Auf der Suche nach einem Zimmer: Viola von der Eltz nächtigt so lange in der Uni.
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Auf der Suche nach einem Zimmer: Viola von der Eltz nächtigt so lange in der Uni.

Semesterstart Uni Frankfurt

Mit Schlafsack in die Uni

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Im Studierendenhaus am Campus Bockenheim stehen Feldbetten nebeneinander - Der Asta stellt Übernachtungsplätze für Studienanfänger. Rund 2000 Wohnungen fehlen.

Für Viola von der Eltz beginnt nächste Woche das Medizinstudium. Doch ein Zimmer hat die 19-Jährige noch nicht. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Suche so hart werden würde“, sagt die Kölnerin. Über 25 Vermieter und Wohngemeinschaften hat sie angeschrieben – bislang ohne Erfolg. Von einer anderen Stadt aus zu suchen, sei nochmal schwieriger. Darum schläft sie diese Woche in der Uni. Im Studierendenhaus am Campus Bockenheim stehen Feldbetten nebeneinander, einige sind bereits mit Schlafsäcken belegt, und im Flur steht ein Kühlschrank.

Defizitäre Lage auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt

Der Asta bietet wohnungslosen Studenten die gesamte Woche einen kostenlosen Übernachtungsplatz an. Mit der Aktion „Mieten? Ja wat denn?“ will der Asta auf die defizitäre Lage auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt aufmerksam machen. Rund 20

Studenten sind bereits in die drei Räume des Studierendenhauses eingezogen. Insgesamt haben sich über 40 angemeldet, manche kämen vielleicht noch spontan, vermuten die Asta-Sprecher. Zusätzlich bietet der Studierendenausschuss Hilfe bei der Suche, Vorträge zum Thema Mieten und Stadtrundgänge an.

„Vor drei Jahren haben wir zum ersten Mal das Camp veranstaltet, aus der Not heraus, dass Studenten zu Vorlesungsbeginn immer noch wohnungslos waren“, sagt Armin Bernsee vom Asta. Seitdem habe sich nicht viel geändert. Frankfurt habe weiterhin eine der schlechtesten Versorgungsquoten mit Studentenwohnheimen. Trotzdem werde kein günstiger Wohnraum für Studierende bereitgestellt.

Ein Blick auf die Wartelisten der Frankfurter Studentenwohnheime verdeutlicht die Situation. Laut Studentenwerk fehlen hier etwa 2000 Plätze. Frankfurt liegt auf Platz drei der deutschen Hochschulstädte mit dem angespanntesten Wohnungsmarkt. Das geht aus einer Studie des Immobilienunternehmens GBI hervor. Nur in München und Hamburg sei es schwerer, eine Wohnung zu finden. Mit der Kampagne „Wohnraum gesucht“ wendet sich das Studentenwerk auch dieses Jahr an die Bürger, günstige Zimmer und Wohnungen mitzuteilen. Vergangenes Jahr konnten so rund 500 Wohnungen zusätzlich angeboten werden. „Die Diskussion um die Wohnraumpolitik in Frankfurt muss weiter intensiv geführt werden“, sagt auch die Asta-Vorsitzende Myrella Dorn.

An der Lebensrealität von Studierenden vorbei

Menschen mit niedrigem Einkommen könnten sich die Mieten in Frankfurt kaum noch leisten. Das betreffe nicht nur Studierende. Vor allem finanzierbarer Wohnraum sei in der Stadt knapp. Zimmer ab 450 Euro, wie sie vor allem in privaten Wohnheimen angeboten werden, seien keine Seltenheit. Das könnten sich die meisten Studenten nicht leisten. Auch die Schaffung eines Luxuswohnheims auf dem Gelände des Philosophicums kritisiert der Asta. Das gehe an der Lebensrealität von Studierenden vorbei. Der Ausschuss rechnet mit einer Miete von 750 Euro. „Mit dem Scheitern des Projekts der Philosophicum-Gruppe hat sich die Stadt wieder einmal gegen sozialen Wohnungsbau entschieden“, sagt Dorn.

Viola von der Eltz will bis Freitag in der Uni nächtigen. Sie ist froh über die kostenlose Bleibe. Denn für die Suche sei es wichtig, dass sie vor Ort ist. „Viele WGs wollen einen ja persönlich kennenlernen.“ Die Zimmer in Frankfurt seien schon teuer, unter 350 Euro habe sie fast nichts entdeckt. Bis zum Ende der Woche sei sie hoffentlich fündig geworden. Eine Wohnung habe sie schon in Aussicht. „Jetzt heißt es: Daumen drücken.“

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