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Frankfurt

Scheinbar geständig

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Ein 48-Jähriger ist wegen Kindesmissbrauchs vor dem Landgericht Frankfurt angeklagt. Der Mann hat sich selbst angezeigt.

Fast hätte man geglaubt, „Onkel Ho“ sei ein außergewöhnlicher Mann. Nicht deshalb, weil er seit Freitag wegen Kindesmissbrauch vor Gericht steht, das ist leider nicht so außergewöhnlich, wie man es sich wünscht. Sondern weil er sich selbst angezeigt hat – das ist selten. Sollte hier tatsächlich ein Triebtäter aus eigenem Antrieb Tabula rasa machen wollen?

Der 48 Jahre alte gebürtige Nordkoreaner soll die Tochter einer befreundeten Familie, die ihn und seine Ehefrau öfter in Schwalbach besuchte, von 2013 bis 2019 regelmäßig missbraucht haben. Zu ersten Übergriffen, die laut Anklage später in „beischlafähnlichen sexuelle Handlungen“ eskalierten, kam es, als das Kind sieben Jahre alt war.

Anfangs scheint es so, als sei „Onkel Ho“ geständig. „Ich schäme mich“, wispert er so leise in seine Maske, dass selbst die direkt neben ihm sitzende Dolmetscherin ihre liebe Not hat, ein Wort zu verstehen. „Sie war so klein und ich habe nicht damit gerechnet, dass es so große Verletzungen hinterlassen wird. Ich bereue es zutiefst.“

Doch je weiter das „Geständnis“ voranschreitet, desto unklarer wird, was „Onkel Ho“ angeblich bereut. Er redet um die Anklage herum, gesteht lediglich, sie manchmal „an den Oberschenkeln“ berührt zu haben, aber sobald es ernster wird, kann er sich nicht mehr erinnern oder leugnet. Immer wieder schweift er ab und kommt dann auf seine eigene Schilddrüsenerkrankung zu sprechen, die aber gar nicht angeklagt ist und auch niemanden außer „Onkel Ho“ interessiert. Richtig eklig wird es, wenn er versucht, dem als Nebenklägerin auftretenden Opfer so etwas wie eine Mitschuld zu geben. „Sie hat sich jedes Mal auf das Sofa oder das Bett gelegt, wenn sie uns besuchen kam.“ Manchmal sogar in kurzen Hosen. Und „sie hat sich nicht geweigert“, wenn er sie angefasst habe. Spätestens jetzt, wo es angebracht wäre, lässt der Angeklagte jegliche Scham vermissen.

Relativierte Selbstanzeige

Es gibt Pädophile, die vor ihrer eigenen Neigung erschrecken und mit therapeutischer Hilfe dagegen angehen. Manche tun das bevor, andere erst nachdem etwas Schlimmes geschehen ist. „Onkel Ho“ gehört keiner dieser beider Gruppen an. Die Sache mit der Selbstanzeige relativiert sich spätestens als klar wird, dass sie zu einem Zeitpunkt erfolgte, als eine Strafverfolgung ohnehin unvermeidlich war, weil sich das Opfer einer Lehrerin anvertraut und diese die Polizei informiert hatte.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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