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Das Symbol der Demokratie in Deutschland schlechthin: die Frankfurter Paulskirche, die ihrer Sanierung harrt.

Gespräche

Sanierung der Frankfurter Paulskirche doch noch bis 2023

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Bei Krisengespräch zum nationalen Denkmal einigen sich OB Feldmann und Baudezernent Schneider, das 175-jährige Jubiläum zu beachten.

Nach heftigen Querelen um die Zukunft der Paulskirche haben sich Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Baudezernent Jan Schneider (CDU) am Dienstag zum Krisengespräch getroffen. Um die erhoffte Sanierung des nationalen Denkmals bis 2023 zu retten, verständigten sich beide Politiker darauf, die nötigen Vorarbeiten wie etwa Gutachten über den baulichen Zustand der Kirche rasch in Auftrag zu geben. Über die genauen Ergebnisse der Unterredung wurde Vertraulichkeit vereinbart.

Schneider sagte hinterher der FR, es sei ein „gutes und konstruktives Gespräch“ mit dem Oberbürgermeister gewesen. Man sei sich einig, das Jahr 2023 als Zielmarke „nicht aus den Augen zu verlieren“. Ziel der CDU ist es, dass der Oberbürgermeister die Zuständigkeit für die Sanierung an Baudezernent Schneider abtritt und nur noch für das geplante Demokratiezentrum neben dem Kirchenbau zuständig bleibt. Dazu hat sich der Oberbürgermeister aber nicht bereitgefunden.

Feldmann will sich in einem Interview mit der FR* zum weiteren Vorgehen äußern, wie er ankündigte. Baudezernent Schneider konnte aber zumindest erreichen, dass der OB das nötige Geld für die Voruntersuchungen der Paulskirche freigibt. So können jetzt Experten den tatsächlichen Zustand des Bauwerks aus dem Jahre 1948 feststellen.

2023 jährt sich zum 175. Mal die Zusammenkunft der ersten deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche

Die Grünen griffen das Stadtoberhaupt scharf an und warfen ihm „Untätigkeit und Verzögerungstaktik“ vor. Feldmann sei „als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet“. „So wie es aussieht, werden wir im Jubiläumsjahr 2023 mit leeren Händen dastehen“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Römer, Sebastian Popp. 2023 jährt sich zum 175. Mal die Zusammenkunft der ersten deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche.

Feldmann reise zwar öffentlichkeitswirksam in der Bundesrepublik herum und führe Gespräche mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), zu Hause lasse er aber die Dinge schleifen.

Der OB, so Popp, habe vor Monaten schon den gemeinsamen Antrag der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen zur Paulskirchen-Sanierung angehalten. Hätte sich Feldmann statt dessen um das Projekt gekümmert, „wären wir heute deutlich weiter“, so der Grüne.

Sanierung der Paulskirche soll den bescheidenen Charakter des Bauwerks von 1948 bewahren 

Der Fraktionschef forderte, endlich zu präzisieren, was genau in dem geplanten Demokratiezentrum geschehen soll. Die Grünen lehnen es ab, für diese Einrichtung die Grünfläche zwischen dem Gebäude Paulsplatz 9 und der Berliner Straße zu bebauen, wie Feldmann es möchte. „Dieses Grundstück ist in Zeiten des Klimawandels ganz sicher kein guter Standort“, sagte der Fraktionsvorsitzende.

Einig ist sich die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen lediglich darüber, dass die Sanierung der Paulskirche den bescheidenen Charakter des Bauwerks von 1948 bewahren soll. Weil der Brandschutz im Gebäude nicht mehr den geltenden Vorschriften entspricht, hat die städtische Bauaufsicht die zulässige Zahl der Besucher stark eingeschränkt. Statt wie früher mehr als 900 Menschen dürfen lediglich noch 540 Personen gleichzeitig den Bau betreten.

Von Claus-Jürgen Göpfert

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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