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Stadtteilbotschafterin Deborah Leuthold stellt die Tauschbox in der Kita vor.

Gutleut

Schatzsuche an der Hafenstraße

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Die Kita Westhafen bietet einen Tausch-Schrank für Kindersachen. Initiiert hat das die Stadtteilbotschafterin Deborah Leuthold.

Die neue Schatztruhe des Gutleutviertels steht in der Eingangshalle der Kita Westhafen, Hafenstraße 9. Eine freundliche Krake hält sie in den Tentakeln, das Meerestier ist auf der Vorderseite einer Schrankwand gemalt. Die Kostbarkeiten im Innern sind: Kinderbücher, Kleidung, Spielzeug, Kuscheltiere. Familien können sich dort etwas hinaus nehmen. Oder etwas hineinlegen. Das Prinzip nennt sich auf englisch: „Give Box“.

Entwickelt hat das Angebot Deborah Leuthold. Die 29-Jährige ist Stipendiatin der Polytechnischen Gesellschaft. Die Stiftung unterstützt seit elf Jahren junge Menschen, die sich für ihre Nachbarschaft engagieren wollen. Stadtteilbotschafter, heißt das entsprechende Projekt.

Die Halle ist „ein Treffpunkt für die Eltern“, sagt Kitaleiterin Anja Koch. Wer seine Kinder holt oder bringt, bleibt auf einen kurzen Plausch stehen, tauscht sich aus. Für viele ist so eine Kita ein Ankerpunkt in der Stadt, etwa weil sie zugezogen sind. Zumal die Westhafen-Kita genau zwischen dem schicken neuen Westhafenviertel am Main liegt und dem alten Gutleut und Bahnhof. „Ein Standort mit vielen Gegensätzen“, sagt Koch. Manche Bewohner des Viertels haben viel, manche nicht. Oder auf das neue Angebot bezogen: Manche können viel teilen, andere freuen sich darüber.

Bedarf für  Tauschangebot ist da

Auch Deborah Leuthold hat ein paar schöne Sachen übrig, als sie vor zwei Jahren aus dem Ostend ins Viertel zieht. Zu schade für die Tonne, zu viel für die neue Wohnung. Sie stellt die Sachen an den Straßenrand gestellt. Am nächsten Tag sind sie verschwunden. „Aha“, denkt sich die Erziehungswissenschaftlerin. „Der Bedarf für ein Tauschangebot ist da.“ Sie kennt das Prinzip aus dem Frankfurter Garten im Ostend.

Eigentlich will Leuthold ihren Schrank „Gude Give Box“ nennen. Sie soll im öffentlichen Raum stehen, allen zugänglich, der Ortsbeirat 1 unterstützt sie. Die Stadt aber lehnt ab. Die Verwaltung sorgt sich, das Projekt könne als Müllbehälter enden.

Leuthold lässt sich nicht entmutigen. „Das ist mir gar nicht in den Sinn gekommen.“ Statt dessen sucht sie Partner, um das Projekt doch zu verwirklichen. Da trifft sie auf Pfarrerin Jutta Jekel von der Hoffnungsgemeinde. Die ist begeistert, vermittelt die junge Frau an die Kita. „Das passt zu uns“, sagt Jekel. Die Gemeinde sei ein Ort, der ein offenes Herz habe für Menschen mit wenig und für Leute, die etwas abgebene möchten. „Die Kinder lernen zusammen, spielen zusammen, nun tauschen sie untereinander.“

Der Schrank steht so zwar nicht dem ganzen Stadtteil offen, aber doch einer ganzen Reihe von Familien. Deborah Leuthold zieht es derweil weiter – mit der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit nach Bosnien und Herzegowina.

Schatzsuche Kita Westhafen, Hafenstraße 9, Mo. bis Fr., 7 bis 17 Uhr.

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