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Krawatte oder eine Königskobra beim Angriff?
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Krawatte oder eine Königskobra beim Angriff?

Frankfurter Merkwürdigkeiten

Schlimmer als eine echte Krawatte

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Scheußliche Kunstwerke gibt es viele – eines aber stellt alle in den Schatten: die Skulptur „Inverted Collar and Tie“ vor der DZ-Bank in der Mainzer Landstraße.

Frech lügt die Frankfurt Tourismus + Congress GmbH den Besuchern ihrer Homepage ins Gesicht. Über die Skulptur „Inverted Collar and Tie (Kragen und Krawatte, umgedreht)“, die seit 1994 den Vorplatz der DZ-Bank in der Mainzer Landstraße verschandelt, ist dort zu lesen: „Die dezent gestreifte Krawatte ist knapp zwölf Meter hoch, wiegt 7,5 Tonnen und ist aus Kunststoff. Scheinbar leicht im Wind nach oben flatternd, ist sie eine ironische Anspielung auf die collar-and-tie-tragenden Passanten, die sich morgens und abends durch das nahe gelegene Bankenviertel bewegen.“

Alles Lüge! Die Skulptur flattert in etwa so leicht im Wind wie der benachbarte Westend Tower. Unschuldige Passanten meiden diese Gegend sowohl morgens als auch abends, und das aus guten Gründen. Wenn „dezent gestreift“ eine vornehme Umschreibung von „potthässlich“ sein soll – na schön. Aber „ironische Anspielung“? Der Betrachter fühlt sich beim Anblick des Kunstwerks allenfalls an eine Königskobra in Angriffsposition erinnert. Sehr unschön. Aber ironisch? Och nö.

Die Serie

„Frankfurt steckt voller Merkwürdigkeiten“, hat Goethe einst gesagt. Merkwürdig ist auch, dass Frankfurt heute voller Goethe steckt. Aber ein paar Merkwürdigkeiten haben den Dichterfürsten überlebt. Andere sind gar neu dazugekommen.

Die FR stellt sie in loser Reihenfolge vor. Einige davon könnten Ihnen merkwürdig vorkommen. Aber genau das sollen Merkwürdigkeiten ja auch. skb

Verbrochen hat diese Skulptur das Pop-Art-Künstlerehepaar Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen. Von ihrer Wahlheimat USA aus führten die beiden – van Bruggen starb 2009 – einen jahrzehntelangen ästhetischen Privatkrieg gegen deutsche Innenstädte. Seit 1996 steht etwa ihre Skulptur „Houseball“ auf dem Betlehemkirchplatz in Berlin-Mitte. Das Magazin „tipBerlin“ urteilt noch sehr gnädig: „Das elf Meter hohe, fast kreisrunde und quietschbunte Scheusal“ sei ein „Knäuel, um das Stühle, Leitern und Treppen gebunden sind“. Das Werk „symbolisiert den Hausstand eines Geflüchteten, der nach Berlin kommt. Immerhin, angesichts der Unmöglichkeit dieser Skulptur kann man ein bisschen mit diesen Menschen mitleiden.“

Als das Künstlerpaar 1977 am Aasee in Münster seine „Giant Pool Balls“ aufstellte, versuchten verzweifelte Münsteraner, die drei riesigen runden Abscheulichkeiten aus ihrem Blickfeld in die Tiefen des Aasees zu rollen. Doch dem Menschen zum Leid und dem Aaseebarsch zur Freud hatte das Künstlerpaar in weiser Voraussicht die Kugeln unverrollbar festbetoniert.

2001 platzierte das Duo auf dem Dach eines Einkaufszentrums am Neumarkt in Köln für anderthalb Millionen Euro eine umgekippte Eiswaffel. Auf der Internetplattform „tripadvisor“ urteilt ein Besucher über das Werk „Dropped Cone“: „Nett ist die Idee, die künstlerische Gestaltung dagegen eher mäßig.“

Nett aber ist in Frankfurt nicht einmal die Idee. Und im Gegensatz zu Köln gibt es an dem grässlichen Kunstwerk nicht mal eine Eisdiele. Nur eine blöde Bank, die kein Mensch braucht, weil man sich nicht draufsetzen kann. Ohnehin stellt sich die Frage, ob man dem Raubtierkapitalismus überhaupt ein Denkmal setzen muss. Vor allem in Frankfurt, wo der Bestie doch bereits mit Bulle und Bär auf dem Börsenplatz gehuldigt wird. Wobei gegen die beiden nichts zu sagen ist: In ihrer biedermeierlichen Bräsigkeit haben Bulle und Bär irgendwie den Weg ins Herz der Stadtgesellschaft gefunden und gehören nun zu Frankfurt wie Äffle und Pferdle zu Stuttgart. Die Krawatte aber gehört nirgendwohin, sondern schlicht abgeschafft.

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