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Kurz vor der Salzbachtalbrücke ist Schluss: Die Autobahn 66 ist gesperrt. Die Fahrzeuge suchen sich andere Wege durch die Stadt. Foto: Renate Hoyer
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Kurz vor der Salzbachtalbrücke ist Schluss: Die Autobahn 66 ist gesperrt. Die Fahrzeuge suchen sich andere Wege durch die Stadt.

Brücke über die A66

Salzbachtalbrücke über A66 gesperrt: So kommen Sie trotzdem durch Wiesbaden

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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  • Diana Unkart
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Wiesbaden ist nach der Sperrung der Salzbachtalbrücke nur schwer zu erreichen - und Fahrten durch den Stau können teuer werden. Eine Übersicht.

Wiesbaden - Das Besondere dieser Tage am Wiesbadener Hauptbahnhof ist die Einfahrt einer Bahn. „Ah, ein Zug“, ruft ein Arbeiter in gelber Weste und findet die Feststellung so witzig wie seine beiden Kollegen. Seit der Sperrung der Salzbachtalbrücke verkehren hier, abgesehen von der Ländchesbahn, keine Züge mehr. Nach dem ersten Schock am Wochenende und einem Verkehrschaos am Montag scheint sich inzwischen so etwas wie Normalität in der Ausnahmesituation einzustellen.

Am vorigen Freitag musste die Salzbachtalbrücke über die Autobahn 66 überraschend gesperrt werden, weil Betonteile herabgefallen waren und sich Risse gebildet hatten. Weil die Brücke nicht mehr den Anforderungen an die Verkehrssicherheit entsprach, sollte ohnehin ein Neubau das alte Bauwerk ersetzen. Gearbeitet wird daran seit einigen Jahren, aber es kam währenddessen immer wieder zu Verzögerungen.

Wiesbaden: Salzbachtalbrücke über A66 gesperrt - Taxi fahren wird jetzt teuer

Wiesbaden sei jetzt ein „Lost Place“, hatten einige gescherzt, als die Dimension des Brückenschadens und die Tatsache, dass Wiesbaden vom Zugverkehr abgeschnitten ist, bekanntwurde. Aber wie ein verlassener Ort wirkt die Stadt nicht. In der Fußgängerzone bummeln die Menschen, die Restauranttischeim Freien sind zur Mittagszeit gut besetzt. Nur auf dem Markt sei weniger los als sonst, sagt eine Verkäuferin. „Vielen Leuten graut es vor anderen Wegen.“ Und manche Umleitung sei nicht so korrekt ausgeschildert, moniert sie.

„Der Verkehr ist ganz schrecklich“, sagt eine Taxifahrerin, die am Hauptbahnhof auf Kundschaft wartet. „Montag war absolutes Chaos. Aber jetzt reguliert es sich langsam.“ Fahrten durch den Stau können teuer werden. Die Fahrerin erzählt von einem Kollegen, der einen Kunden vom Haupt- zum Ostbahnhof bringen sollte. Dort besteht Anschluss an den Bahnverkehr. 15 bis 17 Euro koste die Fahrt normalerweise, in diesem Fall habe der Kunde 58 Euro zahlen müssen.

Salzbachtalbrücke über A66 gesperrt - Busse bieten Schienenersatzverkehr

Zwischen dem Hauptbahnhof und den Bahnhöfen Wiesbaden-Ost, Biebrich, Mainz-Kastel und Mainz-Hauptbahnhof verkehren Busse im Schienenersatzverkehr. „Die Busse sind immer im Einsatz“, lobt die Taxifahrerin. „Sie standen schon um 5 Uhr bereit, als ich meinen Dienst begonnen habe.“

Drinnen im Bahnhof berät eine junge Frau im Auftrag der Bahn Reisende. Aber die meisten Leute, erzählt sie, bräuchten keine Hilfe mehr. „Die wissen schon, wo sie hinmüssen.“ Eine ältere Dame indes disponiert kurzfristig um. Eigentlich habe sie in den Rheingau gewollt, nach Assmannshausen oder nach Rüdesheim. „Aber das ist mir alles zu umständlich.“ Mit der Ländchesbahn will sie Wiesbaden nun in Richtung Niedernhausen verlassen. Warum nicht mehr Leute diese Möglichkeit nutzen, versteht ein Mann aus Frankfurt nicht. „Die Züge sind pünktlich, nicht zu voll, und in Busse muss man auch nicht umsteigen.“

Inzwischen funktionieren dem Wiesbadener Verkehrsdienstleister Eswe zufolge auch die zusätzlichen Buslinien ganz gut. Insbesondere für die Strecke nach Mainz musste Ersatz für die S-Bahn her. Fahrerinnen und Fahrer seien aus Schulungen geholt worden, um Dienst zu tun. Reisende müssten nicht mehr an den Haltestellen zurückgelassen werden wie in den ersten Tagen nach der Brückensperrung.

