere Tanz- und Akrobatikelemente in das Dahingleiten eingebaut. „Man will immer besser werden und neue Tricks lernen“, sagt der 15-jährige Dennis Varel aus Fechenheim, mit Baseballkappe falschherum auf dem Kopf. Er ist mit seinen Kumpel Alex Grewe aus Darmstadt da.

Grewe spielte früher Eishockey, was er aber gegen das Freestyle-Laufen eingetauscht hat. „Man spielt hier nicht gegeneinander, und es spielt keine Rolle, ob man gut oder schlecht ist“, sagt er. Freestyler lernten sich schnell kennen und würden sich bei Tricks gegenseitig helfen. „Wie eine Familie, die zusammenhält“, ergänzt Dennis’ Schwester Jennifer. Auch Mutter Natascha Varel ist dabei. Sie stehe seit 33 Jahren auf Kufen, sagt die 37-Jährige und freut sich, dass sie ihr Hobby mit den Kindern teilen kann. Selbst ihren vierjährigen Sohn habe sie schon auf Schlittschuhe gestellt.

Neben den Varels sind zum Auftakt rund 500 Besucher gekommen, schätzt Betriebsleiter Dieter Henning. In den Weihnachtsferien, wenn neben der großen und kleinen Halle auch der Außenbereich mit dem „400 Meter-Ring“ geöffnet sei, kämen täglich bis zu 5000 Leute, berichtet der Eismeister. Dann gebe es insgesamt 9000 Quadratmeter Eisfläche. Der Zulauf sei jetzt noch begrenzt, weil kaum jemand schon Ende August an Eislaufen denken würde.

Dabei ist der Aufwand für die die Eisfläche in der 34 Jahre alten Halle enorm: Banden und Schutz-Verglasungen für Eishockeyspiele werden wieder eingebaut, die für Sommerveranstaltungen wie „Hessen tanzt“ oder Dartmeisterschaften herausgenommen wurden. Auch das Parkett, das als Boden genutzt wurde, wird ausgebaut. Darunter ist eine „Betonpiste“, die ähnlich einer Fußbodenheizung mit Kanälen durchzogen ist, in die Ammoniak als Kältemittel gepumpt wird. Wenn der Boden auf minus sechs Grad gekühlt ist, werden langsam und dünn Wasserschichten aufgetragen, „Peppeln“ genannt.

Wenig Wasser müsse es sein, damit es schnell gefriert und eine klare Eisfläche entsteht, die nicht milchig wird, erklärt Henning. „Gute vier Zentimeter ist unsere Deckeisschicht am Schluss.“ Die Eismeister sind rund zwei Wochen mit dieser Arbeit beschäftigt, ehe das Eis für die neue Saison freigegeben ist.

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