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Zum dritten Mal startet die Winteraktion für obdachlose Menschen. In der B-Ebene der U-Bahnstation am Eschenheimer Tor stehen 150 Übernachtungsplätze bereit.

Obdachlosigkeit

Notquartier für Obdachlose

  • Stefan Simon
    vonStefan Simon
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Die Stadt Frankfurt startet zum dritten Mal ihre Winteraktion für wohnungslose Menschen. Seit 15. Oktober ist wieder der Kältebus jede Nacht unterwegs.

In der B-Ebene der U-Bahnstation am Eschenheimer Tor errichtet die Stadt Frankfurt im dritten Jahr in Folge 150 Übernachtungsplätze für wohnungslose Menschen, dieses Mal unter den besonderen Herausforderungen der Corona-Pandemie.

In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt wurde ein Hygienekonzept erstellt, informierte Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). Dazu zählten vier Luftfilter und eine CO2-Ampel. Darüber hinaus seien die Schlafplätze 1,50 Meter voneinander entfernt, und wer auf die Toilette gehe, müsse einen Mund-Nasen-Schutz tragen, sagte Birkenfeld.

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien vorbereitet, wenn eine wohnungslose Person Symptome aufweise, ergänzte Christine Heinrichs vom Frankfurter Verein für soziale Heimstätten und Leiterin der Winteraktion. „Wir gehen immer davon aus, dass jemand infiziert ist. Wir sind gut vorbereitet und optimistisch, dass wir den Winter gut überstehen werden.“ Außerdem können die Mitarbeiterteams der Einrichtungen in diesem Winter auf die Erfahrungen aus dem Frühjahr bauen. Denn während der Shutdown-Phase war die Notschlafeinrichtung bis Mitte Mai geöffnet.

Wie bereits im vergangenen Winter wird es auch für die kommenden Monate wieder einen Klientenausweis und das „Wintercafé“ geben. Dort können sich die Obdachlosen mit warmem Kaffee, Brötchen und Tee versorgen, sich aufwärmen und bis 10.30 Uhr aufhalten.

Den blauen Klientenausweis im Visitenkartenformat bekomme jeder, der die Einrichtung in diesem Jahr nutzen wolle, sagte Heinrichs. Darauf erfasst würden Name, Alter, Herkunftsland und zu welcher Hilfsorganisation man Kontakt habe. Heinrichs weist darauf hin, dass man aber niemanden zwinge, seine Anonymität aufzugeben. Es gehe nur darum, ein klareres Bild von der Situation der Menschen zu bekommen. Viele der obdachlosen Menschen seien sehr stolz auf den Ausweis.

1394 Menschen aus 71 Ländern

In der B-Ebene am Eschenheimer Tor übernachteten vom 1. November bis Mitte Mai 1394 Menschen aus 71 Ländern, darunter 196 Frauen. Die Anzahl der Übernachtungen lag bei 27 000. 180 Personen kamen täglich. Rund 100 Menschen würden auf der Straße leben. Doch diese Zahl schwankt je nach Jahreszeit, sagte Birkenfeld. In 36 Fällen kam es zu Problemen oder Streit. Dann müssten die Leute für einen Tag diese Schlafunterkunft verlassen, erläuterte Christine Heinrichs.

In Frankfurt gibt es aber nicht nur am Eschenheimer Tor Notschlafplätze, sondern noch weitere Angebote, die obdachlose Menschen nutzen können. 275 Betten stünden in Notübernachtungsstätten und Einrichtungen zur Verfügung, zählte Birkenfeld auf. Darunter die Unterkünfte im Ostpark, in der Rudolfstraße und im Sozialzentrum Burghof (alle Frankfurter Verein) sowie die Tagestreffs Bärenstraße (Caritas), der Tagestreff Weißfrauen in der Weserstraße und das Haus Hannah (Diakonie). „Wenn nötig, können wir die Kapazität am Eschenheimer Tor noch erweitern“, erklärte Birkenfeld.

Seit 15. Oktober ist auch der Kältebus wieder jede Nacht unterwegs. Bei großer Kälte besteht für wohnungslose Menschen Lebensgefahr. Wer hilflose Obdachlose auf der Straße übernachten sieht, kann den Kältebus unter 069/ 43 14 14 anrufen.

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