Salzbachtalbrücke über A66 gesperrt: So kommen sie durch Wiesbaden

Um die Salzbachtalbrücke weiträumig zu umfahren, empfiehlt die Stadt Wiesbaden grundsätzlich den Mainzer Ring der Autobahnen 643, 60 und 671. Bürgerinnen und Bürgern aus dem Untertaunus können entweder auf die westliche Umfahrung des Stadtgebiets über die Bundesstraße 260 oder die nordöstliche Umfahrung über die Bundesstraße 275 und die A 3 ausweichen.

Für nicht vermeidbare Fahrten durch das Stadtgebiet schlägt die Stadt in Richtung Eltville beziehungsweise Hofheim die Ausweichstrecke A 643/Schiersteiner Straße oder Biebricher Allee – Zweiter Ring – Bundesstraße 455 vor. In Richtung Ingelheim beziehungsweise Hochheim kann die Ausweichstrecke Äppelallee – Kasteler Straße – Amöneburger Kreisel – A 671 genutzt werden.

Bis auf die Ländchesbahn (RB21) kann der Hauptbahnhof Wiesbaden von keinen Regionalbahn- oder S-Bahn-Linien angefahren werden. Fahrgäste aus Frankfurt können mit der S-Bahn nach Niedernhausen und von dort mit der Ländchesbahn nach Wiesbaden reisen.

Zusätzlich verkehrt der Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen Wiesbaden-Hauptbahnhof sowie den Bahnhöfen Biebrich, Wiesbaden-Ost, Mainz-Kastel und Mainz-Hauptbahnhof. An diesen Bahnhöfen ist der Anschluss zu den Linien S1 und S8 (Wiesbaden-Ost, Mainz-Kastel), S9 (Mainz-Kastel), RE 9 und RB 10 (Biebrich, Mainz-Kastel) und RB 75 (alternierend Mainz-Hauptbahnhof beziehungsweise Wiesbaden-Ost) zu
finden. Am Hauptbahnhof sind die Bushaltestellen für den Schienenersatzverkehr am östlichen Vorplatz (Bussteig 6).

Die Fahrt zu den Bahnhöfen Biebrich, Wiesbaden-Ost, Kastel, Mainz-Hauptbahnhof oder Schierstein kann auch mit dem Rad zurückgelegt werden. An den Bahnhaltepunkten Schierstein, Biebrich, Wiesbaden-Ost und Kastel stehen Radabstellanlagen und/oder Radverleihstationen. Die in Wiesbaden vertretenen Anbieter von E-Tretrollern bittet die Stadt, dort mehr Fahrzeuge bereitzustellen, damit auch dieses Verkehrsmittel mit dem ÖPNV verknüpft werden kann.

Die Route über die Mainzer Straße entlang der Bundesstraße 263 in Richtung Mainz ist auch für Fahrräder gesperrt. Als Ausweichstrecken bieten sich die Biebricher Allee – Kasteler Straße – Wiesbadener Straße oder der Weg durch das Ostfeld/Kalkofen über die Hasengartenstraße – Siegfriedring – Kriemhildenstraße – Wäschbachtal an. mre

wiesbaden.de/leben-in-wiesbaden

Wegen der Umleitungen seien viele Busse aber zu spät, erzählen Busfahrer, die gerade ihren Dienst beendet haben. Seit er in Wiesbaden fahre, habe er noch nie solche Verspätungen erlebt, sagt einer von ihnen. Alle Straßen, die stadtauswärts nach Mainz und von dort nach Wiesbaden führten, seien voll. „Wir fahren, was geht.“

Nach Angaben der Polizei fächert sich der Verkehr langsam auf. „Die Leute haben ihre Wege gefunden“, sagt ein Sprecher. Zwei Tage, Montag und Dienstag, kreisten Hubschrauber über der Stadt, um die Situation aus der Luft zu beobachten.

Brückensperrung in Wiesbaden: Betrieb in Bauunternehmen läuft langsamer

Seit Tagen wird an Konzepten gearbeitet, die helfen sollen, den zusätzlichen Verkehr, der wegen der Brückensperrung durch die ohnehin schon staugeplagte Stadt rollt, gleichmäßiger zu verteilen. Es gibt eine Reihe von Ideen und Forderungen. Die Wiesbadener SPD zum Beispiel rät, Parkstreifen temporär zugunsten zusätzlicher Fahrspuren aufzugeben, etwa auf dem Theodor-Heuss-Ring zwischen Mainzer Straße und Biebricher Allee.

