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Freut sich auf Besucher: Kunstgaleristin Kirsten Leuenroth in ihrer Galerie in der Fahrgasse.

Galerien

Schauen erlaubt, Feiern verboten

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In diesem Jahr läuft die „Lange Nacht der Galerien“ in der Frankfurter Fahrgasse etwas anders - aber wenigstens findet sie statt.

Feiern gehört einfach dazu, wenn man eine Kunstgalerie hat. Bei den Vernissagen treffen sich Sammler und Künstler, Neugierige und Nachbarn. Seit Mitte März aber gibt es nicht nur keine großen Museumsausstellungen mehr, sondern auch die vielen privaten Frankfurter Galerien schlossen. Gefeiert wurde seither nicht mehr. Und obwohl die Kunsthandlungen wie die meisten kleinen Geschäfte seit zwei Wochen wieder geöffnet haben dürfen, ist es still geblieben. Partys sind bis auf weiteres nicht erlaubt.

Trotzdem haben sich zumindest die acht Galerien in der Fahrgasse, die wie Perlen auf einer Schnur aufgereiht sind, ziemlich kurzfristig entschlossen, ihre „lange Nacht der Galerien“ am heutigen Freitag und morgigen Samstag zu begehen – man scheut den Begriff „feiern“, denn in diesem Jahr sieht es aufgrund der Corona-Pandemie deutlich bescheidener aus als in den Vorjahren. Es gibt keinen Sekt und keine Häppchen, keine Musik und keine Menschenansammlungen. In den Galerien herrscht zum Frühjahrsrundgang wie in jedem Geschäft Maskenpflicht und die Zahl der Besucher, die gleichzeitig Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen anschauen können, ist auf wenige beschränkt. Und dennoch sind die beiden Galerietage eine der ersten größeren Veranstaltungen, die wieder öffentliche Kultur in der Stadt bieten.

„Wir sind natürlich vorsichtig“, versichert Kirsten Leuenroth, Inhaberin der gleichnamigen Galerie in der Fahrgasse 15, die auch von Kritik berichtet. „Mir schrieb zum Beispiel jemand, dass das noch viel zu früh sei“, sagt sie. „Ich habe ihr dann erklärt, dass wir sehr sorgfältig auf Abstand achten, und sie meinte, dann würde doch das Eigentliche fehlen, was eine solche Veranstaltung ausmacht. Das ist wohl die neue Normalität, an die wir uns gewöhnen müssen.“

Frühjahrsrundgang durch Frankfurter Galerien

Die Galerien in der Fahrgasse sind am Freitag, 8. Mai, von 17 bis 21 Uhr geöffnet, am Samstag, 9. Mai, von 11 bis 17 Uhr.

Für Leuenroth und ihre Nachbarn sind aktuell sehr ruhige Zeiten. „Wir haben versucht, uns abzusprechen. Ein Galerist hat in seiner Ausstellung ein Künstlergespräch gedreht. Ich selber versuche, meinen Sammlern in einem regelmäßigen Newsletter Neues aus den Ateliers zu präsentieren“, sagt sie. Das könne aber nur eine Ergänzung sein. „Wir Galeristen leben vom persönlichen Kontakt zu den Kunden, vom Gespräch vor dem Werk. Es ist etwas ganz anderes, wenn man ein Original statt einer Reproduktion sieht.“

Wie bei den Kollegen der benachbarten Galerien hat Corona auch Leuenroths Programm durcheinandergewirbelt. „Eigentlich sollte heute eine neue Ausstellung rechtzeitig zum Galerienspaziergang eröffnen“, erzählt die Galeristin. Jetzt werde die aktuelle Schau, deren Vernissage am 20. März ins Wasser fiel, verlängert.

Zu sehen sind darin Ölbilder der Malerin Katharina Thiele und Zeichnungen des Grafikers Marco Wagner. „Er gehört zu den 200 besten Illustratoren weltweit“, schwärmt Leuenroth. „Aber als Künstler ist er noch wenig bekannt.“ Thieles Arbeiten zeigt sie seit mehr als 15 Jahren, Wagner hat sie ganz neu ins Programm genommen.

Ob der beliebte, um einiges größere Saisonauftakt der Frankfurter Galerien vom 4. bis 6. September stattfinden wird, ist noch offen. Kirsten Leuenroth hofft es. „Vielleicht sieht es ja schon im Juni ganz anders aus.“

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