Freie Theatergruppen

Scharfe Kritik an Kürzung für freie Theatergruppen in Frankfurt

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Freie Theatergruppen schlagen Alarm nach Bescheiden der Stadt.

Gerade wurde er noch öffentlich gefeiert für das 25-jährige Bestehen seiner Open-Air-Aufführungen im Palmengarten. Jetzt erfuhr Rainer Pudenz, Direktor der Kammeroper Frankfurt, dass sein Zuschuss von der Stadt Frankfurt in den nächsten zwei Jahren gekürzt wird. „Ich empfinde das als Herabwürdigung meiner Arbeit in den zurückliegenden vier Jahrzehnten“, sagt der 62-Jährige.

Per Brief aus dem Kulturamt der Stadt wurde dem Regisseur mitgeteilt, dass die Förderung seines freien Theaters vom 1. Januar an nur noch bei 85 000 Euro jährlich liegen wird. Bisher bekam die Kammeroper im Jahr 97 400 Euro von der Kommune. „Diese 13 000 Euro weniger bedeuten für mich sehr viel Geld“, klagt Pudenz.

Die Kammeroper ist nur eine der freien Theatergruppen in Frankfurt, die über die am 23. August verschickten Förderbescheide des Kulturamtes alles andere als glücklich ist. Die Interessenverbände „ID_Frankfurt“ und „laPROF Hessen“ beklagen in einem Offenen Brief das Vergabeverfahren der Stadt.

Erster Kritikpunkt: Viel zu spät erführen die freien Kultur-Gruppen von ihrer künftigen Förderung ab 1. Januar. Im Februar sei die Antragsfrist abgelaufen. Eine sechsmonatige Bearbeitungszeit der Anträge auf Förderung sei „unzumutbar“.

Die berufliche Planung der Antragstellenden, die professionelle Vorbereitung der kommenden Programme könne so nicht garantiert werden.

Im Jahre 2015 hatte die Stadt einen fünfköpfigen Beirat von Fachleuten berufen, um die Förderung der freien Theatergruppen auf neue Füße zu stellen. Jetzt kritisieren die Interessenverbände die „mangelnde Transparenz der Förderentscheidungen“. Bei den neuen Bescheiden sei nicht mehr nachvollziehbar, welche Differenz zwischen den Anträgen und der bewilligten Fördersumme besteht.

„ID_Frankfurt“ und „laPROF“ werfen dem Kulturamt auch vor, die Förderung von Einzelprojekten „stillschweigend“ von 515 000 Euro im Jahr auf künftig 360 000 Euro gekürzt zu haben. Die Folge seien „erhebliche Einschnitte für die Produktionsmöglichkeiten der Freien Szene“. Zu diesem Schritt gebe es bisher „keinerlei Begründung des Kulturdezernats“.

Auf Anfrage der FR kündigte das Büro von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) eine Stellungnahme für den heutigen Mittwoch an. Die Interessenverbände fordern, die Förderung der Freien Theater durch die Stadt ganz neu zu evaluieren. Geschehe dies nicht, werde es „in absehbarer Zeit zur weiteren Prekarisierung der Freien Szene“ kommen.

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