Um Wiesbaden wieder besser an das Schienennetz anzubinden und den Schienenersatzverkehr zu beschleunigen, könnten Pop-up-Busspuren entstehen, heißt es weiter. Der Verkehrsblog fliessbaden.de bringt Busverbindungen über die ungenutzten Rampen an der A-66-Anschlussstelle Mainzer Straße in die Diskussion. Am Freitag sollen Stadt und Autobahngesellschaft informieren, welche Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden.

Salzbachtalbrücke über A66 in Wiesbaden: Feuerwehr und Rettungsdienst reagieren

Auch der Rettungsdienst und die Feuerwehr haben sich auf die Situation eingestellt. Um schnelle Hilfe auch zu den Hauptverkehrszeiten zu gewährleisten, organisiert die Stadt deren Einsätze um. Die Zentrale Leitstelle beobachte die Verkehrslage laufend, der Lagedienst der Feuerwehr entscheide dann bei jedem Einsatz, ob von den üblichen Standardeinsatzplänen abgewichen wird, teilt die Stadt am Mittwoch mit. Zudem wurden Einsatzfahrzeuge zu anderen Standorten der Berufsfeuerwehr gebracht, um im Notfall jeden Ort in der Stadt erreichen zu können.

Die große Leere: Nur noch wenige Leute verirren sich in den Wiesbadener Hauptbahnhof. Züge fahren kaum.

Auch viele Firmen haben sich bereits auf die Situation eingestellt. Im Bauunternehmen Gebrüder Schmidt und Söhne läuft der Betrieb weiter, wenn auch etwas langsamer als sonst. Seine Lastwagen benötigten für den Abtransport des Abraums zur Wiesbadener Deponie etwa 50 Prozent mehr Zeit, berichtet Inhaber Goran Ilic. Auch wenn Baustoffe in einem dortigen Lager abzuholen seien, müsse mehr Zeit eingeplant werden. Die Deponie liegt in Nachbarschaft zur Salzbachtalbrücke, und es sei so praktisch gewesen, die Lastwagen dort von der A66 abfahren zu lassen.

Manche fahren nach Sperrung der Salzbachtalbrücke über A66 jetzt mit dem Fahrrad

„Jetzt quälen sie sich durch die Innenstadt“, sagt Ilic, der froh ist, derzeit keine Baustelle in größerer Entfernung von Wiesbaden zu haben. Für einen Kundentermin in Frankfurt habe er am Vortag anderthalb Stunden mit dem Auto gebraucht, sonst sei es eine halbe. Auch die Mitarbeiter verlören auf dem Weg zum Arbeitsplatz Zeit.

Das berichtet auch Infraserv-Sprecher Thomas Deichmann: „Unsere Mitarbeiter kämpfen sich durch den Verkehr, einige sind aufs Fahrrad umgestiegen.“ Die Produktion im Industriepark Kalle-Albert sei jedoch nicht tangiert, weiterhin kommen Lastwagen an, etwa 1500 pro Woche, und 30 Bahnkesselwagen können von Frankfurt den Industriepark weiterhin erreichen, weil sie dafür nicht unter der Brücke durchfahren müssen.

Sperrung der Salzbachtralbrücke:

Jetzt rächten sich die Versäumnisse der Vergangenheit, sagt Stefan Füll, Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden, auf Anfrage. Funktionsfähige Brücken und eine zusätzliche Stadtbrücke über den Rhein zwischen Wiesbaden und Mainz seien unerlässlich. Das zeige die jetzige Sperrung. „Um den totalen Verkehrskollaps zu vermeiden, erwarten wir von den Verantwortlichen schnellstmögliche und praktikable Lösungen“, sagt Füll. Denn für das heimische Handwerk bedeute die Brückensperrung einen Schlag ins Kontor. Anfahrtswege der Handwerkerinnen und Handwerker verlängerten sich. Die Industrie- und Handelskammer Wiesbaden warnt vor Wettbewerbsnachteilen und Mehrkosten.

Eine Mitarbeiterin der Stadt kann der Situation auch etwas Positives abgewinnen. Ohnehin fahre sie schon seit längerem Rad. Die Wege müsse sie sich seit der Sperrung der Brücke mit mehr Menschen teilen. Der Radständer in ihrem Dienstgebäude sei zum ersten Mal voll gewesen. „Klar ist das alles Mist, aber ich sehe die Situation auch als Chance für die Verkehrswende“, sagt sie. „Jetzt probieren Leute das Rad aus, die es sonst nie getan hätten.“

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