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Scheinbar schwerelos

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Von: Sabine Schramek

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Natascha Wille präsentiert eine fantasievolle Dressur.
Natascha Wille präsentiert eine fantasievolle Dressur. © Rainer Rüffer

Im Zirkus am Ratsweg staunt das Publikum häufig, erst recht beim vierfachen Salto. Der Great Christmas Weihnachtscircus gastiert noch bis zum 8. Januar auf dem Festplatz.

Offene Münder und vor Spannung starr nach oben gereckte Hälse begleiten die „Flying Martini“, wenn sie am Fliegenden Trapez, der Königsdisziplin der Artistik, den dreifachen Salto Mortale zeigen, als sei er leicht wie ein Purzelbaum. Als Maicol Martini (21) zum vierfachen Salto ansetzt, halten 2000 Menschen rund um die Manege die Luft an. Er schwingt immer höher, fliegt los, dreht sich in unbeschreiblicher Geschwindigkeit über 16 Meter vier Mal um sich selbst, streckt die Arme aus und greift die Hände des Fängers, bevor er abgleitet ins Netz. Tosender Applaus ist ihm trotzdem sicher, denn kaum jemand schafft den vierfachen Salto regelmäßig – schon gar nicht bei minus 8 Grad Außentemperatur. Der junge Mann ist momentan der Einzige in Europa, der den waghalsigen Sprung, bei dem es um Hundertstelsekunden geht, wagt. Die fliegenden Menschen kommen aus Italien, Chile und Brasilien und wirken bei ihren Schrauben, Salti und Passagen, als hätten sie Flügel.

Gefühle zwischen Nervenkitzel, Lachen und Spannung sind gewiss beim Great Christmas Circus, der nächstes Jahr zum zehnten Mal nach Frankfurt kommt. Der Duft von Sägemehl und Popcorn, die Lichterspiele und das Live-Orchester verbreiten echte Zirkusatmosphäre. Zwölf edle Araber in Weiß und Braun, die bei Manuel Franks Freiheitsdressur wie ein Pferdeballett in der Manege tanzen und steigen, ein Schimmel, der neben Juniorchefin Natascha Wille wie verwunschen Kunststücke zum Tango zeigt, und imposante Kaltblüter, auf denen die preisgekrönte ungarische Familie Donnert mit einem Pas de deux auf dem Rücken und im Galopp mit Jockey-Reiterei und Rückwärtssalti von Pferd zu Pferd verzücken Kinder und Erwachsene.

Alle physikalischen Gesetze scheint nicht nur die ukrainische Jongleuse Katarina Nikiforova auszuhebeln, die bis zu acht Bälle nicht hoch in die Luft, sondern in ein Thron-ähnliches Gestell nach unten jongliert und damit die Illusion aufkommen lässt, dass die Bälle ein einziger Kreis sind.

Nur vermeintliche Illusion ist der Kraftakt der Pellegrini Brothers aus Italien, die mit Handstandakrobatik in Zeitlupentempo gemeinsam Pyramiden bauen und die unglaublichsten Figuren entstehen lassen. Nicht umsonst sind sie mit dem Goldenen Clown beim Circus Festival in Monte Carlo ausgezeichnet worden – der höchsten Auszeichnung, die es weltweit für Artisten gibt.

Clown begeistert Publikum

„Ich kann nicht mehr, ich lache mich nur noch schlapp.“ Ein Satz, der oft zu hören ist, wenn der russische Star-Clown Andrey Jigalov mit Schabernack, Grimassen und messerscharfer Ironie die Manege in Schlabberhosen betritt und seinen sonoren Partner im schwarzen Frack aus dem Konzept bringt.

Beweglich wie eine Gummipuppe ist Claudia Navratilova aus Tschechien, die mit 13 Jahren auf dem Drahtseil tanzt, Räder schlägt und durch einen brennenden Reifen mit Messern springt.

Herzerweichende Romantik präsentiert das vietnamesische Duo Tin Hoa und Hien Phuoc bis hoch in die Zirkuskuppel an Seilen. Sie schweben und fliegen innig synchron, tragen sich wechselseitig an nur einem Arm, an einem Fuß oder bei doppeltem Zahnhang, drehen Pirouetten oder verschmelzen im Spagat und wirken dabei so leicht und sanft wie Federn, die zwischen Himmel und Erde schweben. Wer sie beobachtet, verliert sich in Zeit und Raum wie in einer anderen Welt.

Der Great Christmas Weihnachtscircus gastiert noch bis zum 8. Januar auf dem Festplatz am Ratsweg. Informationen zu Vorstellungen und Karten im Internet unter

www.great-christmas-circus.de

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