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Die Elite auf den letzten Runden an der Taunusanlage in Frankfurt. Foto: Renate Hoyer
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Die Elite auf den letzten Runden an der Taunusanlage in Frankfurt.

Radrennen Eschborn/Frankfurt

Schatten eines Klassikers

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Die Corona-Ausgabe des Radrennens Eschborn/Frankfurt ist ein bisschen wie die aktuelle Dippemess: nicht ganz das Wahre. Aus Seuchengründen hat man die Menschen aufgefordert, zu Hause zu bleiben und das Spektakel im Fernsehen zu schauen.

Was wurde nicht schon alles versucht, um dem guten alten Radrennen Rund um den Henninger Turm das Publikum zu vergrämen. Erst hat man den Henninger Turm, das ehrwürdige Denkmal Frankfurter Braukunst, zum Gecken-und-Stutzer-Wohnsilo umfunktioniert. Hat nichts genutzt. Dann hat man dem Radklassiker mit „Rennen rund um den Finanzplatz Eschborn/Frankfurt“ den peinlichsten Namen der Sportgeschichte verpasst. Hat auch nichts genutzt.

Nun aber hat man das Rennen von seinem angestammten Datum, dem 1. Mai, aus Seuchengründen auf irgendeinen Septembersonntag verlegt und die Menschen aufgefordert, doch bitte zu Hause zu bleiben und die Glotze einzuschalten. Hat was genutzt. Die Frankfurter, ansonsten resistent gegen jegliche Vernunft oder gar Verbote, haben sich ausnahmsweise und wider Erwarten mal am Riemen gerissen und das Haus gehütet. So wenig Publikum war noch nie.

Das hat natürlich auch Vorteile. Noch nie war es so einfach, einen Logenplatz zu ergattern, von dem aus man sehen könnte, wie die Rennradler in Armlängendistanz an einem vorbeirasen, wenn sie nicht zu schnell für das menschliche Auge wären. Noch nie war es so angenehm ruhig, weil die ansonsten unvermeidlichen aufblasbaren Klatschballons, die für ein akustisches Höllenspektakel sorgen, erst gar nicht verteilt worden sind.

Die paar hundert Zuschauer, die trotzdem zum Zieleinlauf gekommen sind, versuchen das zu kompensieren, in dem sie auf die Werbebanner trommeln. Aber im Gegensatz zu den vergangenen Jahren herrscht rund um die Alte Oper eine geradezu klösterliche Ruhe. Und genau da liegt auch der große Nachteil: Irgendwie ist das alles nicht das Wahre, Schöne, Gute.

Aber der Mensch, allen voran der Frankfurter, ist ein Gewohnheitstier. Und so zieht es auch in diesem Jahr allen Mahnungen zum Trotz ein paar Hundertschaften zur Alten Oper – vermutlich aus Angst, etwas zu verpassen. Diese Angst wird von den Veranstaltern fahrlässigerweise auch noch geschürt, indem sie den Platz vor der Oper umzäunt haben. Um reinzukommen, muss man sich als geimpft ausweisen, einen QR-Code scannen, seine Daten in das Handy tippen und sich einen vierstelligen Pin-Code ausdenken. Allen, die dafür zu blöde sind, helfen die extrem freundlichen Türsteher gerne weiter, auch wenn sie manchen damit beschämen. Auf den Pin-Code 1234 hätte man ja auch selber kommen können.

Lustigerweise besteht aber eigentlich nicht der geringste Grund, den Platz zu besuchen. Alles, was sonst den Reiz des Ortes ausmacht, fehlt in diesem Jahr. Es gibt keine große Leinwand, die das Renngeschehen zeigt, keine Big-Band, die musiziert. Es gibt noch nicht mal was Gescheites zu kaufen. Ein paar Radsportfirmen präsentieren ihre Produkte, ohne sie feilzubieten. Eine Sockenfirma bietet immerhin als „Event-Special“ drei Paar Socken für 25 Euro an. Kurz, bevor das Rennen sich seinem Ende zuneigt, was man lediglich anhand der heranknatternden Hubschrauber erahnen kann, geht am Wurststand dann auch noch die Rindswurst aus.

Das Finale verläuft dann wenigstens sportlich, so wie man das seit Jahren gewohnt ist. Lokalmatador John Degenkolb gewinnt fast, aber eben nicht ganz. Das tut Jasper Philipsen. Degenkolb wird als Zweiter noch im Zielbereich tröstend von seiner Mutter in die Arme genommen, die heuer wenigstens keine Probleme hat, zu ihrem Sohn durchzukommen. Richtig glücklich sieht Degenkolb nicht aus.

Das unterscheidet Degenkolb von Onkel Otto. Überlebensgroß hat sich das HR-Maskottchen vor der Alten Oper aufgestellt und präsentiert ein so breites Grinsen, dass nicht einmal seine riesige Schutzmaske es ganz verdecken kann. Wenigstens einer, der gute Laune hat. Dazu hat Onkel Otto auch allen Grund, denn neben Philipsen darf man den HR getrost als Sieger des Radrennens betrachten. Denn noch nie dürften so viele Radsportfreunde das Rennen im Fernsehen verfolgt haben wie dieses Jahr.

Natürlich wird jetzt in den einschlägigen sozialen Querdenker-Medien unweigerlich die Theorie aufkommen, der HR habe die Pandemie erfunden, um sich mit den Übertragungsrechten die Weltherrschaft zu sichern. Aber das ist natürlich blanker Unsinn. Dafür hat der Sender ja bereits die Zwangsgebühren.

Beim Ziel an der Alten Oper gelten die Hygiene- und Abstandsregeln.
Vor dem Startschuss war noch Maskentragen angesagt.
An der Alten Oper gab es einen Parcours für den Nachwuchs.
Vorbereitungen am Start in Eschborn: ein Teilnehmer baut ein Rad zusammen.
Letzte Glückwünsche, bevor das Rennen startet.
Manchmal ist ein Anruf wichtiger als das Rennen.

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