Die Kanadagans kommt zahlreich und zieht nach dem Kükenkriegen oft wieder ab aufs Land.
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Die Kanadagans kommt zahlreich und zieht nach dem Kükenkriegen oft wieder ab aufs Land.

Gänsemonitoring

Schlechte Aussicht für Gänse in Frankfurt

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Im Ostpark sehen Naturschützer Erfolge durch die blickdichte Hecke am Weiher: Es sind weniger Vögel auf der Wiese. Aber die Menschen müssen ihr Verhalten vor allem in einem Punkt ändern.

Wie sich in den vergangenen Monaten gezeigt hat, gibt es größere Probleme auf der Welt als den Kot von Gänsen. Aber auch diesem Problem widmen sich Fachleute seit zwei Jahren – mit welchem Erfolg, steht noch nicht ganz fest. Mit den Zwischenergebnissen des sogenannten Gänse-Monitorings im Ostpark sind sie aber schon ganz zufrieden.

„Das Gänse-Management, wie wir uns das vorgestellt haben, funktioniert“, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) am Mittwoch vor Ort. Am Weiher steht dicht und grün die im vorigen Jahr gepflanzte Gänsehecke aus Rosmarinweide, und auf der großen Liegewiese an der Ostparkstraße tummelt sich etwa ein gutes Dutzend Gänse.

Suchen die beste Lösung für Gans und Mensch: Stadträtin Heilig, Vogelschutzwartenchefin Stiefel, Vogelschützer Rösler (v.l.).

Eine Momentaufnahme, aber sie zeigt aus Sicht der Projektpartner – Umweltdezernat, Vogelschutzwarte, Grünflächenamt und Untere Naturschutzbehörde –, worum es geht: Wer den Gänsen die freie Sicht aufs Wasser nimmt, hält sie von der Wiese fern, vor allem, wenn sie Junge haben. Dann wollen sie nämlich flugs vor dem Fuchs oder anderen Feinden ins Nass fliehen können, und zwar zu Fuß. Also zu Flosse.

GÄNSEMONITORING

Rund 50 000 Euro inklusive Zaun mit Hecke hat das Gänse-Überwachungsprojekt im Ostpark gekostet. Pro Jahr kommen 5000 bis 10 000 Euro hinzu.

Ziel ist es, dass die Tiere von der Liegewiese auf den Weiher und in die dahinterliegenden Grünflächen umziehen. Später sollen die Erfahrungen auch anderswo in der Stadt helfen.

Empfohlen werden: ein Fütterungsverbot, tiersichere Mülleimer, blickdichte Vegetation an Gewässern, das Austauschen der Eier gegen Gipsattrappen, mobile Zäune, schwimmende Ketten auf Wasserflächen etwa in Schwimmbädern und die Kommunikation mit Medien, Verbänden und Vereinen. ill

Zählte man im Juni 2018 noch bis zu 500 Gänse im Ostpark, waren es im Juni 2019 schon hundert weniger. 2020 lag der Spitzenwert bisher bei 330. Den größten Rückgang gab es bei der Nilgans; Kanada- und Graugänse sind in der Überzahl. „Die Nilgans ist eine Art Feindbild geworden“, erklärt Heilig. „Die Menschen fühlen sich gestört.“ Auf der anderen Seite würden sie die Tiere bewusst oder unbewusst mit Essensresten füttern, die sie zurücklassen – der Hauptfehler, sagt auch Dagmar Stiefel, Leiterin der Staatlichen Vogelschutzwarte. „Gänse leben normalerweise draußen in der Natur. Wenn es aber in der Stadt ein Überangebot an Nahrung für sie gibt, reagieren sie darauf.“

Dabei ist die Stadt alles andere als ein optimaler Lebensraum für Gänse. Das zeigt die Statistik: Der Anteil der Brutpaare an der Gesamtpopulation liegt im Ostpark bei elf Prozent der Grau- und zehn Prozent der Kanadagänse, bei den Nilgänsen ist er noch geringer. Üblich ist ein Anteil von 50 Prozent. Folglich fühlen sich die Tiere im Ostpark nicht sicher genug für Nachwuchs. Mit gutem Grund: Von den Jungtieren überlebt nur rund jedes zweite, den Rest holen vermutlich Fuchs oder Hund.

Ingo Rösler von der Vogelschutzorganisation HGON ist regelmäßig vor Ort, beobachtet und zählt die Gänse. Er weist darauf hin, dass die Parksanierungsarbeiten das Bild verzerrt haben könnten – weitere Beobachtungen in diesem und nächsten Jahr seien nötig, ehe Rückschlüsse auf andere Gänse-Hotspots etwa am Rebstock oder in Höchst lohnten. Sicher ist: Die Vögel stürzen sich auf wilde Portulakpflanzen. Deshalb soll mehr von diesem Gemüse-Salat-Gewächs in den Ostpark, dahin, wo die Gänse geduldet sind, fernab der Wiese.

„Gänse gehören wie andere Tiere zu uns“, sagt Umweltdezernentin Heilig und erwähnt Wolf, Dachs und Biber. „Es geht nicht darum, sie abzuballern – es geht darum, wie wir den Lebensraum gemeinsam nutzen.“ Strikt gegen das Töten ist auch Dagmar Stiefel: „Man müsste ohnehin alle paar Monate schießen, denn die Gänse würden die Lücke sofort wieder schließen, solange die Menschen nicht aufhören, sie zu füttern.“

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