+
Im Konflikt um die Zukunft der Städtischen Bühnen in Frankfurt klären sich die politischen Fronten.

Willy-Brandt-Platz

CDU will Bühnen in Frankfurt für eine sagenhafte Summe neu bauen - an einem anderen Ort

  • schließen

Die CDU Frankfurt will den Standort Willy-Brandt-Platz für die Städtischen Bühnen aufgeben.

  • Schauspiel Frankfurt ist sanierungsbedürftig
  • CDU will Theater komplett neu bauen
  • veranschlagte Summe ist enorm

Frankfurt - Im Konflikt um die Zukunft der Städtischen Bühnen in Frankfurt klären sich die politischen Fronten. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) wird am heutigen Donnerstag die Untersuchungsergebnisse der städtischen Stabsstelle Bühnen präsentieren. Die Fachleute unter der Leitung des erfahrenen Projektentwicklers Michael Guntersdorf haben die Kosten einer Sanierung der Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz und alternativ eines Neubaus untersuchen lassen.

Frankfurt: Bei Sanierung würde teure Interimslösung für Bühnen nötig

Bereits am gestrigen Mittwochabend kam im Römer der Frankfurter CDU-Kreisvorstand zusammen. Ihm lag ein Grundsatzpapier vor, in dem empfohlen wird, den Willy-Brandt-Platz als Standort der Städtischen Bühnen aufzugeben. Plädiert wird stattdessen für einen Neubau an einem anderen Ort.

Das Papier, das am Abend beschlossen werden sollte, hat in wesentlichen Zügen der kulturpolitische Sprecher der CDU im Römer, Thomas Dürbeck, verfasst. Er und andere namhafte Politiker der CDU plädieren unter anderem deshalb für einen Neubau an anderer Stelle, weil bei einer Sanierung der Theater-Doppelanlage aus dem Jahr 1963 zusätzlich eine teure Interimslösung für Oper und Schauspiel notwendig werden würde.

Bühnen in Frankfurt: Koalition uneins - Sanierung würde 826 Millionen Euro kosten

In dem Positionspapier wird empfohlen, das städtische Grundstück am Willy-Brandt-Platz zu vermarkten. Dürbeck persönlich schlägt auch künftig eine kulturelle Nutzung vor; er hatte bereits einmal den Bau eines Museums der Weltkulturen ins Gespräch gebracht. Mit der Positionierung der CDU werden die unterschiedlichen Auffassungen in der Römer-Koalition deutlich – sie werden die Zeit bis zur Kommunalwahl im Frühjahr 2021 prägen. Kulturdezernentin Hartwig und die SPD sowie die Grünen wollen am Standort Willy-Brandt-Platz für die Bühnen festhalten.

Die Zahlen, die Hartwig am heutigen Donnerstag in ihrer Pressekonferenz präsentieren will, befeuern die Diskussion. Es hat sich ergeben, dass eine Sanierung der betagten Theater-Doppelanlage 826,3 Millionen Euro kosten würde. Davon entfielen 98,1 Millionen Euro auf ein Interimsgebäude. Außerdem müsste bei einer Sanierung der Bühnen ein Logistikzentrum mit Werkstätten ausgegliedert werden. Zusammen ergäbe das eine Summe, die in der Nähe der 900 Millionen Euro läge, die bereits 2017 eine Machbarkeitsstudie für einen Neubau genannt hatte. Die neue Berechnung der Stabsstelle ergibt für einen Neubau Kosten von 874,9 Millionen Euro.

Bühnen: CDU plädiert für einen Neubau in Frankfurt

Vor diesem Hintergrund plädiert die CDU für Neubau. Dabei sollen Oper und Schauspiel baulich möglichst miteinander verbunden bleiben. Unklar ist allerdings, wo die Bühnen neu entstehen könnten. Die CDU hat sich noch nicht von dem städtischen Grundstück Mayfarthstraße 14 am Osthafen verabschiedet, das der Baustoffkonzern Raab-Karcher gepachtet hat.

Die FR hatte im November 2019 enthüllt, dass Raab-Karcher bis zum Jahr 2033 den Zugriff auf das Areal hat. Für das 25 000 Quadratmeter große Grundstück verfügt die Firma über einen Pachtvertrag bis 2028, mit der Option, ihn bis zum Jahr 2033 zu verlängern. Würde die Stadt vorher zugreifen wollen, müsste sie Raab-Karcher für eine Millionensumme aus dem Vertrag herauskaufen. Andere mögliche Grundstücke für die Städtischen Bühnen, die bei der CDU diskutiert werden, sind der Kulturcampus in Bockenheim und ein Areal der Frankfurter Sparkasse an der Neuen Mainzer Straße.

Für einen Neubau der Bühnen bräuchte es nach EU-Recht einen europaweiten Architekturwettbewerb. Auch die Bauaufträge müssten europaweit ausgeschrieben werden. Das würde Jahre dauern. Auch eine Sanierung macht eine europaweite Ausschreibung nötig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare