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Beim japanischen Kulturfestival Main Matsuri am Walther-von Cronberg-Platz sind Verkleidungen gern gesehen.
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Beim japanischen Kulturfestival Main Matsuri am Walther-von Cronberg-Platz sind Verkleidungen gern gesehen.

Frankfurt

Samurai-Regenschirme und dämonische Kontaktlinsen

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Das Main-Matsuri-Festival in Frankfurt öffnet den Blick für die japanische Kultur.

Der Gast auf dem Main-Matsuri-Festival kann sich am Wochenende in Sachsenhausen ganz schnell sehr fremd, arm und alt fühlen.

Fremd, weil man mit dem eingezäunten Walther-von Cronberg-Platz eine ganz andere Welt betritt: das geheimnisvolle Nippon. Hier laufen endlich mal wieder alle auch im Freien mit Maske rum. Der Seuchenschutz wird hier noch großgeschrieben. Am Eingang kontrollieren Ordner:innen die digitalen Impfpässe. Besucher:innen haben zuvor online einen „Zeit-Slot“ buchen müssen, mit dem sie auf das Gelände kommen, ohne dass dieses zu voll wird. Es sei denn, es handelt sich um sehr wichtige Personen, die man in Japan „Very Important Persons“ (VIPs) nennt. Die haben für 99 Euro einen „VIP-Pass“ buchen können, mit dem sie so slotlos durch das Festival mäandern können wie Thomas Bach durch die Olympischen Spiele.

Arm, weil innerhalb des Zauns alles noch ein bisschen teurer ist als außerhalb. Nehmen wir mal einen nicht gerade filigranen Ansteckbutton, welcher einen Panda zeigt, der ein wenig ausgestorben dreinschaut. Würde einem etwa auf der Zeil eine Wildfremde versuchen, einen solchen für lau ans Revers zu stecken, würde man wohl mit der gelächelten Notlüge „Danke, hab’ schon einen“ ablehnen. Hier aber tragen ihn viele freiwillig, und er kostet fünf Euro. Natürlich kann man auch sparen, wenn man clever ist. An einem Stand etwa werden etwas kleinere und weniger gruselige Buttons angeboten. „Fünf Sticker fünf Euro“, informiert ein Schild. Aber: „Jeder weitere Sticker nur einen Euro!“ Na also. Geht doch. Und auch der „Samurai-Regenschirm“ für 15 Euro ist ein echtes Schnäppchen. Ins Auge gepiekst macht er den Gegner kurzfristig kampfunfähig, bei beiden Augen funktioniert das auch länger.

Alt, weil hier alles so ganz anders ist als in der guten alten Zeit. Neben den Ein-Euro-Stickern kann man etwa für 40 Euro auch Kuschelkissen kaufen. Die tragen als Motiv äußerst verärgert aussehende Zeichentrickgesichter. Die meisten davon haben blaue, in Zacken abstehende Haare und alle widernatürlich vergrößerte Augen. So etwas gab’s auch schon früher, aber dann waren eigentlich immer Drogen im Spiel. Die aber gibt es auf dem ganzen Festivalgelände nicht. Immerhin verkauft derselbe Stand die geheimnisvolle „XXL Chibi Gönnungstüte“. Allerdings steht da kein Preis drauf. Und keine Liste der Inhaltsstoffe. Ist vielleicht auch beides besser so.

Wenigstens hat sich an der Musik nicht so viel verändert. Auf der „Cup Noodles Main Stage“ bearbeitet die Familie der elf Jahre alten Yoyoka Soma gerade den Deep-Purple-Gassenhauer „Burn“.

Und – Respekt! – die Göre drischt die Drums wie Ian Paice zu Bestzeiten. Der Gesang wirkt allerdings ein wenig, als sei David Coverdale unter die Schlümpfe gefallen. Und statt „All I hear“ versteht man immer „Yakitiori“. Das kann aber auch daran liegen, dass ein Banner neben der Bühne „Yakitori – Das erste Hühnchen zum Anziehen“ bewirbt.

Näher erklärt wird das nicht, es erklärt allerdings die vielen jungen Frauen auf dem Festivalgelände, bei denen der Autor sich gefragt hat, ob sie sich ursprünglich den Eintritt in den Zoo oder zu einer Party in Hugh Hefners Playboy Mansion hatten erschleichen wollen und sich in der Adresse geirrt haben.

Das haben sie nicht. Das sind sogenannte Cos-Playerinnen. Die tragen die anziehbaren Hühnchen und unterliegen so auch ohne VIP-Pass keinem Zeit-Slot-Gebot. Das gilt übrigens auch für Cos-Player, da herrscht in Japan Gendergerechtigkeit. Die Männer geben sich aber oft nicht so viel Mühe. Der Begleiter einer Anziehbares-Hühnchen-Trägerin etwa ist im „Porn Hub“-T-Shirt und in kurzen Hosen zur Party erschienen. Da kneift man zwar als höflicher Gastgeber in Japan schon mal das Auge zu, runzelt aber dennoch die Braue.

Wem das alles ein bisschen viel wird, der hat die Möglichkeit, an einem weiteren Stand für 15 Euro „Demon-Nezuko-Kontaktlinsen“ zu erstehen. Mit denen sieht man die Welt dann durch die Augen von Demon Nezuko. Wie die das alles wohl so finden mag? Vermutlich ganz normal.

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